„Das war ergreifend“

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Clara (14), 8. Klasse: „Wir durften mit Esther mitfühlen.“ Foto: Hertel

Gymnasium Grootmoor hatte Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano zu Gast

Von Michael Hertel
Bramfeld
„Das ging unter die Haut, es war ergreifend“, fasste Schulleiterin Betina Herzog eine ungewöhnliche Geschichtsstunde im Gymnasium Grootmoor zusammen und lud die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano spontan zum großen Sommerkonzert der Bramfelder Schule ein.
Mit rund 250 Schülern platzte die Aula schier aus den Nähten, dazu war es mucksmäuschenstill, als die eingeladene 91-Jährige aus ihren Erinnerungen las. Bedrückend die Zeit der 1930er Jahre, als die Familie der in Saarlouis geborenen Tocher einer jüdisch-„arischen“ Mischehe immer stärker von den Nazis drangsaliert wurde. Die vorausschauenden Eltern ließen zwei von Esthers Geschwistern frühzeitig ausreisen. Nach der Reichsprogromnacht 1938 schließlich wurde auch Esther auf eine Emigration nach Palästina vorbereitet. Der Kriegsausbruch verhinderte es. Von den Eltern getrennt, die 1941 von den Nazis in Litauen ermordet wurden, schien Esthers Schicksal mit dem Transport ins KZ Auschwitz besiegelt zu sein. Wie durch ein Wunder überlebte das Mädchen mit der ihr von den SS-Schergen in den Unterarm tätowierten Häftlingsnummer 41948 als Mitglied des KZ-Orchesters. Bejarano berichtete von den zynischen Musikdarbietungen in Auschwitz zu den eintreffenden Menschentransporten an der Rampe, vom berüchtigten KZ-Arzt Mengele, von Todesmärschen in der Endphase der Naziherrschaft, von ihrer Flucht und der Befreiung, von ihrer verspäteten Emigration nach Israel, die dann 1960 doch in Hamburg endete („Ich konnte das Klima dort unten nicht vertragen.“).
Anschließend wurden Esther Bejarano von den Gymnasiasten Löcher in den Bauch gefragt, was die Wahl-Hamburgerin sichtlich genoss: „Die ersten 20 Jahre nach dem Krieg habe ich alles in mich hineingefressen. Erst als ich eines Tages vor meinem Laden einen NPD-Infostand entdeckte, an dem diese fürchterliche Ideologie wieder aufgekocht wurde, da platzte mir der Kragen. Seitdem rede ich darüber – es war wie eine zweite Befreiung.“ Hörbares Aufatmen und donnernden Applaus gab es auf ihre Antwort auf die Frage, ob sie sich heute in Deutschland wohl fühle. Esther Bejarano: „Ja, ich fühle mich sehr wohl in Deutschland, weil ich viele antifaschistische Freunde habe, und weil ich etwas bewirken kann.“
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