Der „Hornissenkönig“

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Insektenexperte Eberhard Baur zeigt ein Hornissennest. Foto: Christa Möller

Wenn Wespen stören, weiß der Biologe Eberhard Baur Rat

Von Christa Möller
Wandsbek. Wenn bei Eberhard Baur das Telefon klingelt kommt es vor, dass die Polizei dran ist. Und auch die Feuerwehr meldet sich gelegentlich bei dem pensionierten Hamburger Lehrer, der in Notfällen der besonderen Art zum Einsatz kommt. Sein Spezialgebiet: Insekten. Ein Wespennest über der Terrassentür, der Hummelflug im Schlafzimmer oder die Ameisenstraße in der Küche sind Fälle, die Menschen in Schrecken versetzen. Doch Eberhard Baur hat die Ruhe weg und versucht zunächst, kostenlos telefonisch zu helfen. Sein Leitsatz: „Eine gute Diagnose ist Voraussetzung für eine vernünftige Beratung.“
Geboren in Bärwalde bei Berlin kam Baur über verschiedene Zwischenstationen nach dem Krieg mit seiner Mutter nach Hamburg, wo er am Sankt Ansgar-Gymnasium Abitur machte. Danach studierte er Biologie und Chemie, und „dann bin ich weiter in Hamburg zur Schule gegangen – als Lehrer am Matthias-Claudius-Gymnasium“, sagt er augenzwinkernd. „Schon als Kind habe ich ein Ameisenvolk im Wohnzimmer gehalten“, erzählt er. Die Mutter trug’s mit Fassung – bis die Tiere aus ihrem „Nest“, bestehend aus zwei Weckgläsern mit Verbindungsschlauch, ausbrachen. Doch am Abend fanden sie sich ganz friedlich wieder ein.
Etwas größere Insekten machen ihm auch keine Angst: „Nicht alle sind aggressiv, die meisten wollen sich nur verteidigen.“ Die sieben bei uns vorkommenden Hummelarten sind besonders friedfertig, genauso wie die größte Wespenart, die Hornissen. Auch Giftart und –menge seien gleich, sagt er und verweist damit die Geschichte von den drei Hornissenstichen, die zum Tod eines Menschen führen würden (beziehungsweise sieben Stiche für ein Pferd) ins Reich der Märchen. Von den weiteren neun Wespenarten ist die Vespula vulgaris, die gemeine Wespe, die problematischste. Bei seiner Telefonanalyse fragt Eberhard Baur genau nach, um die Art möglichst sicher zu ermitteln und klärt dann, wie die Situation entschärft werden kann, ob die Insekten umgesiedelt oder als letzte Möglichkeit vernichtet werden müssen. „Ich finde so gut wie immer irgendeine Lösung“, sagt der Hamburger, der diesbezüglich etwa eintausend Anrufe pro Jahr bekommt. „Manch einer ist schon zufrieden, wenn er hört, dass die Wespen im Herbst von allein wieder verschwinden.“ (Tel.: 652 27 72)
Wenn Wespen oder Bienen stechen, hilft es, eine halbe Zwiebel auf die schmerzende Stelle zu halten. Zuckerbrei erfüllt denselben Zweck. Bei Bienen muss der Stachel zuvor vorsichtig entfernt werden. „Bei Allergikern hilft allerdings nur ein flüssiges Cortisonpräparat“, betont Baur.
Seit zwanzig Jahren wird der Biologe mit dem scherzhaften Beinamen „der Hornissenkönig von Deutschland“ von der Umweltbehörde empfohlen, wenn es um Insekten geht. Und auch bei störenden Mardern weiß er Rat. Seit langem hält Baur Vorträge auch über andere biologische Themen im Botanischen Sondergarten Wandsbek. Seine nächste „Gartenwissen Führung“ dort ist für Dienstag, den 4. September geplant. Im etwa 1,5 Hektar großen Botanischen Sondergarten an der Walddörferstraße 273 gab es in diesem Jahr bereits 96 Veranstaltungen mit insgesamt 1.640 Teilnehmern – einschließlich Schulen, wie Leiter Helge Masch erläutert. (cm)
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