Der neue Kaplan kommt aus Indien

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Clement Martis, der neue Kaplan aus IndienFoto: Christa Möller

Clement Martis predigt jetzt im Wilhelmstift. Er gehört zu den Pallottinern

Von Christa Möller
Hamburg. In seiner tropischen Heimat wachsen Kalanchoen und Kakteen. Letztere mag Clement Martis besonders. Er kommt aus der südindischen Stadt Belthangady im Bundesland Karnataka, wo seine Eltern heute noch wohnen. Seine Familie ist katholisch und gehört damit zu einer Minderheit, nur etwa zwei bis drei Prozent der Menschen in Indien gehören diesem Glauben an. Etwa 80 Prozent sind Hindus, circa 13 Prozent Moslems. Der 37-Jährige, der schon als Kind Priester werden wollte, lernte 1995 den Missionsorden der Pallottiner kennen, der seit 1951 in seiner Heimat aktiv ist und dort etwa 600 Angehörige hat, und schließlich führte ihn sein Weg ins ferne Deutschland.

Noviziat in Bangalore

Das erste Mal weit weg von Zuhause war er, als er das Kleine Seminar in Goa besuchte. Dort lernte er Englisch und besuchte die Hochschule, später machte er in Bangalore das Noviziat. Anschließend studierte er Philosophie und fasste dann den Entschluss, Missionspriester zu werden. Andere Menschen und andere Lithurgien kennenzulernen, das interessiert ihn. Vier Jahre dauerte das „Bakkalaureus der Theologie in Mysore und „2006 feierte ich meine Ewige Profess.“ Clement Martis wurde zum Diakon und 2007 schließlich zum Priester geweiht. „Danach war ich zwei Jahre Kaplan und habe dann zwei Jahre als Pfarrer und ein Jahr als Ökonom in einem Pallottiner Einkehrzentrum gearbeitet“, erzählt der indische Priester. Im November 2012 kam er nach Augsburg, wo er nicht nur Deutsch lernte, sondern auch zum ersten Mal in seinem Leben Schnee sah.
Seit November vergangenen Jahres ist Rahlstedt sein neues Zuhause, genauer die Katholische Kirchengemeinde Mariä Himmelfahrt. „Ich war einen Monat im Elisabethhaus und habe auch Farmsen kennengelernt“, erzählt er. Jetzt halte ich Predigten im Wilhelmstift.“ Er spielt unter anderem Kirchenlieder auf dem Keyboard, „das habe ich mir selbst beigebracht.“ Gitarre spielen kann der 37-Jährige auch, „aber nicht so gut.“

„Bei uns in Indien sind die Kirchen voll, und es sind auch viele junge Leute in der Kirche.“ Clement Martis

Derzeit macht er seinen Führerschein. Und auch für sein Hobby, das Gärtnern, muss er sich weiterbilden, denn „das Wetter ist hier ganz anders als bei uns.“ Zuhause in Indien war Clement Martis nicht nur mit Harke und Schaufel aktiv, er hat auch schon einige Gärten geplant. Er hat sich bei den Pallottinern verpflichtet, zehn Jahre in Deutschland zu bleiben. Danach könnte er zurück nach Indien gehen. Heimweh nach Familie und Freunden hat er schon ein wenig, aber im Mai wird der junge Kaplan für vier Wochen nach Hause fahren und seine Familie besuchen. Ansonsten beschränkt sich der Kontakt auf ein bis zwei Telefonate im Monat. Internet gibt es dort nicht. Clement Martis ist das siebte von elf Kindern. Alle haben eine Schule besucht, im Gegensatz zu seinen Eltern. Vieles ist anders in Indien. „Bei uns sind die Kirchen voll“, sagt Martis, „und es sind auch viele junge Leute in der Kirche.“ Hier sei alles ordentlich und sauber, und vor allem: die Menschen sind pünktlich. „Das gibt es nicht bei uns.“ Ebenso wenig wie Brot, Schinken und Marmelade auf dem Esstisch, die Inder dagegen essen viel Reis, Fisch und Gemüse.

Pallotinerorden

Clement Martis ist übrigens nicht der einzige Ausländer im Team, zu dem auch ein polnischer Pastor gehört. Hans Joachim Winkens, seit 2007 Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde Mariä Himmelfahrt in Rahlstedt und der Heilig Geist Gemeinde in Farmsen, ist Mentor von Clement Martis. Winkens erläutert: „Es gibt Missionsgebiete in Afrika und wir haben Verbindung zu drei indischen Provinzen.“ Der dortige Pallottinerorden wurde von süddeutschen Pallottinern begründet und ist inzwischen selbstständig. „Es gibt 600 Pallottiner in Indien – mehr als bei uns“, erläutert Pfarrer Winkens. Zum Vergleich: Hier sind es 200. „Indische Patres gibt es in Südafrika, Kanada oder der Schweiz“, wie Winkens weiß, der vor seiner Rahlstedter Zeit als Chef der Pallottiner die Mitbrüder weltweit besuchte. Die Gemeinschaft wurde 1835 vom Heiligen Vincenz Pallotti in Rom gegründet. Clement Martis hatte Pfarrer Winkens übrigens gleich wiedererkannt: Er hatte als Student in Indien schon einen Vortrag von ihm besucht.

8.000 Katholiken gibt es in Rahlstedt, weitere 4.000 in Farmsen. Im Sommer werden sie sich mit den Kirchengemeinden Volksdorf, Poppenbüttel und Bramfeld unter dem neuen Namen „Seeliger Johannes Prassek“ zusammenschließen. Hintergrund: „Das Erzbistum hat zuwenig Priester“, sagt Winkens.
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