Dialog mit den Nachbarn

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Flüchtlinge, Nachbarn und Verantwortliche kamen ins Gespräch Foto: rg

Anwohner am Moorpark diskutieren mit Verantwortlichen und Bewohnern

Jenfeld Wie leben die Flüchtlinge im Moorpark, welche Sorgen haben die Nachbarn, wie kann ein Miteinander gelingen? Etwa 100 Gäste kamen am Sonntagvormittag ins Jenfeld-Haus, um diese und weitere Fragen mit geladenen Gästen auf dem Podium zu diskutieren. „Flucht hat es schon immer gegeben, sie bedeutet den Verlust des sozialen Umfeldes“, betonte gleich zu Beginn der Wandsbeker Pastor Jan Simonsen. Fremde zu achten und zu lieben werde bereits in der Bibel immer wieder gefordert. Er sei vor dem Krieg und der Bedrohung durch das Assad-Regime, den sogenannten Islamischen Staat und die Al Nusra-Front geflüchtet, berichtete der Syrer Mohamed Hussein. IS-Terroristen töteten seine Frau und sein Kind. Seit sechs Monaten ist Hussein jetzt in Hamburg. Er sei zufrieden, am Leben zu sein und danke für die Barmherzigkeit. Er wolle einhundertprozentig nach Syrien zurückkehren, sobald dies möglich sei, so Hussein. „Der Anfang war schwierig, doch die damalige Situation hat es nötig gemacht. Sonst wären viele Flüchtlinge obdachlos geworden“, erklärte Bastian Faust, Leiter der Unterkunft im Moorpark. In der Notaufnahme mit Zelten sei die Fluktuation anfangs hoch gewesen. Seit November gebe es nun Holzhäuser, und die Bewohner blieben bis zu sechs Monate. Fördern & wohnen suche den Dialog mit der Nachbarschaft in Jenfeld, so Faust. Anfangs habe es Streitigkeiten im Camp etwa bei der Essensverteilung gegeben, sagte Dirk Meyer vom Polizeikommissariat 38 und betonte: „Aus polizeilicher Sicht ist die Lage jetzt vollkommen unproblematisch, die Einsatzzahlen sind rückläufig.“

Gemeinsame Begehung?


Moderator Alexander Weil, selbst in mehreren Unterkünften in Wandsbek als Helfer aktiv, ließ die Nachbarn aus Jenfeld zu Wort kommen. Die Bewohner des Camps gingen ständig direkt an ihrem Fenster vorbei, monierte eine Frau. Könne der Eingang nicht verlegt werden? Eine andere Nachbarin klagte, Lärm bis in die Nacht störe ihre Privatsphäre. Auch Müll auf umliegenden Spielplätzen und wildes Urinieren wurden kritisiert. Auf Beschwerden werde nicht reagiert. Moderator Weil schlug eine gemeinsame Begehung von Anwohnern, Behördenvertretern und fördern & wohnen vor. Sinnvoll sei es auch, Bezirkspolitiker anzusprechen. Unterkunftsleiter Faust kündigte an, im Camp Infoveranstaltungen zu organisieren, um den Flüchtlingen die Regeln in Deutschland zu vermitteln. Der Dialog mit den Anwohnern müsse weitergeführt werden, betonte Meike Dreessen-Rübke, die die gelungene Veranstaltung mit organisiert hatte. (rg)

Kontakt: Anwohner-Initiative-Jenfeld@web.de
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