Die „Kultur-Familie“ in Hamburg

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Die Mädchen vom Theaterprojekt „Ich und meine Welt“ proben mit Theaterpädagogin Andrea Gritzke, (re.), für die Aufführungen im Mai Foto: Christa Möller
 
Sigrid Döring (l.), Christiane Zenke (M.) und Helga Königs-Schinner von der Freien Kulturinitiative JenfeldFoto: Christa Möller

Tanzen, Töpfern, Theater für alle zwischen sechs und 99

Von Christa Möller
Hamburg. Die Mädchen sind mit Begeisterung bei der Sache:
Theaterspielen steht bei ihnen zum Teil auf dem Schulstundenplan – gemeinsam mit einer Theaterpädagogin macht das im Gemeinschaftsprojekt mit der Kulturinitiative Jenfeld so viel Spaß, dass einige sogar schon öfter teilgenommen haben.
Das Motto der Freien Kulturinitiative Jenfeld ist eindeutig: Jeder kann mitmachen. Dementsprechend richtet sich das umfangreiche, generationsübergreifende Angebot des eingetragenen Vereins an alle zwischen sechs und 99 Jahren, die Freude daran haben, sich kreativ zu betätigen – unabhängig davon, ob sie Vorkenntnisse haben oder nicht. Kaum zu glauben, aber „die älteste Teilnehmerin war im vergangenen Jahr eine 92-Jährige, die zum Schneidern kam“, erzählt Christiane Zenke. Die Jenfelderin gehört seit fünfzehn Jahren dem Vorstand der vor 31 Jahren gegründeten Freien Kulturinitiative an, die sich im Jahr 2000 mit anderen Einrichtungen zur gemeinnützigen Quadriga GmbH zusammengeschlossen hat. Als Honorarkraft, aber auch ehrenamtlich, ist Sigrid Döring aus Farmsen mit großer Freude bei der Kulturinitiative aktiv: „Es ist nie langweilig - wenn man hier ist, muss man eigentlich alles mitmachen. Es kommen immer neue Anfänger, neue Kinder. Es ist toll zu sehen, wie positiv sie sich entwickeln. Wir sind fast wie eine Familie.“ Helga Königs-Schinner leitet die Kulturinitiative, die im fröhlich gelb gestrichenen ehemaligen Waschhaus an der Kelloggstraße 38 beheimatet ist, „ein Stadtteilkulturzentrum mitten zwischen den Hochhäusern im Wohngebiet.“ Die SAGA stellt die Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung, „wir müssen nur die Nebenkosten bezahlen“, erläutert die Leiterin, die von einer festen Kraft und zwei Minijobbern sowie – je nach Projekt – bis zu 19 Honorarkräften unterstützt wird. Außerdem engagieren sich 26 Ehrenamtliche für den Verein, dessen 80 Mitglieder an den Angeboten kostenlos teilnehmen können. Nur die Materialkosten müssen sie bezahlen. 37.000 Nutzer profitieren jährlich von den Angeboten. Für Erwachsene gibt es außer der Nähwerkstatt das Schwimmen, Malen und Zeichnen oder English Conversation sowie Töpfern oder Tiffany.
Durch die offene Ganztagsschule hat sich das Angebot für Kinder verändert: Mit der Grundschule Jenfelder Damm gibt es Kooperationen im Bereich der ganztätigen Betreuung wie Kochen International oder Töpfern. Als Ferienkurs in Zusammenarbeit mit „Elbphilharmonie-Kompass“ wird das Rhythmusprojekt „BeatObsession“ im Frühjahr und Herbst angeboten. Der Schwerpunkt liegt im – extern geförderten - Theaterbereich: „Wir führen in diesem Jahr sieben Theaterprojekte durch“, sagt Helga Königs-Schinner, die sich erinnert: „Vor acht Jahren lief das erste Theaterprojekt mehr laienhaft.“

Kinder entwickeln die Stücke mit

Dank Theaterpädagogin Andrea Gritzke aus Rahlstedt liegt die Arbeit seit sechs Jahren in Profi-Hand. Die Stücke werden selbst entwickelt, die eigene Geschichte der Kinder fließt so in das Geschehen auf der Bühne mit ein. Seit neun Monaten proben zwei Gruppen junger Schauspieler einmal wöchentlich für ihr von der Stiftung Maritim gefördertes Stück „Ich und meine Welt“. Darin geht es unter anderem um die Themen Reise und Heimat. Zur ersten Gruppe gehören Acht- bis Zehnjährige von der Schule Jenfelder Straße, die im Rahmen der Gebundenen Ganztagsschule teilnehmen. Die zweite Gruppe stammt aus verschiedenen Schulen im Bezirk und ist zwischen zehn und vierzehn Jahren alt. Gemeinsam proben beide Gruppen jetzt erstmals in den Frühjahrsferien. Eine Tanzpädagogin ist ebenfalls beteiligt. Durch die Bühnenarbeit verändern sich die Kinder häufig so positiv, dass das Team der Kulturinitiative oft von Eltern oder Lehrern darauf angesprochen wird. „Das motiviert uns natürlich auch“, freut sich Helga Königs-Schinner.
Knapp siebenhundert Zuschauer werden die vier Vorstellungen besuchen. Premiere ist am 6. Mai um 18 Uhr im Jenfeld-Haus, weitere Termine: 2. Mai, 10 und 12 Uhr sowie 8. Mai, 11 Uhr. Die Karten kosten für Kinder 1,50 Euro, für Erwachsene drei Euro und sind ab 10. April bei der Kulturinitiative erhältlich.
Neugierige können Auszüge aus „Ich und meine Welt“ übrigens am 5. April um 20 Uhr schon vorab in der Kreuzkirche in Wandsbek sehen. Unter dem Titel „Heimathafen“ wird es dort erstmals eine Veranstaltung mit Erwachsenengruppen von anderen Stadtteilkulturzentren aus dem Bezirk Wandsbek geben. Der Eintritt ist frei.

Freie Kulturinitiative Jenfeld, Kelloggstraße 38, Tel.: 6 54 50 04, quadriga-hamburg.de
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