Diskussion über Flüchtlinge in Hamburg

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Hans-Otto Schurwanz (stehend) sprach sich im Namen des Bürgervereins gegen eine Unterbringung weiterer Flüchtlinge in der August-Krogmann-Straße aus

Unterkunft in der August-Krogmann-Straße im Fokus des Regionalausschusses

Hamburg. Zur Sitzung des Regionalausschusses in Farmsen waren vergangene Woche zahlreiche Anwohner gekommen, die sich für oder gegen die Unterbringung von weiteren 400 Flüchtlingen in der August-Krogmann-Straße aussprechen wollten. Aufgrund angekündigter Demonstrationen von Flüchtlingsgegnern und der linken Szene, waren die Zufahrten zur Schule komplett von der Polizei abgesperrt worden. Auch auf dem Gelände gabe es vor den Sitzungstüren höchste Polizeipräsenz.

Einzige Möglichkeit: Bestandsgebäude

Die Stimmung im Saal war ruhig und gelassen. Die meisten Teilnehmer verteidigten eine schnellstmögliche Unterbringung der Flüchtlinge und zeigten viel Verständnis für deren Situation.
Nur einige Farmsener Bürger, wie Hans-Otto Schurwanz vom Bürgerverein, blieben bei ihrem ablehnenden Standpunkt und fühlten sich mit dem Problem der zusätzlichen Verantwortung im Stadtteil alleingelassen.
400 weitere Flüchtlinge zu den knapp 350 Menschen die bereits dort leben, hält Schurwanz für eine absolute Überlastung für den Standort und fordert jetzt auch in einem offenen Brief an Bürgermeister Olaf Scholz eine Zurücknahme der Entscheidung. „Wir haben im Augenblick keine andere Wahl“, erklärte Staatsrat Jan Pörksen, der zur Sitzung des Regionalausschusses gekommen war. „Die Menschen sind bereits in der Stadt und haben ein Recht auf ein Dach über dem Kopf. Wir wollen nicht, dass sie Weihnachten in Zelten sitzen müssen.“ Zugreifen müsse man, aufgrund der brisanten Lage, auf Bestandsgebäude, die schnell zur Verfügung stehen und leicht zu Unterkünften umgestaltet werden könnten.
„In Bergedorf, Bahrenfeld oder Willhelmsburg haben wir bereits mehr als 1.000 Flüchtlinge auf kleinerem Raum. Dort kommen die Leute damit klar. Und das wird auch hier so sein. Man muss sich einfach daran gewöhnen. Wir haben nicht die Möglichkeit, durch die Straßen zu gehen und zu fragen: ‚Wollt ihr das?‘ Das ist eine Illusion“, so Staatsrat Pörksen.
Thomas Ritzenhoff fügte hinzu: „Es geht nicht darum, ob wir Flächen nutzen, sondern nur um das wie.“ CDU-Politiker Huy-Tam Van machte sich Sorgen, dass eine große Anzahl an Flüchtlingen nicht genügend Hilfe bekommt. „Wenn so viele Personen kommen, müssen die Ressourcen weiter aufgestockt werden, um eine ausreichende ehrenamtliche Hilfe zu ermöglichen.“
Anka Brams erklärte: „Es werden Spielplätze für die Kinder auf dem Gelände geschaffen. Und auch genügend Grünfläche wird für die Bewohner zur Verfügung stehen.“

Ausschreitungen am U-Bahnhof Farmsen

Während in der Aula noch heftig diskutiert wurde, flogen am U-Bahnhof Farmsen bereits die ersten Flaschen. Die Eingangsbereiche zur U-Bahn mussten zeitweise gesperrt werden. Nur mit starker Polizeipräsenz konnte ein direktes Aufeinandertreffen linker Gegendemonstranten und Farmsener Unterbringungsgegnern verhindert werden. Angekündigt wurde die Demonstration von Andreas Schacht, der in Hamburg der rechtsradikalen Szene zugeordnet wird. Gegen 20 Uhr eskalierte die Situation am U-Bahnhof. Die Polizei musste eingreifen.

Erste Flüchtlinge kommen im Dezember

Anfang Dezember sollen die ersten der 400 zusätzlichen Flüchtlinge in Farmsen untergebracht werden. „Es werden nicht alle Menschen gleichzeitig kommen“, verspricht der Staatsrat, „die Eingliederung wird sich bis Januar hinziehen.“ (kg/ce)
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