Ein echtes Schätzchen...

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Horst Klöckner zeigt auf die Christus-Figur an der Kanzel Fotos: Christa Möller
 
Die Alt-Rahlstedter Kirche ist die älteste Kirche im Raum Hamburg nördlich der Elbe und auch als Hochzeitskirche sehr beliebt

...ist die Alt-Rahlstedter Kirche. Horst Klöckner bietet Führungen an

Von Christa Möller
Rahlstedt. Diese Kirche steht längst nicht mehr im Dorf: Alt-Rahlstedt gehörte einst zu Stormarn, seit 1937 zum Hamburger Stadtgebiet. Schon um 1200 wurde die Alt-Rahlstedter Kirche erbaut. Sie ist damit die älteste Kirche im Raum Hamburg nördlich der Elbe

. Ihr Turm wurde allerdings erst fünfeinhalb Jahrhunderte später fertig. Extra fürs Rahlstedter WochenBlatt machte Horst Klöckner eine Kirchenführung. Er war jahrelang Kirchenältester und ist in der Gemeinde noch tätig, gestaltet den Schaukasten und führt Interessierte durch die Kirche. Unsere Führung ist nach einer Stunde beendet, aber eine ausführliche Kirchenerkundung kann auch dreimal so lange dauern. Für Schulklassen hat sich der ehemalige Lehrer etwas Besonderes einfallen lassen: Die Schüler bekommen Bilder und Figuren in die Hand und müssen das Gegenstück in der Kirche suchen. „Wer es gefunden hat, darf sich hinsetzen und dann erzähle ich etwas dazu“, weiß der Rahlstedter, seit vielen Jahren Prädikant (Laienprediger).
Wertvolle Zeugen der
Vergangenheit
„Das ist das Angelusläuten“, erklärt Horst Klöckner, als um zwölf Uhr Glockengeläut zu hören ist, „also das Mittagsläuten.“ Die Bronzeglocke von 1494 sei wahrscheinlich die älteste, die aus dem Glockengießerwall nach Stormarn geliefert wurde. „Das bedeutet, dass damals der Turm nebenbei gestanden haben muss“, stellt der Kirchenführer fest. Denn der heutige Turm wurde erst 1700/1750 erbaut. Die zweite Glocke aus Stahl stammt aus dem Jahr 1955, die Uhrschlag-Glocke außen am Turm von 1819.
Die alten Kirchenfenster wurden teilweise im Krieg zerstört. „Das älteste erhaltene Fenster zeigt Wappen von Leuten, die die Kirche nach dem 30-jährigen Krieg wieder benutzbar gemacht
haben“, so Horst Klöckner, der auch viele Geschichten über die Kirche kennt, deren Chronik im Stadtarchiv in Wandsbek im
Zweiten Weltkrieg verbrannt ist.
Besonders wertvolle Zeugen der Vergangenheit sind das Triumphkreuz aus dem 14. Jahrhundert, das älteste Kunstwerk der Kirche, das ursprünglich ein Vortragekreuz für kirchliche Prozessionen war, und die beiden Apostelfiguren von Jacobus und Petrus. Sie stammen vom Altar des 15. Jahrhunderts, der wie alle Holzteile im 30-jährigen Krieg vernichtet wurde, als die Kirche beim Abzug von Tillys Truppen 1627 in Brand gesteckt wurde.
Die barocke Kanzel mit den Evangelistenfiguren stammt aus der Wandsbeker Christuskirche, für deren Neubau sie sich als zu klein erwies und ist ein Geschenk des Wandsbeker Kirchenpatrons Graf Christian von Schimmelmann.
„Das Altarbild aus der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg soll der Sage nach ein Bauer aus Rahl-stedt auf sein Scheunentor gemalt haben als Dank dafür, dass er verschont geblieben ist“, erzählt Horst Klöckner. Und die Putten darunter sind im „Barockoko“ (so genau ist die Zeit nicht bekannt) dazugekommen.“ Später wurde noch das Abendmalbild ergänzt.
Besonders die jungen Kirchenbesucher sind fasziniert von der zugemauerten Kirchentür. Welchen Zweck sie einst hatte? „Die Leute sollen durch die Tür zur Wandse zur Taufe gegangen sein.“ Für wahrscheinlicher hält Horst Klöckner, dass der Küster durch die Tür gegangen ist, um Taufwasser aus der Wandse zu holen.
Dass die beiden Messing-Kronleuchter nur identisch aussehen, es aber nicht sind, verrät er auch. Im Zuge einer Reinigungsaktion entdeckte er auf der Kugel des einen, der von der Russischen Zarin Elisabeth II gespendet wurde, die Jahreszahl anno 1744, wohingegen der zweite Kronleuchter eine Replik von 1910 ist.
1981 wurde der Kirchturm neu gedeckt und 2008 gleich noch mal - „wegen Baupfusch: Das Dach war undicht, es gelangte Wasser in die Orgel. Grund: „Es sind gesägte statt gespaltene Eichenschindeln verwendet worden und statt drei nur zwei übereinander.“ Und dann fraß sich auch noch der bunte Nagekäfer durchs Gebälk, wie sich nach Abschluss der Arbeiten herausstellte. So mussten die Holzbalken des Fachwerks zum Teil ausgetauscht werden. Wegen des Denkmalschutzes musste jedes noch so kleine Holzstück erhalten werden. Die Balken wurden mittig aufgeschnitten, und zwar sowohl die alten als auch die neuen, in die Mitte der Balken kam eine Stahlplatte, die beide Hälften und somit die gesamte Turmkonstruktion zusammenhält.
u Die Alt-Rahlstedter Kirche ist für Interessierte jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Infos unter www.rahlstedter-kulturverein.de
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