Ein Eppendorfer nimmt Fahrt auf

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Jetzt gehört Simon Klose zu den Hoffnungen des deutschen Rudersports Foto: sos
 
Ruder-Talent Simon Klose (17) ist fast jeden Tag auf dem Wasser. Sein Traum: Ein Startplatz bei der Junioren-WM Foto: sos

Simon Klose gehört zu den besten Ruder-Talenten in Hamburg. Eppendorfer setzt auf die WM in Rotterdam

Von Sonja Schmidt

Eppendorf Wenn Simon Klose in seinem Zweier auf dem Wasser ist, dann ist er in seinem Element. Dann geht es Schlag auf Schlag die Regatta-strecke in Allermöhe hinunter oder die Kanäle der Alster entlang. Dann ist er glücklich. Seit drei Jahren rudert der 17-Jährige in der Ruder-Gesellschaft (RG) Hansa, die ihren Ruderclub direkt an der Außenalster hat. Simon trainiert im Verein auf anspruchsvollem Leistungsniveau.

Als absoluter Neuling fing er 2013 mit dem Rudern an, weil Fußball ihm irgendwann keinen Spaß mehr machte. Mittlerweile spult er sieben bis acht Trainingseinheiten die Woche herunter: Rudern, Gewichte stemmen, Ergometer fahren, Ausdauertraining – und nebenbei fürs Abi lernen. Sein großes Ziel: eine Teilnahme an der Junioren-Weltmeisterschaft in Rotterdam Ende August.
„Ich gebe wirklich alles, um das zu schaffen“, sagt er. Simon ist 1,92 Meter groß, hat lange, kräftige Arme und lange Beine, ideale Voraussetzungen also zum Leistungsrudern. Als er das erste Mal im Boot sitzt, lernt er den Unterschied zwischen Skullen und Riemenrudern. Beim Skullen hält er in jeder Hand jeweils ein Ruder auf einer Seite, beim Riemenrudern den sogenannten Riemen mit beiden Händen.
Ebenfalls wichtig: Wie bewahrt man das Gleichgewicht im hüftbreiten Boot? Und das bei Wind und Wetter? „Gar nicht so leicht. Anfangs bin ich andauernd gekentert“, erinnert er sich. Aber es sollte sich zeigen, dass die Rolle des pfeilschnellen Ruderers wie angegossen auf seinen starken Körper passt. Ambitioniert sammelt Simon Erfahrung auf nationalen Regatten. Und am Ergometer spürt er schnell seine wachsende Kraft. „Es ist eine große Kunst, sich die Kraft einzuteilen. Nach 1.000 Metern fängt es an, richtig weh zu tun. Am Ende muss man sich regelrecht quälen, um ins Ziel zu kommen.“ Beim Rudern ist viel Willensstärke gefragt: „Es ist der wohl härteste Kraftausdauersport, den man machen kann. Wenn einem alles weh tut, muss man trotzdem weiterkämpfen.“

Ausruhen?
Keinen Schlag!


Nach nur einem Jahr steigt Simon 2015 in den A-Juniorenbereich auf. Beim Sichtungstest in Brandenburg erkämpft er im Riemenrudern auf seiner ersten 2.000-Meter-Regatta einen 17. Platz auf der U19-Rangliste. „Die Leistungsdichte war sehr hoch“, erinnert er sich. Als sein Ruderpartner mitten in der Saison plötzlich aufhört, steht Simon alleine da: „Vielleicht lagen wir nicht auf einer Wellenlänge, wer weiß. Man trainiert ja fast jeden Tag mit seinem Ruderpartner, da muss es zwischenmenschlich passen.“
In seiner Rolle als Bugmann sitzt der 17-jährige Eppendorfer hinter seinem Zweier-Partner, übernimmt die Kommandos und feuert an. Der Schlagmann vor ihm behält die Schlagzahluhr im Blick und gibt Frequenz und Rhythmus vor. Ausruhen? „Nein, keinen Schlag! Wenn man sich auch nur einen Moment ausruhen würde, verliert man ein Rennen ganz schnell.“
Mit Titus Junkes vom Ruderverein Wandsbek gewinnt Simon schließlich einen neuen Ruderpartner. Und es passt. Die beiden Hamburger sind schnell unterwegs, belegen vor der Winterpause beim Sechs-Kilometer-Langstrecken-Test in Mölln auf Anhieb den ersten Platz. In Leipzig folgt ein dritter Platz: „Mit diesen Ergebnissen hatten wir uns eine super Ausgangslage für die kommende Saison verschafft.“

Es fehlt nicht
mehr viel


Immer häufiger verbringt Simon auch seine Freizeit im Verein. „Wir sehen uns alle sehr oft, da entstehen ganz automatisch neue Freundschaften. Außerdem hat die Hansa viele Veranstaltungen im Angebot, und ich habe auch Silvester an der Alster gefeiert. Unser Vereinshaus hat ja eine wundervolle Lage.“ Außerdem zählt die Hansa seit 1978 auch Frauen zu ihren Mitgliedern. „Alles andere ist doch altbacken“, sagt Simon.
Nach ein paar ruhigen Monaten knackt er im Februar dieses Jahres beim Hamburger Ergometer-Wettkampf die Olympia-Norm von 6:18 Minuten um eine Sekunde. Im April folgt der nächste Triumph: In Köln gewinnt er bei der Leistungsüberprüfung der Junioren im Vierer ohne Steuermann. Jetzt fehlt nicht mehr viel, um sich für die Nationalmannschaft der Junioren-WM in Rotterdam zu qualifizieren.
Auf der nächsten Regatta in München heißt es erneut Leistung zeigen. Und wenn es da noch nicht reicht, bekommt er im Juni bei der zweiten Kleinbootüberprüfung in Hamburg eine letzte Chance: „Es wäre schön, wenn ich es schaffen würde. Das ist ein großer Traum und dafür trainiere ich hart. Jeden Tag.“
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