Ein Neustart in jedem Alter

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Barbara Wegmann berät zum Thema TrennungFotos: Christa Möller
 
Corinna Hildebrandt vor ihrem Atelier Gourmand in Volksdorf

Trennung, Scheidung, Krise: Senior-Unternehmen stehen im Beruf bei

Von Christa Möller
Volksdorf. Für Corinna Hildebrandt begann der Weg in ein erfolgreiches Leben nach dem Abitur am Walddörfer-Gymnasium: Die Volksdorferin ging als Au Pair nach Paris, studierte dort später Innenarchitektur und heiratete einen erfolgreichen französischen Designer. Fortan spielte sich das Leben für sie auf ganz hohem Niveau ab. Vor zwölf Jahren zog das Paar nach Hamburg. Zehn Jahre war sie „Nur-Hausfrau“, kümmerte sich um die zwei Kinder und unterstützte ihren Mann. Dann gab es eine drastische Veränderung in ihrem Leben: „Mein Mann packte Knall auf Fall seine Tasche und war weg. Ich war aus dem Beruf raus, Ende dreißig, die Kinder sechs und acht. Die Scheidungsgesetze hatten sich geändert, grob gesagt, es gabt nichts mehr, also quasi null.“ Freunde und Familie unterstützten sie, doch nun war eigenes Engagement gefragt. „Ich fing an mit einem Bügelservice. Eine Freundin suchte jemanden, der die Hemden für ihren Mann bügelt. Das war der Punkt, aus dem ganz viele Ideen wuchsen.“ Der Kundenkreis vergrößerte sich, sie begann, für die Kunden Gebäck herzustellen. Das kam gut an, es gab immer mehr Nachfragen, auch für größere Veranstaltungen backte sie. Dazu kam ein Homeservice für das „Hotelerlebnis zuhause“, die Kunden freuten sich nach der Rückkehr aus dem Urlaub über Ordnung im Haus und einen gefüllten Kühlschrank. Im vorigen Jahr gab es dann die Anfrage einer Restaurant-Kette nach einem Dessert. Und immer öfter wurde sie gefragt: Haben Sie ein Geschäft? Jetzt hat sie es.

Back-Träume

„Es zog mich wieder an den Herd, ich habe bei Lenôtre in Paris Feinbäckerei gelernt.“ Die Folgen erfreuen die Kunden ihres „Atelier Gourmand“ in Volksdorf: Dort sind unter anderem leckere Crêpes, französische Backwaren, Torten, auch salziges Gebäck und deutsche Blechkuchen gut nachgefragt. Quasi „zwischendurch“ fand Corinna Hildebrandt auch ihr privates Glück und vor vier Jahren bekam sie ihr drittes Kind.
Ganz ähnlich und doch etwas anders ist die Geschichte einer zweiten erfolgreichen Unternehmerin: Barbara Wegmann musste sich ebenfalls eingestehen, dass ihre Ehe gescheitert war. Die zwei Kinder, heute neun und zwölf, parkte die erfolgreiche leitende Angestellte zunächst bei der Oma und suchte dann erstmal für eine Woche Ruhe und Inspiration im Kloster.

Seminare

Die gebürtige Mainzerin hatte zwar keine finanziellen Probleme, aber das Gefühl der Sicherheit war weg: „Das hat nichts mit dem Geld zu tun.“ Inzwischen war sie mehrfach für einige Tage in dem Kloster am Chiemsee und hat längst gelernt, auf ihre Intuition zu vertrauen. Sie ließ sich als Coach und Kommunikationstrainerin zertifizieren und hat vor einem halben Jahr angefangen, ein Buch zu schreiben, „einen humorvollen Erzählratgeber zum Thema Trennung“. Titel ist der verhängnisvolle Satz, den ihr Ehemann ihr eines Tages an den Kopf warf: „Barbara, der Senf ist alle!“ Inzwischen wohnt seine Sekretärin bei ihm. „Ich habe einiges hinter mir und noch vieles vor mir. Und es ist großartig!“ sagt Barbara Wegmann, die ihre Stellung inzwischen gekündigt hat. Sie gibt in Hamburg Seminare: Trennung.fertig.los! heißt ganz passend ihre Firma.

Senioren helfen

Beide Frauen fanden auf dem Weg zur eigenen Geschäftsidee Unterstützung durch eine ganz besondere Hamburger Institution: Das GründerKompetenzZentrum von Rita Mirliauntas. Sie ist das Paradebeispiel einer erfolgreichen Geschäftsfrau, die mit dem Ruhestand noch lange nicht die Hände in den Schoß legen wollte und 1998 begann, gemeinsam mit weiteren Senior-Unternehmern Jungunternehmern hilfreich zur Seite zu stehen. „Das hätte ich mir damals auch gewünscht bei meiner Gründung“, sagt die ehemalige Inhaberin eines Reisebüros. Sie engagierte sich damals als einzige Frau im Vorstand der Wirtschaftssenioren, bevor sie 2009 ihr GründerKompetenzZentrum gründete, einen Zusammenschluss von Senior-Unternehmern, erfolgreichen Aktiven sowie Jungunternehmern, die ihre Erfahrungen gern weitergeben.
Durch Mund-zu-Mund-Propaganda und Empfehlungen der Handelskammer, Wirtschaftsbehörde oder Lawaetz-Stiftung kommen Anfragen.
„Wenn einer kein Geld hat, aber eine gute Idee und ein guter Unternehmer ist, dann helfe ich auch mal kostenlos“, sagt sie. Die anderen zahlen. „Die Gelder erwenden wir für Publikationen oder Veranstaltungen.“ Viel Wert legt sie darauf, „dass man wertschätzend mit Menschen umgeht“. Und das möchte sie auch den etwa 65 Jungunternehmern mitgeben, die sie persönlich berät. „Das Wichtigste ist, dass man die Zahlen überprüft, denn davon haben die meisten keine Ahnung.“

Finanzplan

Corinna Hildebrandt erinnert sich: „Man kennt sich mit den Finanzen nicht aus, kann noch nicht mal einen Bedarfsplan erstellen. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll, welche Behördengänge zu erledigen sind.“
Natürlich ist die Beratung keine einmalige Angelegenheit: „Wenn irgend etwas ansteht, dann treffen wir uns“, sagt Rita Mirliauntas, die sich inzwischen über zehn- und 15-jährige Jubiläen „ihrer“ Gründer freuen kann. Sehr erfolgreich ist beispielsweise ein 52-jähriger Berufssoldat, der nach seiner Pensionierung Schiffsbauer lerne und inzwischen Betreiber einer Werft ist.


Weitere Infos unter Tel.: 611 70 03 01 oder gruender-kompetenz-zentrum
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