Eine Hamburger Spitzenfrau für Claudius

Anzeige
Die Kulturmanagerin Erle Bessert ist seit November neue Vorsitzende der „Claudius-Gesellschaft“ Foto: Thorsten Berndt/wb
 
Die Skulptur „Freudensprung“ auf dem Wandsbeker Marktplatz und Claudius-Fachmann Michael Pommerening Foto: Je

Rechtzeitig zum Jubiläumsjahr wählt Gesellschaft eine Hamburgerin zur Vorsitzenden

Von Martin Jenssen
Hamburg. Bei dieser Nachricht würde Matthias Claudius vermutlich wieder zu einem „Freudensprung“ ansetzen. Zu sehen ist dieser Sprung täglich auf dem Wandsbeker Marktplatz, dargestellt in der Skulptur des Bildhauers Bernd Stöcker. Zu Zeiten von Claudius war der „Freudensprung“ Ritual, wenn ein neues Mitglied der Familie geboren wurde. Wunderbaren „Nachwuchs“ hat dieser Tage auch der Freundeskreis des „Wandsbeker Boten“ bekommen. Die Hamburger Kuratorin und Kulturmanagerin Erle Bessert, die im Sommer Mitglied der „Claudius-Gesellschaft“ wurde, ist im November zur neuen Vorsitzenden des überregionalen Vereins gewählt worden.

Frau mit Erfahrung

Hamburg ist nicht nur die Stadt der Kaufleute, Hamburg ist auch eine Stadt bedeutender Dichter. Doch um das Andenken der Dichter wie Friedrich Gottlieb Klopstock, Heinrich Heine und Richard Dehmel zu ehren, wurde in der reichen Kaufmannsstadt wenig getan. Erle Bessert ist angetreten, das zu ändern. Unter anderem inszenierte sie für das Schloss Ritzebüttel in Cuxhaven eine Dauerausstellung zu dem Hamburger Senator und Dichter der Frühaufklärung Barthold Heinrich Brockes. Die Einrichtung dieser Räume mit Text- und Bildtafeln sowie die wissenschaftliche Aufarbeitung brachte der Initiatorin hohe Anerkennung.

Der Claudius-Gesellschaft bot Erle Bessert an, eine ähnliche Ausstellung für den „Wandsbeker Boten“ zu inszenieren. Der Vorstand der Gesellschaft nahm aber nicht nur den „gereichten Finger“, er ergriff gleich die ganze Hand. Die engagierte Kulturexpertin wurde sofort als Mitglied in die Gesellschaft aufgenommen. Dass sie wenige Monate später sogar zur Vorsitzenden gewählt wurde, hat folgenden Hintergrund: Der Claudius-Experte Dr. Reinhard Görisch aus Marburg, der bislang den Vorsitz innehatte, trat zu Gunsten von Erle Bessert zurück. Görisch sah es als wichtig an, zu Beginn des Claudius-Jahres 2015 (am 21. Januar wird der 200.Todestag und am 15. August der 275. Geburtstag des Dichters gefeiert) eine Hamburgerin als Vorsitzende zu haben.
Der Marburger Experte kann im kommenden Jahr nur zu wenigen Claudius-Veranstaltungen nach Hamburg anreisen. Er wird aber als stellvertretender Vorsitzender weiterhin die Jahresschrift der Gesellschaft betreuen und als Ansprechpartner für Claudius-spezifische Fragen zur Verfügung stehen.
Erle Bessert verspricht: „Ich werde versuchen, so viel und so oft wie möglich, bei den Claudius-Veranstaltungen im kommenden Jahr dabei zu sein.“ Alles aber wird sie nicht schaffen, denn auch sie muss auf ihren Beruf Rücksicht nehmen. Im Hauptberuf arbeitet Erle Bessert an der Hamburger Staatsoper als Assistentin des Operndirektors.

Gedenkraum umgestalten

Für die Claudius-Gesellschaft möchte sie in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Claudius-Forscher Michael Pommerening den Claudius-Gedenkraum im Heimatmuseum umgestalten. Es könnte ein Wandsbeker Schmuckstück werden. Ein großes Anliegen ist ihr außerdem, die Gesellschaft deutlicher in den Medien zu präsentieren und die Mitgliedswerbung zu intensivieren.
Zur Zeit hat die überregional wirkende Gesellschaft knapp 90 Mitglieder. Sie stammen u. a. aus Berlin, Bonn, Frankfurt, Göttingen, München, Leipzig, Düsseldorf, Marburg und sogar aus Mailand und Amerika. Etwa die Hälfte der Mitglieder sind Norddeutsche mit Wohnsitz in Husum, Eutin oder Rostock. Nur 25 Mitglieder kommen direkt aus Hamburg. Der Mitgliedsbeitrag sollte keinen Claudius-Fan hindern, Mitglied der Gesellschaft zu werden. Der Beitrag beträgt 18,50 Euro pro Jahr, für Schüler und Studenten sogar nur 9,25 Euro.

2015 wird gefeiert

Neben der Herausgabe der Jahresschrift zu Leben, Werk und Wirkungsgeschichte des Wandsbeker Dichters ist vor allem die Pflege und ständige Erweiterung des Claudiusarchivs eine Hauptaufgabe der Gesellschaft. Das Archiv befindet sich im Matthias-Claudius-Gymnasium und umfasst alte und neue Spezialliteratur zu Leben und Werk des Dichters. Gegründet wurde die Gesellschaft 1948 von dem Wandsbeker Pastor Wilhelm Jensen.
Im kommenden Jahr fördert die Gesellschaft zwei Veranstaltungen: Am Freitag, 23. Januar, wird ab 19.30 Uhr in der Christuskirche in Wandsbek ein Konzert mit dem Amaryllis Quartett stattfinden. Gespielt wird Musik aus der Claudius-Zeit. Außerdem werden Lieder verschiedener Komponisten mit Texten des Dichters dargeboten. Am Dienstag, 27. Januar, wird der Dichter ab 19:30 Uhr im Literaturhaus von der bekannten Lyrikerin Nora Gomringer porträtiert. Titel der Veranstaltung: „Am Himmel hell und klar“ .

Anlass zur Trauer

Im Herbst dieses Jahres musste die Claudius-Gesellschaft einen traurigen Verlust hinnehmen. Am 29. Oktober verstarb der langjährige stellvertretende Vorsitzende Hans-Eberhard Langemaack aus Hamburg, der an den Vorbereitungen der Veranstaltungen zum Claudius-Jahr erheblich mitgewirkt hat.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige