Er spielt die zweite Geige

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Berndt Hopf spielt im Orchester des Jenfeld-Hauses die zweite Geige Foto: Schweppe

Im Jenfeld-Haus ist der Weg das Ziel und die Freude am gemeinsamen Musizieren

Jenfeld Berndt Hopf spielt seit einem halben Jahr im Orchester des Jenfeld-Hauses mit und soll heute Aufhänger für diese Kolumne sein. In der Reihenfolge: Es ist ein großes Erleben, mit mittlerweile 20 Individuen ein Ziel anzusteuern. Jeden Dienstag treffen sich begeisterte Laienmusikerinnen (und zwei Laienmusiker) – zur Probe des Orchesters. Sie kommen immer und wenn sie einmal verhindert sein sollten, entschuldigen sie sich im Vorfeld. Hatte jemand Geburtstag? Dann gibt es beim nächsten Treffen ein Ständchen und während des Trainings Süßes...
Als Berndt an das Pult der zweiten Geige dazu kam, dachte ich sogleich – das ist eine Type. Ein interessanter Mensch, der viel dazu beitragen wird, dass das Ensemble der Weißen Villa ein Anker werden kann. Denn hier können sich viele Halt holen, also eine Kraft von der man nicht genug haben kann. Musik hat eine Struktur. Sie zu erkennen, nachzufühlen und für andere hörbar zu machen – darum geht es beim Musik machen. Mit Kunst hat das wohlmöglich noch nicht viel zu tun. Hier ist der Weg das Ziel und die Freude am gemeinsamen Musizieren. Berndt ist ein Mensch, der viel erlebt und reflektiert hat. Er hat, so habe ich es in den Proben erfahren, einen besonderen Charakter.
Berndt hat mir ein bisschen aus seinem Werdegang erzählt: Die Musik spielt in seinem Leben eine verbindende Rolle. In seiner Familie wurde viel musiziert. Seine Geige hat sein Vater schon zu seinen Schülerzeiten von Sintis erworben. Er liebt irische Balladen und schwedische Tänze – am liebsten wäre er Fiddler geworden. Als Mathematiker liebt er knifflige Denksportaufgaben und bastelt Reime (z.B. zu Familienfesten) zusammen. Dieser Mann hat also Assoziationen – Vorstellungen. Und die braucht es, wenn Musik entstehen soll. Man redet während der Übungsstunden des Ensembles, aber es wird nichts zerredet. Vielmehr sind alle Transformatoren: Wenn wir zum Beispiel die Angst der Ente in Prokofjews Programmmusik musikalisch erzählen möchten, benötigen wir selbst eine Vorstellung von Angst und dann erklären wir uns das gegenseitig, was mit einem Menschen in solchen existenziellen Momenten geschieht. Oder: Wenn Peter voller Stolz den Wolf gebändigt hat - entgegen dem Rat seines Großvaters, dann müssen wir das mit großer Geste in die Musik übertragen, damit der Zuhörer miterleben kann, wie schön doch alles sein kann.
Es schließen sich Kreise, denn Berndts erste Langspielplatte, die er sehr geliebt hat, war „Peter und der Wolf“ und genau dieses Stück spielen wir am kommenden Sonntag, 7. Juni live im Jenfeld-Haus um 15 Uhr! (Olaf Schweppe)

Jenfeld-Haus, Charlottenburger Straße 1, 65 44 06 – 0, info@jenfeld-haus.de, www.jenfeld-haus.de
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