Erst Kunzt, dann Kunst

Anzeige
Horst Breforth (72) vor seinen Werken, die er bei den Kunst- und Kulturtagen Mümmelmannsberg ausstellte Fotos: Grell

Horst Breforth finanziert seine Malerei als Stadtmagazin-Verkäufer

Rahlstedt. Horst Breforth liebt es zu malen und hat seine Erfüllung in der kreativen Arbeit gefunden. Nicht nur das: Die Kunst habe ihn auch ein Stück weit geheilt – vom Fernweh, sagt der Rentner. In jungen Jahren war Horst Breforth in der ganzen Welt unterwegs. Sogar in Chile hat er Station gemacht und „wenn ich nicht krank geworden wäre, dann hätte ich das Land unter dem wunderschönen Himmel der Atacama-Wüste nie mehr verlassen“, schwärmt der heute 72-Jährige von alten Zeiten. Über Trier und Köln kam Horst Breforth irgendwie nach Hamburg und ist hier hängengeblieben. Heute hat er eine kleine Wohnung in Mümmelmannsberg, ein ganz geringes Auskommen und ein teures Hobby. Und das finanziert er sich als Hinz&Kunzt-Verkäufer.

Feste Verkaufszeiten

Wer Horst Breforth kennt, der weiß, dass hinter seinem schüchternen Lächeln ganz viel Temperament und Energie steckt. Er hat sich für die Arbeit als freier Straßenmagazinverkäufer entschieden und steht regelmäßig vor dem Rahlstedt Center und verkauft Hinz&Kunzt-Magazine. Für 90 Cent bekommt er eine Zeitung, für 1,90 Euro kann er sie auf der Straße verkaufen. „Wir sind praktisch selbstständig“, so Breforth, der feste Verkaufszeiten hat und ganz diszipliniert seiner Aufgabe nachgeht. Dass er im Monat meist nur so um die 100 Zeitungen verkaufen kann, erscheint ihm keineswegs zu wenig. In Rahlstedt verkauft er noch nicht lange: „Ich bin froh, jetzt diesen tollen Platz vor dem Center zu haben, und langsam habe ich auch ein paar Stammkunden.“ Horst Breforth wirkt auf den ersten Blick zurückhaltend, dabei möchte er nichts lieber, als auch mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommen, Kontakte knüpfen und ein wenig Beachtung für seine Arbeit.
„Im Heft stehen sehr interessante Artikel drin“, berichtet der Maler und Verkäufer, der selber keinen einzigen Bericht auslässt. Für den Fall, dass ein Kunde mal eine Zeitung verpasst hat, weil er im Urlaub war, hat Horst immer ein paar Exemplare in Reserve dabei. Auch den Winter über will er nach Rahlstedt kommen und wenn es einmal ganz besonders kalt sein sollte, dann dürfe er vor der Aldi-Filiale im Center stehen, sagt Breforth.
Künstlerisches Vorbild des Malers, selbst Mitglied im Kunst- und Kulturverein ‚EigenArt‘, ist Emil Nolde. Deshalb malt auch er Landschaften und Blumen in schrillen Farben. Seine Bilder sollen Geschichten erzählen, wie seine eigene, die er nicht so gern preisgibt, die aber – betrachtet man seine Bilder – voller Farben und Hoffnungen stecken muss.
Die größte Hoffnung, die Horst Breforth jetzt hat: Als Hinz&Kunzt-Verkäufer in Rahlstedt viele Kunden zu gewinnen, um sich das nötige Zubrot für sein „kunstvolles Leben“ zu verdienen. (kg)
Anzeige
Anzeige
1 Kommentar
803
Erich Heeder aus Billstedt | 14.11.2013 | 10:46  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige