Fieser Diebstahl in Hamburg

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83-Jährige überfallen – wegen 35 Euro

Von Martin Jenssen
Hamburg. Die Vorsitzende Richterin sprach es deutlich aus: „Das war ein besonders gemeiner und fieser Diebstahl, eine Straftat auf der untersten moralischen Stufe.“
Die Worte galten zwei jungen Männern, die im Amtsgericht Wandsbek vor ihr auf der Anklagebank saßen. Henning K. (24) und Michael S. (23) hatten zugegeben, vor dem Rewe-Markt an der Bargteheider Straße eine 83jährige Dame bestohlen zu haben, die an einem Rollator spazieren ging. Am helllichten Tag, gegen 13.30 Uhr, schlichen sie an den Gehwagen der alten Frau heran. „Los, die ditschen wir“, soll dabei einer gesagt haben.

„Los, die ditschen wir.“ Ein Täter

Während einer der beiden Angeklagten die alte Frau ablenkte, stahl der andere ihr das Portemonnaie aus dem Gehwagennetz. Anschließend flüchteten die Täter über die Bundesstraße 75 in Richtung Parkhaus am Rahlstedter Bahnhof. Um ihre Verfolger zu täuschen, tauschten sie während der Flucht die Kleidung. Ein Schachzug, der in die Hose ging, denn dadurch wurden am Ende beide erwischt.
Ein Geschwisterpaar beobachtete den Überfall. Die beiden hatten gerade Farbe für eine Wohnungsrenovierung gekauft. Sie stellen die Farbeimer auf der Straße ab. Während Gabriele S. sich um die alte Dame kümmerte, spurtete ihr Bruder Gerhard den Tätern hinterher. Er konnte der Polizei berichten, dass sich Henning K. im Parkhaus versteckt hatte. Bei seiner Festnahme trug der Dieb die Jacke von Michael S. mit dessen Ausweispapieren bei sich. So konnte auch sein Kumpel sehr schnell festgenommen werden.
Vor Gericht erzählten beide, sie hätten mit dem Geld der alten Dame Drogen kaufen wollen. Doch der Preis für den 35-Euro-Überfall war sehr hoch. Die Rentnerin traut sich seit dem Überfall nicht mehr auf die Straße. Sie beginnt zu zittern, wenn sie junge Männer sieht. Ihre Tochter muss sie rund um die Uhr betreuen.

Gerade entlassen

Das milde Urteil: Eine Geldstrafe von 1800 Euro für Henning K., der sich erschüttert zeigte über Folgen, die er mit seiner Tat angerichtet hat. Er hat inzwischen einen Job und beteuert, keine Drogen mehr zu nehmen.
Die härtere Strafe für Michael S., der für ein Jahr ins Gefängnis muss. Er ist mehrfach vorbestraft und war erst sechs Wochen vor dem Überfall nach zweijähriger Haftstrafe aus dem Knast entlassen worden. Die Richterin: „Bei einem Straftäter, der so schnell wieder rückfällig wird, fehlen mir einfach die Worte!“ (je)
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