Flüchtlingswelle: Neue Karte für Hilfsangebote

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Kirchenkreis vernetzt freiwillige Helfer. 124 Unterkünfte für Hamburg

Die Flüchtlingswelle rollt über Hamburg. Mehr als 12.500 Menschen haben sich im ersten Halbjahr 2015 in der Zentralen Erstaufnahme gemeldet einen Asylantrag gemeldet. Etwa die Hälfte - 6.443 - wurden gemäß des sogenannten Königsteiner Schlüssels in Hamburg aufgenommen, die übrigen in andere Bundesländer verteilt. 5.725 müssen öffentlich untergebracht werden. Derzeit gibt es 86 Unterkünfte, 38 weitere sind geplant. Die Sozialbehörde benötigt rund 300 Millionen Euro mehr Geld, um diese Aufgabe zu bewältigen. Nicht weiter als ein Kilometer würde künftig jeder Hamburger bis zum nächsten Flüchtlingsheim gehen, prophezeite Sozialsenator Detlef Scheele (SPD). Auch die Unterbringung in Zelten ist geplant. Die CDU kritisiert, der Senat habe bereits früher gewusst, wie groß die Flüchtlingswelle werde und die Hamburger zu lange im Unklaren über Standorte gelassen.

Während einerseits diskutiert wird, wo neue Unterkünfte entstehen können, wollen viele Hamburger den Neuankömmlingen ehrenamtlich helfen. Mehr als 50 freiwillige Gruppen gibt es dazu bereits, teilte jetzt der Kirchenkreis Hamburg-West/ Südholstein mit. Ab sofort bietet eine Karte auf der Internetseite www.hamburgasyl.de einen Überblick: Potenzielle Freiwillige können erfahren, wo es in ihrer Nähe eine Initiative gibt, der sie sich anschließen können, und wo welche Hilfe gebraucht wird. Ein Großteil der Initiativen findet sich bereits auf der Karte, und diese wird laufend aktualisiert.

„Wir wollen die Flüchtlinge in Hamburg willkommen heißen und freuen uns sehr über das starke ehrenamtliche Engagement“, sagt Hannah Hosseini, Beauftragte der Hamburger Kirchenkreise für das freiwillige Engagement für Flüchtlinge. „Trotzdem werden noch mehr helfende Hände gebraucht. Die Gruppen freuen sich immer über weitere Unterstützung.“

Die Gruppen entstehen meist in der Nähe von Flüchtlingsunterkünften. Ihre Aktivitäten reichen von Deutschunterricht, Kinderbetreuung und Begleitung bei Behördengängen bis hin zu Sportangeboten und Fahrradwerkstätten. Manche Initiativen vermitteln Patenschaften, wenn Ehrenamtliche ganz gezielt mit einer Person oder einer Familie engeren Kontakt halten und helfen wollen.

Die Karte soll auch dazu beitragen, die Arbeit der Gruppen noch besser zu vernetzen. „Es gibt eine große Vielfalt unter den Initiativen“, sagt Hannah Hosseini. Einerseits gebe es Gruppen, die schon lange in diesem Bereich aktiv sind. Andererseits hätten sich Initiativen kurzfristig vor Ort gebildet, um an neuen Standorten von Flüchtlingsunterkünften die Menschen willkommen zu heißen und ihnen in Bereich zu helfen, die nicht von staatlicher Hilfe abgedeckt sind. Dieser Punkt ist wichtig. Denn, so Hosseini: „Die Arbeit der Freiwilligen ist enorm wertvoll. Aber sie darf keine Ersatzstrukturen für Aufgaben schaffen, für die die Stadt verantwortlich ist.“
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