Friedhof der Kuscheltiere

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Erika Römhild baut die Hütten auf dem Friedhof Foto: Sichting
 
Etwa 20 wilde Katzen haben sich das acht Hektar große waldähnliche Stück in den vergangenen Jahren als Rückzugsort erobert Foto: Sichting

Katzenfreunde kümmern sich um Streuner in Tonndorf

Von Mathias Sichting
Tonndorf
Gibt es auf dem Friedhof Tonndorf ein Katzenproblem? Etwa 20 wilde Katzen haben sich das acht Hektar große waldähnliche Stück zwischen Wandse, Nordmarkstraße und Ostende in den vergangenen Jahren als Rückzugsort erobert. Sobald die Dämmerung einsetzt, zeigen sich die Katzen. Sie streunen weitestgehend ungestört zwischen den etwa 8.000 Grabstellen umher. Mitten in Hamburg. „Wir haben zur Zeit circa 20 freilaufende, verwilderte Katzen hier auf dem Friedhof. In den letzten Jahren hatten wir zunehmend Probleme mit Grabinhabern bekommen, die Grabstätten in der Nähe der Futter- und Schlafplätze der Katzen hatten. Die Katzen machten ihr Geschäft auf den frisch gepflegten Grabstätten“, so Friedhofsverwalter Wolfgang Rösler (60). Auch die Friedhofsgärtner hatten sich über den Katzenkot beschwert. „Bei einigen Anwohnern der Nordmarkstraße wurde die Kritik an den Katzen groß, da die Tiere auch in den Kellereingängen geschlafen und ihre Geschäfte hinterlassen hatten. Es war eine schwierige Frage, wie wir mit der Katzen-Problematik umgehen.“
Mitgefühl für die wilden Katzen, die irgendwann einmal jemandem gehört haben, haben unter anderem Anne Gaebler (46) und Erika Römhild (68) aus Billstedt. Die beiden gehören einem privat organisierten Zusammenschluss von Katzfreunden an, der vom Tierheim Süderstraße unterstützt wird.

Katzen haben Futter- und „Geschäftchen-Ecken“


Sie füttern die Katzen regelmäßig, bringen sie zur Kastration ins Tierheim Süderstraße, bauen überdachte Futterstellen und kuschelige Schlafhäuser für die haarigen Bewohner. „Die Katzen haben feste Plätze für ihr Geschäft. Sie verunreinigen nicht die Grabstellen. Die Welt gehört uns Menschen ja nicht allein. Sie gehört allen. Auch den Katzen. Wir können uns nicht aussuchen, mit wem wir hier leben. Das Problem ist ja menschgemacht, da die wilden Tiere einmal ausgesetzt wurden“, so Anne Gaebler. Auf dem Tonndorfer Friedhof füttern insgesamt zehn Ehrenamtler die wilden Katzen abwechselnd. Der größte Teil der Katzenfreunde ist über Anzeigen im Hamburger Wochenblatt zusammengekommen. „Wären wir hier nicht tätig, wäre die Zahl der Katzen explodiert. In der Vergangenheit gab es hier sogar 40 unkastrierte Katzen. Dadurch, dass wir durch Kastration für einen festen Bestand gesorgt haben, kommen aktuell keine mehr dazu“, weiß Erika Römhild.
Auf dem Friedhofsgelände wird seit etwa acht Jahren organisiert gefüttert. Hamburgweit engagieren sich 30 Tierfreunde für die 10.000 wilden Katzen der Stadt. „Auf der Walddörfer Straße wird etwa hinter jedem achten Haus gefüttert. Bei Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Friedhöfen, Firmengeländen und Kleingärten gibt es oftmals organisierte Futterstellen“, sagt Anne Gaebler. „Wir hatten teilweise große Unterstützung von den Anwohnern am Friedhof. Wir haben in der Vergangenheit alle angeschrieben und ihnen mitgeteilt, dass sie uns jederzeit anrufen können, wenn es Probleme mit den Tieren gibt. Es hat nie jemand angerufen“, so Gaebler.
Die Friedhofsverwaltung ist mit dem Engagement der privaten Katzenschutzgruppe zufrieden. „Wir haben uns in mehreren Gesprächen mit den Katzenfreunden geeinigt, dass die Katzenhäuser und Futterstellen auf den unteren Bereich des Friedhofs in Richtung Wandse verlegt werden. Es darf dort allerdings nur von der Katzengruppe gefüttert werden. Wir müssen die Tiere natürlich dulden, sind mit der Arbeit des Vereins, der für eine kontrollierte Population sorgt, zufrieden. Das gezielte Füttern sorgt auch für weniger Dreck auf den Grabstätten und vermeidet Ungeziefer“, so Wolfgang Rösler. Letztendlich können die Anwohner froh sein, dass die Katzen versorgt werden. „Dann sind sie ernährt, werden nicht krank und vermehren sich nicht unkontrolliert. Wenn die Leute eine stromernde Katze sehen, können sie diese bei uns melden. Wir kümmern uns auf jeden Fall darum“, sagt Anne Gaebler. Unerlässlich bleibt der Appell, sich nur dann eine Katze zu kaufen, wenn sie auch zuverlässig versorgt werden kann. (ms)

Info:
Wer helfen möchte, kann sich bei Monika Freytag, Mitarbeiterin im Hamburger Tierschutzverein, unter 0152/ 090 860 39 melden. Kontakt zu Erika Römhild und Anne Gaebler gibt es unter erikaroemhild@alice.de oder anna.gaebler@web.de
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