Gartenstadt Farmsen gleich doppelt ausgezeichnet

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Reihenhaus im Grünen - mitten in der Großstadt
 
Mieterin Ursula Pohl (84) wohnt seit 1978 in der Gartenstadt Farmsen. „Bin sehr zufrieden“, erklärt sie. Nur ein wenig mehr Einsatz der Mitbewohner für das Allgemeinwohl würde sie sich wünschen Fotos: Jenssen

Wohnsiedlung bekam Preise für Soziales und für Umweltschutz. Anlage hat sogar einen Archäologiepfad mit Eisenzeitfunden

Von Martin Jenssen
Farmsen. Auf der Anlage der Mietergenossenschaft Gartenstadt Farmsen (mgf) ist die Zeit stehengeblieben. Es sieht dort aus wie vor 2000 Jahren. Parkbesucher können in einem Lehmofen Brote backen oder in einem Garten Kräuter beschnuppern, die dort schon zur Eisenzeit wuchsen.
Und dennoch ist die Mietergenossenschaft Gartenstadt Farmsen ihrer Zeit voraus, ein Vorbild für andere Wohnsiedlungen. Die 2558 Mieter der Anlage dürfen mit Zuversicht in die Zukunft sehen. Ihre Verwaltung arbeitet ständig an umweltfreundlichen Konzepten zur Energieeinsparung und an der Verbesserung der Wohnsituation. Mit Erfolg. Im Rahmen des Wettbewerbs „Zukunft Wohnen“ zeichnete der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen die mgf in diesem Jahr gleich mit zwei ersten Preisen aus.
In der Kategorie „Umwelt und Klimaschutz“ erhielt die Genossenschaft den ersten Preis für die vorbildliche Energieversorgung. In der denkmalgeschützten Siedlung versorgen 74 Solaranlagen und 358 Sonnenkollektoren 1334 Wohnungen mit Sonnenenergie. Uwe Jentz, Vorstandsmitglied der Genossenschaft: „Es ist uns gelungen, die Energiewende in Kopf und Herz der Menschen anzuschieben. Wir wollen die Einzigartigkeit der Gartenstadt Farmsen auch für die nachfolgenden Generationen
bewahren.“

Pfade für Fitness und Kids

Stolz ist die Genossenschaft aber vor allem auf den ersten Preis in der Kategorie „Kommunikation und Soziales“. Es ist eine Auszeichnung für die Gestaltung der Parkanlage. Für die Anwohner eine „Grüne Insel“ mitten in der Großstadt. Auf den 50 Hektar gibt es über 2.500 Bäume mit einem Stammumfang von mehr als 60 Zentimetern. Die Bäume werden gehegt und gepflegt. Nur wenn ein Baum nicht mehr standsicher ist, wird gefällt. Selbstverständlich wird dann nachgepflanzt. „Der wertvolle Baumbestand soll auch nachfolgenden Generationen zur Verfügung stehen“, erklärt Landschaftsplaner Ulrich Rave
Für die Mieter gibt es im Park umfangreiche Angebote für Freizeit, Spiel, Sport, und Naturerlebnisse: Auf zwei Kilometern winden sich drei Erlebnispfade durch die Anlage – ein Fitnessparcours, der Kinderpfad und das Herzstück der Anlage, der Archäologiepfad.
Das WochenBlatt ließ sich von Vorstandmitglied Uwe Jentz,
Ulrich Rave und der Archäologin Tosca Friedrich durch die Siedlung führen. Spürbar die Freude der Planer über die gewonnen Preise und darüber, dass das Konzept für „Wohnen im Grünen“ mitten in einer Großstadt aufgegangen ist.
Um künftige Mieter „anzulocken“ wird jetzt schon viel getan. Schulen und Kindergärten können den Archäologie-Erlebnispfad zu Lehrzwecken nutzen. Während der Sommerferien finden unter Anleitung der Kreativarchäologin Tosca Friedrich Ferienprogramme für Kinder statt. Es sind Reisen in die Vergangenheit an einer historischer Stelle. Während der Ausgrabungsarbeiten für den Bau der Gartenstadt fanden die Archäologen Überreste einer Siedlung aus der Eisenzeit (800-15 v.Chr.).
Tosca Friedrich: „Die Kinder sind mit Begeisterung dabei. Sie erfahren, wie die Menschen während der Eisenzeit in Farmsen gelebt haben. Sie lernen das Filzen, Feuer aus Flintsteinen zu schlagen, mit alten Mahlsteinen Mehl herzustellen und Brot im Lehmofen zu backen.“ Alles Dinge, die auch am 9. August angeboten werden. An diesem Freitag findet das Sommerfest der Genossenschaft statt.
Die Siedlung in Farmsen wurde 1953/54 von der „Neuen Heimat“ als eine der ersten Großsiedlungen der Nachkriegszeit gebaut.
Die Architekten Bernhard Reichow und Otto Gühlk zeigten bei der Planung Weitsicht, in dem sie weitläufige Grünflächen zwischen den rund 200 Gebäuden der Siedlung anlegten. Das bot besonders den Kindern gute Spielmöglichkeiten. Nach dem Skandal um die Neue Heimat 1982 sollten die Wohnungen verkauft werden. Doch nach jahrelangem Ringen mit der Stadt Hamburg gelang es den Mietern der Gartenstadt, eine Genossenschaft zu gründen. Ein Kampf, der sich gelohnt hat.
Freitag, 9. August
14-18 Uhr, Sommerfest
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