Gedenken an Opfer rechter Gewalt

Anzeige
Feierliche Einweihung des Bahnhofsvorplatzes und der Gedenktafel durch Angehörige und Vertreter der Politik. Fotos: mt

Ramazan-Avci-Platz am S-Bahnhof Landwehr eingeweiht

Von Marco Thielcke

Eilbek. Wandsbek hat einen neuen Straßennamen und ein Denkmal mehr. Der Ramazan-Avci-Platz, Bahnhofsvorplatz der S-Bahnstation Landwehr,
erinnert an Opfer rechter Gewalt.

„Das Problem heißt Rassismus.“ Ünal Zeran von der Initiative zum Gedenken an Ramazan Avci macht klar, warum der Bahnhofsvorplatz der S-Bahnstation Landwehr umbenannt wurde. Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Dr.
Dorothee Stapelfeldt weihte den Platz und eine Gedenktafel kurz vor Weihnachten ein. Angehörige von Ramazan Avci, Harald Rösler, Bezirksamtsleiter Hamburg-Nord und der Generalkonsul der Republik Türkei, Devrim Öztürk nahmen an der Feierstunde teil. „Mit der Umbenennung setzt Hamburg ein sichtbares Zeichen des
Gedenkens an die Opfer rechtsextremer Gewalt“, sagte Stapelfeldt. Vor 27 Jahren, am 21. Dezember, wurde Ramazan Avci auf dem Bahnhofsvorplatz von rechtsextremen Skinheads angegriffen. Panisch flüchtet
er vor den bewaffneten Nazis. Auf der Straße wird er von einem Auto erfasst. Noch auf dem Boden liegend schlagen und treten drei Skinheads mit Baseballschlägern und Fußtritten brutal auf ihn ein. Drei Tage später, am 24. Dezember, stirbt Ramazan Avci an den Folgen seiner schweren Verletzungen. „Es bedarf Orte des Gedenkens, dies soll einer sein“, sagte Bezirksamtsleiter Harald Rösler.

Fremdenfeindlichkeit noch verbreitet

Gülistan Ayas hat vor 27 Jahren ihren Mann und den Vater ihres ungeborenen Kindes verloren. Auch sie ist bei der Einweihung anwesend und richtet vor dem Denkmal ihre Worte an die Politik: „Verschließt nicht eure Augen vor Fremdenfeindlichkeit und Rassismus“. Über zwanzig Jahre hat sie diesen Platz gemieden, verband ihn mit Verlust und Schmerzen.
„Erinnern kann nur gemeinsam mit den Opfern rassistischer Taten und deren Familienangehörigen gelingen“, sagt Zeran und schlägt kritischere
Töne an. Die NSU-Morde und weitere Fremdenfeindlichen Übergriffe zeigen, laut
Zeran, dass Rassismus noch immer seinen festen Platz in der
Gesellschaft hat.

Umgestaltung des Platzes

Die Umbenennung des Vorplatzes und der Bushaltestelle ist nur der erste Schritt. Die Rasenfläche soll im kommenden Frühjahr mit Rosen aus der türkischen Heimatregion Avcis Isparta neugestaltet werden. Der Senat hatte bereits im August den notwendigen Beschluss gefasst. Vize-Bürgermeisterin Dorothee Stapelfedt sagte es in ihrer Ansprache noch einmal deutlich: „Solch feige Angriffe richten sich gegen unsere Mitbürger, unsere Nachbarn und gegen die Demokratie.“
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige