Gemeinsam statt einsam

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Die erste Kiss-Kontaktstelle ist Ende der 1970-er Jahre aus einem Forschungsprojekt am UKE in Hamburg-Altona entstanden Symbolfoto: thinkstock

Selbsthilfegruppen in Wandsbek geben in schwierigen Situationen Halt

Von Christa Möller
Wandsbek
Eltern, die ihr Kind in der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt verlieren, leiden sehr – und ganz besonders, wenn dies mehrfach passiert. Merret L. hat viele Wochen im Krankenhaus verbracht und dann doch eine Fehlgeburt in der 22. Schwangerschaftswoche. Ihr zweites Kind verlor sie in der 14. Schwangerschaftswoche. „Um mich herum gab es nur glückliche Schwangerschaften“, erzählt die 38-Jährige. Für eine Partnerschaft sei das auch eine schwierige Zeit. Ihr Partner, Familie und Freunde standen ihr zur Seite, doch der Verlust hat sie tief getroffen. Umso mehr half ihr der Austausch mit anderen betroffenen Frauen: „Ich habe ganz viel Kraft daraus gezogen.“ Eine Therapie half ihr schließlich. Übrigens hat sie festgestellt: „Wenn man offen darüber spricht, erfährt man, dass einige Frauen sagen, ich hatte auch eine Fehlgeburt.“ Jetzt hat Merret L. die Selbsthilfegruppe „Glücklose Schwangerschaft“ gegründet, sie möchte andere Frauen in ähnlichen Situationen unterstützen. Für die Treffen, die auf Wunsch anonym sind, wird ein Raum in der Wandsbeker Kontaktstelle von Kiss Hamburg (Kontakt- und Informationsstellen für Selbsthilfegruppen) kostenlos zur Verfügung gestellt. An welchem Tag sich die Gruppe treffen wird, soll gemeinsam festgelegt werden. Außerdem gibt es in Wandsbek eine neue Selbsthilfegruppe für Frauen in den Wechseljahren, die ebenso wie Leiterin Marita S. für sich passende Wege suchen, mit den Veränderungen umzugehen: „Wechselzeit – im eigenen Körper wieder zu Hause sein.“ Denn die Beschwerden können vielfältig sein, die Liste reicht von Stimmungsschwankungen, Konzentrationsschwächen, Hitzewallungen, Gewichts- oder Blutdruckproblemen bis zu Schwierigkeiten in Partnerschaft und Beruf. Die erste Kiss-Kontaktstelle ist Ende der 1970-er Jahre aus einem Forschungsprojekt am UKE in Hamburg-Altona entstanden. Es folgte die Kontaktstelle in Wandsbek. Gruppenstärke zwischen sechs und zwölf Personen wird von Kiss empfohlen. Besonders stark nachgefragt seien derzeit neben allgemeinen Gesprächsgruppen Angebote für Menschen mit Depressionen, psychiatrischen Erkrankungen, Ängsten, Essstörungen, Alkoholsucht und Krebs, wie Selbsthilfeberaterin Petra Diekneite weiß. „Familie und Freundeskreis möchten, dass das Leben wieder in Ordnung kommt und es den Betroffenen wieder gut geht. Das Verständnis ist größer, wenn man es selbst durchlebt hat“, sagt sie. „Das ist einer der Gründe, weshalb das Prinzip der Selbsthilfe so gut funktioniert.“ In schwierigen Lebenssituationen und wenn das soziale Netzwerk nicht vorhanden ist, seien Selbsthilfegruppen immer eine Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen. Die Kosten für die Gruppen werden zu 80 Prozent von der Hamburger Gesundheitsbehörde übernommen, 20 Prozent finanzieren die Krankenkassen.

KISS Kontaktstelle Wandsbek, Brauhausstieg 15-17, Telefon 39 92 63 31, weitere Infos: www.kiss-hh.de
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