Gift im Sandkasten?

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Es besteht kein Zweifel: Hier wurden U-Bahnschwellen verbaut. Diese müssen nun umgehend entfernt werden. Foto: Sobersko

Alte Bahnschwellen: Gagfah will alle entfernen lassen

Von Tanja Sobersko
Steilshoop. Idyllisch liegt er da, der Spielplatz im Hinterhof des Gebäudekomplexes innerhalb der Straßen Schreyerring, Gründgensstraße und Gropiusring an der östlichen Mittelachse. Niemand würde hier etwas Ungewöhnliches vermuten. Und doch gibt es etwas: Wenn man sich diesen Spielplatz, der eigens für die Bewohner dieser Häuser angelegt wurde, näher betrachtet, dann stellt man fest, dass es sich um Bahnschwellen handelt, die hier als Begrenzungspfeiler eingesetzt wurden. Zum einen um den Spielplatzbereich vom Gehweg zu trennen, zum anderen um die Sandkisten einzugrenzen. Daran scheint zunächst nichts Verwerfliches. Allerdings ist es ungewöhnlich, Bahnschwellen für den Bau von Spielplätzen zu verwenden, denn Bahnschwellen werden grundsätzlich mit Holzschutzmitteln wie Teerölen behandelt, um sie gegen Verrottung zu schützen. Das macht sie zwar besonders haltbar, aber auch ungeeignet, um als Spielplatzbegrenzung eingesetzt zu werden. Diese Teeröle können bei Sonneneinstrahlung „ausgeschwitzt“ werden und man kann sie riechen. Besonders besorgniserregend ist die Tatsache, dass diese Teeröle im Verdacht stehen, krebserregend zu sein.
Die Wohnungsbaugesellschaft Gagfah, die das Areal vor etwa sieben Jahren von der Rentenversicherung Nord kaufte, zeigte sich bestürzt über diese Entdeckung. Dazu Bettina Benner, Pressesprecherin der Gagfah: „Den Hinweis über mögliche Bahnschwellen nehmen wir ernst. Wir können nicht mit Sicherheit sagen, was dort in der Umrandung der Sandkiste verbaut wurde. Unsere Techniker werden demnächst vor Ort sein. Wir werden beauftragen, die Schwellen entfernen zu lassen und eine neue Holz-Umrandung anbringen zu lassen. Ferner reinigen wir den Sandkasten.“
Tatsache ist, dass die Gagfah das Gelände erst vor einigen Jahren kaufte, der Spielplatz bereits 1975 von dem vorherigen Eigentümer, der Rentenversicherung Nord, vermutlich angelegt wurde. Es sieht bisher danach aus, dass die Aufbewahrungspflicht der Akten nur dreißig Jahre beträgt, was bedeuten würde, dass nicht mehr nachvollziehbar ist, ob die Schwellen, die dort verbaut wurden, tatsächlich mit Teeröl behandelt wurden oder woher – und das ist eine genauso wichtige Frage – die Schwellen stammen. Sind es die Bahnschwellen, die aus einem nie vollendeten U-Bahn-Projekt übrig geblieben sind? Das wird noch zu klären sein. (ts)
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