„Gott gifft di allens, wat du bruukst...“

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Prädikant Horst Klöckner hält die plattdeutsche Predigt am kommenden Sonntag in Braak Fotos: Christa Möller
 
An jedem dritten Sonntag ist Gottesdienst in der Auferstehungskirche der evangelischen Kirchengemeinde Braak, Stapelfeld, Stellau

Plattdeutscher Gottesdienst als Besuchermagnet. Am Sonntag ist es wieder soweit

Von Christa Möller
Rahlstedt/Braak. „Ich habe als Prädikant gelernt:
Ein Pastor darf über alles predigen – nur nicht über zwanzig Minuten“, sagt Horst Klöckner. Der Rahlstedter Laienprediger bereitet für kommenden Sonntag gerade den plattdeutschen Abendgottesdienst in Braak vor. Thema der Predigt wird die Blindenheilung sein. Dazu müssen Psalm und Lieder
ausgesucht werden: „Wi mööt kieken, wat passt to den Text, de an de Reeg is“, sagt er mit Blick auf Marion Westphal
aus Braak und Harald
Marxen aus Stapelfeld, die ihm bei
der Vorbereitung engagiert
zur Seite stehen. Am Sonntag wird die Gemeinde auch
singen: „Gott gifft di allens,
wat du bruukst, nich to wenig un ok nich to veel.“ Übrigens werden die hochdeutschen
(Lieder-)Texte keinesfalls ins Plattdeutsche übersetzt, sondern übertragen, wie Horst Klöckner betont. Denn wortwörtlich „übersetzen“, das gehe nicht.


„Zum plattdeutschen
Gottesdienst kommen
auch Leute, die man
sonst nicht sieht
im Gottesdienst.“
Horst Klöckner


„Zum plattdeutschen Gottesdienst kommen auch Leute,
die man sonst nicht sieht im Gottesdienst“, hat Horst Klöckner erfreut festgestellt. Denn das sei ja auch das Gute
an der Sache. „Ik kunn op plattdüütsch seggen, wat ik op hochdüüttsch nich seggen kunn,
dat kummt ganz anners röber.“ Dabei hat der pensionierte Lehrer die plattdeutsche Sprache erst im Erwachsenen-Alter „so ganz nebenbei“ erlernt.
In Rahlstedt ist Horst Klöckner geboren worden, aber schon kurz darauf war die Familie nach Berlin gezogen. Erst mit 30 Jahren kam er 1960 wieder zurück und fand in Hamburg
an der Wichernschule eine Stelle, „damals die einzige
Privatschule Nordelbiens.“
Einige Jahre später machte
der Rahlstedter einen Prädikanten-Kursus. Die zweieinhalb Jahre waren „richtig harte Arbeit“, wie er sich erinnert, „aber dort konnte ich auch
einiges einbringen, was ich in der Schule gelernt hatte und umgekehrt.“
Inzwischen wird er aus
Altersgründen nur noch selten als Praktikant eingesetzt, auf alle Fälle aber dann, wenn es
um plattdeutsche Predigten geht. In Braak ist das einmal im Jahr der Fall, so hat es
der Kirchenvorstand vor neun Jahren beschlossen. Horst Klöckners plattdeutscher
Gottesdienst kommt gut an, etwa 50 Besucher, darunter auch einige von außerhalb, kommen dann besonders gern
in die Braaker Auferstehungs-kirche.


Liedtexte werden
ausgedruckt

Einige Konfirmanden sind dabei, aber auch viele
ältere Interessierte. Plattdeutsche Gesangbücher sind in der Kirche nicht vorhanden, aber das ist kein Problem:
„Wi druckt dat ut“, erklärt Klöckner, dessen Ehefrau
Marie-Luise ihm ebenfalls hilfreich zur Seite steht. Im
Gegensatz zu ihrem Mann ist sie mit der plattdeutschen Sprache aufgewachsen: „Ich hatte einen platt-
deutschen Vater“, sagt sie. Die vier Kinder des Ehepaares, das inzwischen neun Enkel hat, verstehen wohl plattdeutsch, aber nur ein Sohn snackt ok platt.
Thema der Predigt in der Auferstehungskirche in Braak, An der Chaussee 3,
am Sonntag, 21. Juli, 18 Uhr wird die Blindenheilung sein. Auch in Alt-Rahlstedt
wünschte sich die Gemeinde einen Plattdeutschen Gottesdienst, der am Sonntag,
13. Oktober, 11 Uhr stattfindet
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