Hamburg: „Aupair“ für Fortgeschrittene

Anzeige
Valerie aus der Nähe von Hamburg kümmerte sich in Gambia um Vorschulkinder. Sie ist gerade zum zweiten Mal dort im Einsatz Fotos: dtv/wb
 
Granny Ria in einem Heim für behinderte Kinder in Vietnam. Die Gifteinsätze im Vietnamkrieg hinterlassen bis heute ihre Spuren

Eine Hamburger Agentur vermittelt Frauen 60plus in Familien und soziale Projekte

Hamburg. „Mit vier neuen Gelenken habe ich den Sprung über den großen Teich gewagt.“ - „Endlich bin ich wieder sichtbar.“ - „Wenn Träume Wirklichkeit werden, wird man oft erst richtig wach.“
Diese Sätze stammen von drei Frauen, die mit über Sechzig noch einmal ein Abenteuer gewagt und ihrem Leben einen neuen Sinn gegeben haben. Sie sind „Als Granny Aupair in die Welt“ gegangen. So lautet auch der Titel eines neuen Buches (siehe Kasten rechts). Es ist die positive Zwischenbilanz einer guten Idee und ihren Folgen: Seit die Hamburgerin Michaela Hansen (52) vor vier Jahren eine Agentur mit Pioniercharakter ins Leben rief, wurden mit „Granny Aupair“ rund 500 ältere Frauen in mehr als 40 Länder der Erde vermittelt.
„Aupair“ heißt „auf Gegenseitigkeit“ und meistens denkt man dabei an junge Mädchen oder in Ausnahmefällen auch an junge Männer, die sich um Kinder von Familien in anderen Ländern kümmern. Aber warum sollen solche Einsätze nur der Jugend vorbehalten sein? Das fragte sich Michaela Hansen, als sie eine TV-Sendung über „Aupair“ sah. „Es war eine spontane Idee, als ich beschloss, so etwas für ältere Leute zu gründen.“ Schnell stellte sich heraus, dass es sowohl Angebot als auch Nachfrage gibt. Dabei geht es nicht nur um „Aupair“-Aufenthalte in Familien, sondern die Frauen werden auch in soziale Projekte vermittelt. Wohin die Reise führt? Überall dorthin, wo Erfahrung und Einsatz, gepaart mit Herzenswärme und Neugier auf andere Menschen, gebraucht werden. Von Thailand bis Kanada, von Amerika bis Tansania.
„Die meisten Teilnehmerinnen sind über 60, wir haben aber schon eine Frau mit flotten 76 vermittelt“, erzählt Michaela Hansen. Sie selbst wurde bereits mit 20 und 21 Jahren Mutter. Doch die Sehnsucht, noch einmal ins Ausland zu gehen, ließ sie nie los. Heute sind Sarah und Alex erwachsen, und Michaela Hansen, vierfache Power-Großmutter bringt Frauen reihenweise „runter vom Sofa“ hinaus in alle Welt. „Ich hätte nie gedacht, dass das so einschlägt.“
Wie wird man „Aupair Granny“? Wer sich anmeldet (www.granny-aupair.com), zahlt einen Monatsbeitrag (ab 29.90 Euro) und kann dann vermittelt werden. Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht, aber wer flexibel ist, kann schon innerhalb von zwei, drei Wochen starten. Kost und Logis vor Ort sind meist frei oder je nach Land entsprechend gering. Ein Honorar für den Einsatz gibt es in der Regel nicht. „Ich vermittle Ehrenämter“, sagt Michaela Hansen.
Aktuell wird zum Beispiel jemand gesucht, der eine Familie ab August bei ihrem Umzug nach Südafrika begleitet und ab dann ein Jahr in Pretoria lebt. Neben den beiden Mädchen – jetzt ein und fünf Jahre alt – wird noch ein Baby mit auf Reisen sein: Im Februar erwartet die künftige Aupair-Gastmutter Nachwuchs. Für die Granny heißt das: Vor Ort wird sie sich gemeinsam mit der Familie einleben, die junge Mutter entlasten, den Kindern vorlesen, Ausflüge machen. „Lebenserfahrung und Zuverlässigkeit sind Werte, die die Familien zu schätzen wissen“, so Michaela Hansen. In den etwa 20 sozialen Projekten kann man auch berufliche Erfahrungen miteinbringen. Ihr Mann sei am Anfang der „Granny Aupair“-Idee skeptisch gegenübergestanden. Michaela Hansen: „Heute ist er schwer beeindruckt.“ (sta)

Info: Tel.: 040 / 23 51 77 54

Info:
Mit Autorin Eva Goris (57) schrieb Michaela Hansen ein Lesebuch mit vielen Tipps und Geschichten der bisherigen „Grannies“. In einem Geleitwort zeigt sich auch die ehemalige NDR-Direktorin Maria von Welser von den Einsätzen im „dritten Leben“ begeistert. (dtv Premium, 219 Seiten, 14.90 Euro)
Anzeige
Anzeige
1 Kommentar
1.240
Elke Noack aus Rahlstedt | 08.01.2014 | 07:49  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige