Hamburg: „Die Geschichten gehen ans Herz“

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Anke Möller strickt Strümpfe für Obdachlose und Bedürftige und möchte damit vor der Kälte in der Nacht schützen Foto: kg

Anke Möller ist eine der Helferinnen, die für Obdachlose und Bedürftige stricken

Hamburg. Immer am Abend nach 20 Uhr kommt der Bus vom Deutschen Roten Kreuz zum Gerhard-Hauptmann-Platz und verteilt dort belegte Brötchen und warme Getränke an Obdachlose. Im Winter gibt es auch selbst gestrickte Socken von Moni, der guten Seele, die hier freiwillig hilft. Woher die Strümpfe aber eigentlich kommen, kann nur Monika Kelting selber erzählen. Als Fußpflegerin hat sie alle ihre Kundinnen mobilisiert, damit alte Schuhe und Mäntel nicht im Müll landen, sondern von ihr mit zum Bus genommen werden können. Das Engagement ihrer Kundinnen ist riesig. Man kam schnell auf die Idee, warme gestrickte Strümpfe zu verteilen.

„Die Wolle bekomme ich oft als Reste geschenkt.“ Anke Möller

Anke Möller (74) ist eine der Strick-Damen, die von Langenhorn aus die Obdachlosen, von denen ihr Moni erzählt hat, mit Socken versorgt. „Die Wolle bekomme ich oft als Reste geschenkt“, so Anke Möller, die einfach zu gern in ihrem Sessel sitzt und strickt. „Ich werde ganz ruhig dabei“, sagt die Rentnerin. Wenn sie dann auch noch weiß, dass sie für einen guten Zweck handarbeitet, dann geht die Arbeit noch einmal schneller voran. „Kalte Füße sind doch schlimm“, sagt die Vierundsiebzigjährige, die gleich noch ein paar nie getragene Winterstiefel aussortiert hat und für den Bus bereit stellt. Gelernt hat Anke Möller das Stricken schon von ihrer Oma und als ihre Kinder noch klein waren, heute ist der Sohn bereits 50. Damals hat Anke Möller alles selber gestrickt, was die Kleinen so tragen konnten. Auch jetzt sieht jeder, der sie einmal in ihrer gemütlichen Wohnung in Langenhorn besucht, dass hier die Handarbeit ganz wichtig ist. Bestickte Decken, Wandbilder und sogar ein echter Isländer-Pulli für den achtzehnjährigen Enkel hat Anke mit ihren eigenen Stricknadeln erschaffen. Über 100 Paar Socken hat sie wohl in fünf Jahren bereits für die Bedürftigen in der Hamburger Innenstadt angefertigt.
Und sie strickt das ganze Jahr über weiter. Auch, wenn dieser Winter eher mild daher kam. Warum sie für Menschen strickt, die sie gar nicht kennt? „Na, die Geschichten gehen einem doch ans Herz“.

Die älteste Strickerin ist 92 Jahre alt

Als Monika Kelting sie damals angesprochen hat, war sie spontan dabei. In ihrem Bekanntenkreis wissen alle, dass Anke Möller Wollreste braucht. In einem Fachgeschäft in der Nähe gibt es für die Wolle auch schon 20 Prozent Nachlass, wenn es für den guten Zweck ist. Anke Möller ist aber bei weitem nicht die einzige, die in Hamburg Strümpfe strickt. Monika Kelting vom DRK hat einige ihrer Kundinnen mit den Schicksalen der Bedürftigen zum Stricken bewegt. Die älteste von ihnen ist 92 Jahre alt. (kg)
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