Hamburg: Dresdner Besuch im Haus am See

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Vertreter der Jugendhilfe im Bezirk Wandsbek diskutierten mit Katja Kipping (6. v.r.)Foto:rg

Bundesvorsitzende der Linken zum Thema Jugendhilfe im Gespräch

Von Rainer Glitz
Hamburg. Mit ein wenig Verspätung kommt Katja Kipping von einem Infostand der Linken am Wandsbeker Markt ins Haus am See. Geschäftsführer Torsten Höhnke begrüßt die Bundesvorsitzende der Linken und führt sie durchs Haus, die zierliche Dresdenerin stellt interessiert Fragen. Im ersten Stock kommt Kipping dann mit Vertretern verschiedener sozialer Einrichtungen aus Jenfeld, Steilshoop und Rahlstedt über die Situation der Jugendhilfe im Bezirk Wandsbek ins Gespräch. Kipping erfährt, dass der Bezirk mehr als 400.000 Einwohner hat. „Das sind ja so viele wie meine Heimatstadt Dresden“, sagt Kipping.
Wandsbek sei gespalten in einen reichen Norden und einen armen Süden, referiert Julian Georg, Fraktionsvorsitzender der Linken in der Bezirksversammlung. Dennoch kürze der Senat weiter, die soziale Infrastruktur drohe wegzubrechen. „Die Menschen bei uns im Stadtteil haben eine extrem schwierige Lebenssituation“, erklärt Hans Berling, Geschäftsführer der Jenfelder Kaffeekanne. Die Durchschnittseinkommen seien in Jenfeld gering, jedes zweite Kind lebe unter Armutsbedingungen. 4,3 Millionen Euro gebe der Bezirk bislang für die insgesamt rund 40 Jugendhilfeeinrichtungen aus. Die aktuellen Streichungen von 10 Prozent führten dazu, dass Tariferhöhungen an deren Mitarbeiter nicht mehr gezahlt werden könnten. „Es drohen Schließungen, der Senat lässt uns im Regen stehen“, kritisiert Berling.
„Wir sind alle betroffen von der Schuldenbremse, obwohl Hamburg eine reiche Stadt ist“, ergänzt Petra Lafferentz, Geschäftsführerin von Alraune aus Steilshoop. Die hochgelobte Jugendberufsagentur sei nur ein Feigenblatt. „Ein bunter Teppich an Angeboten für die Jugendlichen wäre besser“, sagt Lafferentz. Die Jugendberufsagentur gehe auf Kosten der Jugendhilfe vor Ort, denn die Mitarbeiter würden von dort abgezogen, Stellen nicht nachbesetzt. „Ich nehme viele Eindrücke mit“, sagt Katja Kipping nach der Diskussionsrunde. Ihre Parteikollegen in Hamburg leisteten offenbar gute Arbeit und seien gut vernetzt. „Wichtig sind langfristige Projekte, um Vertrauen bei den Jugendlichen aufzubauen“, so das Fazit der Bundesvorsitzenden der Linken. Und: „Wenn wegen der Schuldenbremse auf Kosten der Jugendhilfe gespart wird, versündigen wir uns an der jungen Generation.“
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