Hamburg: Ein Verband für viele

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Die neue Geschäftsführerin der TGH, Korinna Heimann (li.) und die 1. Vorsitzende, Nebahat Güclü
 

Türkische Gemeinde Hamburg mit neuer Geschäftsführerin

Von Mai-Britt Wulf
Hamburg. Seit zwei Wochen ist Korinna Heimann die neue Geschäftsführerin der Türkischen Gemeinde in Hamburg (TGH). Die 45-Jährige war zuvor vier Jahre lang in den Bezirksämtern Nord und Mitte für arbeitsmarktpolitische Projekte tätig. Jetzt startet sie in ihr „kleines interkulturelles Abenteuer“, wie sie selbst sagt. Ursprünglich studierte sie Französisch und Deutsch auf Lehramt. Dann promovierte sie in Berufspädagogik über ihren fachlichen Schwerpunkt: interkulturelle Kompetenz. Dieses Thema brachte sie zu ihrer neuen Anstellung bei der TGH. „Ich wollte wieder im Bereich interkulturelle Kompetenz aktiv werden“, sagt die Mutter zweier Kinder. Die türkische Gemeinde mit ihren vielfältigen Projekten, darunter auch arbeitsmarktbezogene, ist für sie ein reizvoller Arbeitgeber. Sie ist jetzt hoch motiviert, die Sprache zu lernen.

Dachverband mit 23 Mitgliedsvereinen

Vor 28 Jahren wurde die Türkische Gemeinde Hamburg von sieben Privatpersonen gegründet. Der Gründung von Hamburgs ältester Migrantenselbstorganisation liegt ein trauriges Ereignis zu Grunde, wie die 1. Vorsitzende Nebahat Güclü erzählt. Der 26-jährige Ramazan Avci wurde im Dezember 1985 in der Nähe des S-Bahnhofs Landwehr von Skinheads angegriffen. Er verstarb wenige Tage später an den Folgen des Übergriffs und hinterließ seine schwangere Frau. Avci gilt als eines der ersten Opfer von rechtsextremer Gewalt mit tödlichem Ausgang, die bekannt geworden waren. Die Tat löste große Bestürzung und mediale Aufmerksamkeit bis ins Ausland aus.
Im Januar 1986 protestierten 10.000 Hamburger gegen Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit. Es gründete sich das „Bündnis türkischer Einwanderer“ aus dem die Türkische Gemeinde erwuchs. „Wir vertreten die Interessen von allen Menschen aus der Türkei, auch für alle anderen ethnischen Gruppen aus der Türkei“, erklärt Nebahat Güclü, die seit zwei Jahren ihr ehrenamtliches Amt innehat. Ihr ist wichtig: „Alle unsere Angebote richten sich an Zielgruppen jeglichen Migrationshintergrunds. Sie sind nicht auf Menschen aus der Türkei beschränkt.“

Denn die TGH sieht sich als interkultureller Dachverband, der die Interessen von 23 Mitgliedsvereinen mit Türkei-Bezug zusammenfasst. Die Bekämpfung von Rassismus, das Starkmachen für die gleichen Teilhabe-Chancen und der interkulturelle Dialog stehen auf der Agenda.
Die Türkische Gemeinde führt Projekte in ganz Hamburg durch. Darunter beispielsweise die Kooperation Gönüllü zur Unterstützung von türkischsprachigen Demenzkranken und ihren Angehörigen. Als einzige Stelle in Hamburg berät die TGH Interessierte über die Einbürgerung. Die Beratung kann dank Lotsen in vielen Sprachen erfolgen.

Neues Jugend-Projekt

Zwei weitere Projekte kommen 2015 hinzu. Das neue Projekt „Ideen machen Hamburg. Starke Jugend“ will Jugendliche motivieren, sich ehrenamtlich zu engagieren. Bei dem zweiten Neuzugang handelt es sich um eine Beratungsstelle für junge Frauen mit Migrationshintergrund, die in Hamburg ankommen sind und Orientierung brauchen.
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