Hamburg: Einsatz ist immer möglich

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Britta Marie Habenicht leitet das Projekt Selbstverständlich Freiwillig Foto: cm
 
Silke Kremer engagiert sich beim Motorradgottesdienst Foto: privat

Silke Kremer lebt mit einer Behinderung – und engagiert sich für andere

Von Christa Möller
Hamburg. Silke Kremer ist körperlicher und psychischer Beeinträchtigungen in ihrem Alltag eingeschränkt. Deshalb ist die Tonndorferin, die eine pädagogische und eine kaufmännische Ausbildung hat, seit sechs Jahren nicht mehr berufstätig und bezieht Erwerbsunfähigkeitsrente. 2008 war sie, gemeinsam mit ihrem ebenfalls gesundheitlich stark eingeschränkten Lebensgefährten Kurt Kröning, erstmals auf dem Motorradgottesdienst (Mogo) beim Hamburger Michel. Beide fahren nicht selbst Motorrad, waren aber fasziniert von der besonderen Atmosphäre bei dieser einzigartigen Großveranstaltung, die jährlich circa 30.000 Motorradfahrer sowie etwa 200.000 Besucher entlang der Konvoistrecke anlockt. „Da haben wir beschlossen, aktiv zu werden“, sagt die 47-Jährige. Sie sind seither feste Mitglieder im 300-köpfigen Mogo-Helferteam – ehrenamtlich, versteht sich.
Mogo-News informieren
„Wir verteilen beim Motorradgottesdienst ab halb sieben die „MOGO News“, erzählt Silke Kremer. Herausgeber des gut einhundert Seiten umfassenden Heftes voller Infos für die Teilnehmer ist der Verein „Mogo Hamburg – in der Nordkirche“. Auch beim nächsten, dem inzwischen 31. Motorradgottesdienst Sonntag, 22. Juni, um 12.30 Uhr am Michel, werden die Helfer wieder mit Bollerwagen und Taschen auf der Strecke unterwegs sein, um die Besucher mit den Mogo News zu versorgen. Silke Kremer engagiert sich aber nicht nur bei Mogo, sie ist außerdem aktives Mitglied im Sozialverband. Ihr Ortsverband Jenfeld-Hohenhorst ist relativ klein, „da bleibt es nicht aus, dass man gelegentlich aushilft“, erklärt sie. Zusätzlich unterstützt sie manchmal ihre Nachbarin, indem sie deren Labrador-/Bordercollie-Mischling betreut.
Doch nicht alle Menschen mit Handicap trauen sich einen ehrenamtlichen Einsatz zu, und nicht alle, die davon profitieren könnten, trauen es den Behinderten zu. Deshalb hat das Diakonische Werk Hamburg 2010 das Projekt „Selbstverständlich Freiwillig“ ins Leben gerufen, das Menschen mit körperlichen, geistigen oder psychischen Behinderungen beim freiwilligen Engagement unterstützt.

Diakonie federführend

Tierheim-Hunde ausführen, Senioren mit Kaffee und Kuchen versorgen oder anderen vorlesen sind nur einige der Möglichkeiten. Für Menschen mit Lernschwierigkeiten gibt es dazu Broschüren in einfacher Sprache. Die Sozialpädagogin Britta Marie Habenicht vom Diakonischen Werk Hamburg in Altona leitet das Projekt. Sie hat Silke Kremer vor vier Jahren beim Mogo kennengelernt. „Sie hat uns nicht gebraucht, um auf die Idee zu kommen – was ja das Beste ist“, freut sich Britta Marie Habenicht. Trotzdem kommt Silke Kremer nun auch gern zum Stammtisch der engagierten Menschen mit Behinderungen. Das tun fünf weitere Ehrenamtliche, die Britta Marie Habenicht 2010 neu für den Mogo-Einsatz gewinnen konnte, ebenfalls.
„Für viele Menschen mit Einschränkungen ist es neu, dass sie selber ehrenamtlich etwas machen können. Sie kennen nur andere, die ihnen ehrenamtlich helfen. Zwar brauchen Menschen mit Behinderungen dabei Unterstützung, aber sie können auch etwas zurückgeben“, betont die Projektleiterin, die sich für Inklusion in Kindergarten und Schule ausspricht. Wenn von Anfang an niemand ausgeschlossen wird, gibt es erst gar keine Hemmnisse im Umgang mit Behinderten.

Kirche fördert bis 2015

Ihre Klienten unterstützt sie unter anderem dabei, zur Freiwilligenagentur zu gehen. „Wir bieten Fortbildungen und Beratung für die Freiwilligenagenturen an, begleiten aber auch, zum Einsatzort oder zum ersten Treffen.“ Die ersten drei Jahre wurde das Projekt Selbstverständlich Freiwillig von der Aktion Mensch gefördert. Bis 2015 unterstützt die Evangelische Kirche Deutschland die Aktion durch Kollektengelder.Silke Kremer hat übrigens familiäre Vorbilder für ihren ehrenamtlichen Einsatz: Schon der Großvater war beim DRK aktiv, ihre Mutter unterstützt die Tafel und der Vater engagiert sich gleich in mehreren Vereinen.

Kontakt: Britta Marie Habenicht - Selbstverständlich freiwillig, Königstraße 54
Tel.: 30620-361, Mail: habenicht@diakonie-hamburg.de, diakonie-hamburg.de
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