Hamburg: Flüchtlinge ins Bürgerhaus?

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Im ehemaligen Bürgerhaus Wandsbek könnte eine Tagesaufenthaltsstätte entstehen Fotos: rg

Bezirksversammlung: Situation in der Litzowstraße entspannen

Hamburg. Die gelben Wohncontainer direkt neben dem Staatsarchiv wirken lieblos aufeinander gestapelt. Das Gelände gleicht mit dem gerade auftauenden Sandboden einer Baustelle, ein Radlader steht vor einem der Doppelcontainer. 110 Zuwanderer und Flüchtlinge, meist Familien, sind in der Litzowstaße Ende des vergangenen Jahres vom städtischen Träger Fördern & Wohnen vorübergehend untergebracht worden. Doch: „Vor dem Hintergrund weiterer fehlender Plätze in der öffentlich-rechtlichen Unterbringung in Hamburg scheint ein längerer Aufenthalt wahrscheinlich“, heißt es in einem Antrag von Linken, SPD und Grünen, der in der Bezirksversammlung Wandsbek gestellt wurde.

„Wenn wie hier eine Möglichkeit zur Erleichterung der beengten Verhältnisse buchstäblich vor der Tür liegt, sollte unbürokratisch geklärt werden, ob sie kurzfristig umsetzbar ist.“ Dennis Paustian-Döscher

Auf neun Quadratmetern stünden zwei bis drei Betten, Kühlschrank, Spinde, ein Tisch und Stühle. Für 110 Menschen gebe es nur einen Aufenthaltsraum, der jedoch als Lagerraum genutzt werde, heißt es weiter: „Dringend werden Räumlichkeiten als Spielstube für Kleinkinder, Leseraum für Schulkinder und als Aufenthalts-Unterrichts- und TV-Raum für Erwachsene benötigt“. Abhilfe könnten die Räume des ehemaligen Bürgerhauses Wandsbek in der nahegelegenen Wandsbeker Allee 55 schaffen. Es wurde bereits Ende 2006 geschlossen. Seitdem wird das Gelände zum Verkauf angeboten – zunächst für ein Mindestgebot von 4 Millionen Euro, später von 3,1 Millionen. Ein Abriss- und Neubautermin ist nicht absehbar.

Behörde soll prüfen

Der gemeinsame Antrag von Linken, SPD und Grünen fordert Bezirksamt und Fachbehörde auf, zu prüfen, ob eine Nutzung als Tagesaufenthaltsstätte möglich ist. Ansonsten käme auch die Schule in der Walddörfer Straße 91 in Frage. „Leer stehende öffentliche Gebäude sind immer ein Ärgernis für Bürger, zumal wenn die Räume noch intakt sind“, sagte Julian Georg, Fraktionsvorsitzender der Linksfraktion. „Wir hoffen, dass in den leerstehenden Gebäuden auf der anderen Seite der Wandsbeker Allee mit wenig Aufwand Räume für die Flüchtlinge bereit gestellt werden können“, sagte Rainer Schünemann, stellvertretender SPD-Fraktionschef. Dennis Paustian-Döscher, Fachsprecher für Soziales der Grünen-Fraktion ergänzte: „Wenn wie hier eine Möglichkeit zur Erleichterung der beengten Verhältnisse buchstäblich vor der Tür liegt, sollte unbürokratisch geklärt werden, ob sie kurzfristig umsetzbar ist.“ Der Antrag wurde von den Bezirksabgeordneten einstimmig angenommen. (rg)
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