Hamburg: Hier kochen die Väter

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Sie haben Spaß beim Väterkochkursus: v. li. Sahra, 9, Luna, 10, Lena, 9 und Nele, 8, sowie v. li. René Bülker, Erzieher Ralf Dittmer, Matthias Wöhlk und Ronald MüllerFoto: Christa Möller
 
Die fünfjährige Liliana geht noch nicht zur Schule, bestaunt aber schon mal den SchulzooFotos: Möller

Schule Charlottenburger Straße lädt zur 50-Jahr-Feier ein

Von Christa Möller
Hamburg. Klaus, Jette und Jacky sind gern in der Schule Charlottenburger Straße, wo sie gut betreut werden. Lernen müssen sie übrigens nichts – kein Wunder, denn die drei Chincillas leben im Schulzoo, ebenso wie die Wasserschildkröteriche Michelangelo und Donatello, die Hamster und Meerschweinchen, für die die Schüler als Tierpfleger Verantwortung übernehmen. Für die Jubiläumsfeier am kommenden Mittwoch werden sie fein rausgeputzt. 50 Jahre wird die Schule alt. Das ist auch in der Schulküche ein Thema. Freiwillig stehen dort mehrere Väter am Herd, gemeinsam mit ihrem Nachwuchs. Was es heute zu essen gibt, weiß Sahra. „Nudelauflauf mit Möhren, Kohlrabi mit Möhrenstreifen, Schmandpudding“, sagt die Neunjährigen. Zutaten und Rezepte gibt’s von der Hamburger Tafel. Heute sind ausnahmsweise nur Mädels mit ihren Vätern dabei. Dem Elternratsvorsitzenden Ronald Müller macht das Kochen Spaß, Matthias Wöhlk und René Bülker auch. Das offene Angebot findet auch mal sonnabends statt. Die Väter zu motivieren, ist allerdings nicht immer so einfach, etwa zum Basteln. „Bei sportlichen Aktionen ist dagegen ist das ein Klacks“, weiß Müller.
Am Beispiel der Schule Charlottenburger Straße ist der Wandel der (Schul-)Zeit gut zu erkennen. Als Grund-, Haupt- und Realschule 1964 gegründet, hatte sie zeitweise bis zu 1000 Schüler, als Familien mit Kindern in der Neubausiedlung Wohnungen fanden, Flüchtlinge aus der Nachkriegszeit und Familien, die durch die Flutkatastrophe 1962 ihre Wohnungen verloren hatten. In den 80er Jahren verstärkte sich der Zuzug ausländischer Familien. 2005 wurde die Schule offene Ganztagsschule, ist seit 2007 nur noch Grundschule, seit 2011 gebundene Ganztagsgrundschule. Lag die Schülerzahl 2009 bei nur 193, besuchen heute 245 Mädchen und Jungen die dreizügige, modern ausgestattete Hohenhorster Schule. Mehr als die Hälfte der Familien beziehen Transferleistungen, etwa 70 Prozent der Schüler haben einen Migrationshintergrund, sie kommen aus 29 verschiedenen Ländern, überwiegend aus der Türkei, Afghanistan und Afrika, seit einiger Zeit verstärkt auch aus Polen. „Die Schule ist von Anfang an als pädagogisches Zentrum konzipiert“, sagt Schulleiterin Martina Lührs. So gibt es eine gute Vernetzung mit den sozialen Einrichtungen im Stadtteil.
Die ersten Schülerfirmen in Hamburg gab es hier an der Schule Charlottenburger Straße, wo die Acht- bis Zehntklässler im Rahmen des Arbeitslehre-Unterrichts den Schulkiosk betrieben und so ihre Klassenkasse finanzierten. Die Pilotschule für das Lernen mit neuen Medien verfügt über das größte PC-Netzwerk an Hamburger allgemeinbildenden Schulen. Alle Klassen sind mit Smartboards ausgestattet. Doch auch der kritische Umgang mit den Medien wird nicht vergessen, wie die Schulleiterin betont. Apropos Medien: Schon zweimal belegte die Schule den 1. Platz beim Hamburger Schülerzeitungswettbewerb. Sogar eine Insel gibt es an dieser Schule, sie ist pädagogischer Art und für Kinder mit besonderem Förderbedarf im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung gedacht, also auch für Kinder, die lernen müssen, sich an Regeln zu halten. Erzieher stehen als Bezugsbetreuer für jede Klasse bereit. „Die Aufgabengebiete werden immer mehr, immer vielfältiger“, weiß Martina Lührs, die schon das nächste Angebot ins Auge gefasst hat: Ergotherapie für die Kinder.
Auch für die Eltern wird einiges auf die Beine gestellt. Dazu gehört „Family Literacy (FLY)“ in der Vorschule: Eltern lernen im Unterricht, ihren Kindern Bücher und andere Bildungsinhalte nahezubringen. Es gibt ein Elterncafé, das Frauenfrühstück, Kochkurse, türkische, afrikanische und polnische Stammtische… Und ganz neu: Die Nachbarschaftsmütter, siebzehn ausgebildete ehrenamtlich aktive Frauen, die kostenlos für Mütter und Familien in der Umgebung im Einsatz sind. Sieben Frauen haben Kinder an der Schule Charlottenburger Straße. Eine von ihnen ist Anita Upitis aus Jenfeld, die mit einem Ghanaer verheiratet ist. Bei ihr zuhause wird deutsch gesprochen, durch ihren Mann lernen die Kinder aber auch Englisch und Ewe. Mariam Hassan-Zade hat zwei Kinder und stammt aus Afghanistan, Nuray Duman ist Mutter dreier Kinder und kommt aus der Türkei. Die siebzehn Nachbarschaftsmütter stammen aus elf Ländern und sprechen vierzehn Sprachen.

Jubiläumsfeier am Mittwoch, 9. April, 16-19 Uhr, Charlottenburger Straße 84. Bühnenprogramm, der Nachwuchs darf in der gerade sanierten Sporthalle toben. Infos im Schulbüro unter Tel.: 040 – 428 88 44 70
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