Hamburg: Im Ring Ehrgeiz und Respekt lernen

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Milad Ferosie (14) erklärt: „Ich bin selbstbewusster durch das Boxen geworden“. Er träumt jetzt von einer großen Boxerkarriere Fotos: jenssen

Box-Akademie Jenfeld: Jugendliche besser in der Schule

Von Martin Jenssen
Hamburg. Schule ist wichtig. Sport ist wichtig. Beides zusammen ist optimal. „Durch den Sport sind viele unserer jungen Boxer bessere Schüler geworden. Sie arbeiten in der Schule besser mit, können sich stärker konzentrieren“, berichtet Waldemar Sidorow, Initiator der Box-Akademie Hamburg.
Gute Boxer sind in der Regel schlau. Bestes Beispiel ist der amtierende Boxweltmeister Dr. Wladimir Klitschko. Dass künftige Boxweltmeister aus Jenfeld und Marienthal kommen, ist nicht unbedingt zu erwarten. Aber ihr Abitur und später vielleicht einen Doktortitel, das können einige der Kinder schaffen.
Das Sportangebot, das ihnen die Box-Akademie bietet, ist weltmeisterlich. Inzwischen sind es schon über 200 Kinder und Jugendliche, die einmal wöchentlich das Angebot zum Training wahrnehmen. Viele kommen sogar zweimal oder dreimal in der Woche. Das Training ist kostenlos. Sogar die Sportausrüstung werden von der Akademie gestellt.
Viele der Jugendlichen stammen aus finanziell nicht sehr gut gestellten Familien. Trainiert wird nachmittags in den Turnhallen der Max-Schmeling Stadtteilschule mit ihren Standorten am Denksteinweg und in der Oktaviostraße. Sie werden von zehn Trainern, darunter zwei Frauen, geschult. Sidorow: „Die Kinder und Jugendlichen lernen nicht nur boxen. Sie lernen auch die Regeln des Zusammenlebens. Verlangt wird von ihnen Disziplin, Fairness sowie die Achtung vor den Trainingspartnern und dem Gegner.“
Ganz bewusst werden Jungen und Mädchen zusammen in einer Gruppe trainiert. „Sie sollen lernen, mit dem anderen Geschlecht respektvoll umzugehen. Später kann es den Jungs passieren, dass sie eine Chefin haben. Und größere und stärkere Mädchen, sollen fair mit Jungs umgehen, die nicht so stark sind, wie sie “, erklärt der Initiator der Box-Akademie. Er selber hat nie geboxt. Der Theologe engagierte sich in der Sozialarbeit, half Drogenabhängigen, bis er eines Tages in einem Problemviertel in London eine Boxschule besuchte. Über 600 Kinder und Jugendliche wurden dort trainiert. Seine Kollegen berichteten von den großen Erfolgen und Fortschritten, die die Kinder auch in schulischer Hinsicht erzielten.
In der Jenfelder Kirche wurde im Jahre 2009 mit dem Boxtraining begonnen. Sidorow fand nach schnell eintretendem Platzmangel an der Schule am Denksteinweg geeignetere Trainingsmöglichkeiten. Seit über einem Jahr wird auch an der Schule in der Okatviostraße trainiert. Er möchte noch mehr Jugendliche von der Straße holen und für den Boxsport interessieren. Zwei junge Männer, die in Jenfeld als „Schläger“ bekannt waren, hauen inzwischen auf Sandsäcke, anstatt sich zu prügeln. „Es könnten noch mehr sein“, meint Sidorow.
Sein Traum ist eine Halle, die den jungen Menschen den ganzen Tag über offen steht, auch an den Wochenenden. In der Zentrale der Box-Akademie im ersten Stock des Jenfelder Einkaufzentrums am Öjendorfer Damm kämpft Waldemar Sidorow täglich für neue Spendengelder von potenziellen Sponsoren. Und wer weiß? Vielleicht kommt ja doch eine künftige Weltmeisterin oder ein künftiger Weltmeister eines Tages aus Jenfeld oder Marienthal. Den Ehrgeiz, es im Sport und im Leben weit zu bringen, haben die Jugendlichen auf jeden Fall. (je)
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