Hamburg ist „nicht demenzfreundlich“

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Cornelia Prüfer-Storcks bei ihrem Impulsvortrag Foto: wb

Senatorin sprach bei Alzheimer Gesellschaft mit Angehörigen

Hamburg Demenz ist ein Thema, das viele Menschen betrifft und bewegt. Dass es auf der politischen Agenda nur eine untergeordnete Rolle spielt, bemängelte Tobias Götting, Vorsitzender der Alzheimer Gesellschaft Hamburg kürzlich bei einem Gespräch mit Gesundheits-Senatorin Cornelia Prüfer-Storcks und Vereinsmitgliedern. „Die Landesinitiative Leben mit Demenz in Hamburg wurde 2012 ins Leben gerufen, jetzt fehlen weitere Schritte“, mahnte Götting. Vor allem die Organisation in Teilzeitstellen, die aus verschiedenen Töpfen finanziert werden, sind ihm nicht genug: „Wir gucken neidisch nach Skandinavien, wo die Arbeitsverträge oft an die Legislaturperioden gebunden sind.“

Stadt ist nicht demenzfreundlich

„Die Arbeit wird professionell, wenn auch meist nicht hauptamtlich geleistet“, konterte dagegen Senatorin Cornelia Prüfer-Storcks in ihrem Impulsvortrag. Sie betonte wie wichtig die Arbeit der Alzheimer Gesellschaft Hamburg als Partner für die Stadt sei, lobte besonders die Telefonberatung, die ebenfalls von ehrenamtlichen Helfern betreut wird. Doch der Weg zu einer „freien und demenzfreundlichen Stadt“ sei noch weit. Vieles ist auf den Weg gebracht, aber noch nicht am Ziel, so die Senatorin. Dabei ging sie darauf ein, wie notwendig es sei, den Pflegeberuf aufzuwerten – und das nicht nur monetär. Krankenhäuser sollten ihrer Ansicht nach zudem auch demenzsensibler arbeiten; was besondere Zustimmung unter den Zuhörern fand.

Hilfe für Angehörige

Das Interesse an einem Austausch mit der Senatorin war bei den Mitgliedern der Alzheimer Gesellschaft groß. Sie nutzten die Gelegenheit, ihrem Herzen einmal Luft zu machen. So mahnten sie an, dass zu wenig geschultes Personal vor allem in Hamburgs Notaufnahmen vorhanden sei. Auch die Parkplatz-Situation wurde angesprochen. Als Angehöriger bekomme man in Hamburg oftmals keinen wohnortnahen Parkplatz. Und einen Behinderten-Stellplatz zugewiesen zu bekommen, dafür reiche die Diagnose „Demenz“ nicht aus. Das müsse sich ändern. Besonders im Hinblick auf eine stark eingeschränkte Mobilität. Es gehe nicht an, dass man seinen Mann vor der Haustüre allein aussteigen lassen muss, um sich auf eine langwierige Suche nach einem Parkplatz zu machen, so eine Teilnehmerin. Nach einer guten Stunde nahm die Senatorin Themen und Anregungen mit in ihre Behörde. Der Dialog auf Augenhöhe kam bei den Mitgliedern an. Deshalb plant Vereinsgeschäftsführer Jörn Wieking nun eine Fortsetzung, dann mit Vertretern der Krankenlassen. Auch hier bestehe Redebedarf. (nik)
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