Hamburg: Mit der Ameise vorankommen

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„Vivo, die Ameise, ist auf einer großen Reise“, singen die Kinder der 2b mit den Projektbetreuern Fotos: Christa Möller
 
Schulleiterin Petra Bäumer zeigt ein Bild von Maskottchen Vivo

Neues „Vivo“-Förderprogramm für gerechtere Bildungschancen auch in Wandsbek

Von Christa Möller
Hamburg. Die Berliner Soziologin Professor Jutta Allmendinger begleitet zur Zeit ein besonderes Projekt, in dem eine Ameise namens Vivo die Hauptrolle spielt und das im April an der Grundschule am Eichtalpark in Wandsbek und der Grundschule Arnkielstraße in Altona sowie an vier weiteren Schulen in Düsseldorf und Neumünster mit insgesamt 150 Kindern startete. Vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung wird „Vivo - Bildung von Grund auf!“ unter ihrer Leitung evaluiert. Im Klassenverband unterstützt das Programm die Kinder vom zweiten Halbjahr der ersten bis zur vierten Klasse sowie im fünften Schuljahr beim Übergang auf die weiterführende Schule. Professionelle Trainer begleiten die Kinder.

Projekt der Stiftung Deutsche Wirtschaft

Mit „Vivo – Bildung von Grund auf!“ will die Stiftung der Deutschen Wirtschaft Kinder aus sozial schwachen Stadtteilen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung durch Theaterspielen, Kunstprojekte, Forschen und Experimentieren, Stadterkundungen und Ausflüge sowie die Vorstellung von Berufen fördern – in enger Kooperation mit den Bildungsministerien der Länder und den Schulen. „Der Übergang auf die weiterführende Schule ist sozial selektiv“, sagt Saskia Wittmer-Gerber, Bereichsleitung Schülerförderung der Bildungsstiftung. Nicht alle Eltern können ihre Kinder erfolgreich unterstützen. Deshalb solle eine Methode entwickelt werden, um die Kinder noch besser auf die nächste Schule vorzubereiten.

In der Schule am Eichtalpark kommen die 21 Schüler der Klasse 2b in den Genuss des Projektes. Sich konzentrieren, Aufgaben verstehen, auch mal ruhig sein, manchen fällt das noch recht schwer. An der Wandsbeker Schule sind vier Vivo-Trainer einmal wöchentlich für eineinhalb Stunden in ihrer Klasse: Lehrer Jörg Ehrnsberger, Lehrerin und Theaterpädagogin Esther Wagner sowie die Schauspieler Marlene Kampwirth und Jakob de Place, die ebenfalls eine theaterpädagogische Ausbildung haben. Die Vivo-Trainer sollen Begeisterung fürs Lernen wecken, Perspektiven zeigen und den Kindern helfen, in der nächsten Schule gut anzukommen. 180 Schüler, davon 27 Prozent mit Migrationshintergrund, besuchen die kleine Schule. Etwa die Hälfte geht anschließend auf das Charlotte-Paulsen-Gymnasium und das Matthias-Claudius-Gymnasium, ansonsten besuchen die Schüler die Statteilschulen (Otto-Hahn und Gyula Trebitsch-Schule).

Es sei außergewöhnlich, dass ganze Klassen in den Genuss einer Förderung kommen. Jedoch solle die Lernmotivation aller Kinder gestärkt werden. „Wir wollen die Kinder nicht stigmatisieren“, sagt Saskia Wittmer-Gerber. Immerhin 60.000 Euro kostet das Projekt in der Erprobungsphase pro Klasse jährlich – viel Geld. Aber: „Wenn die Methode zielführend ist, lässt es sich in die Schule übertragen“, sagt Schulleiterin Petra Bäumer, die seit Februar im Amt ist. Sie weiß, dass die Teilnahme am Projekt Kompromissbereitschaft und Flexibilität erfordert – auch seitens der Schule. Das Programm hat aber auch die Eltern im Blick. Zum Informationsaustausch werden unter anderem Elternnachmittage angeboten. Die Stiftung der Deutschen Wirtschaft engagiert sich mit diesem Projekt erstmals für Grundschulkinder.

Erweiterung geplant

Vivo soll schrittweise erweitert und auf andere Schulen übertragen werden. Zur Finanzierung sucht die Stiftung der Deutschen Wirtschaft Sponsoren. „Es gehört deshalb zu den wichtigsten schulpolitischen Zielen Hamburgs, sozial gerechte Übergänge zu gestalten und Chancengleichheit zu erhöhen“, sagt Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe.
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