Hamburg: Neuer Bekannter schlug zu

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Symbolfoto: thinkstock

Gericht sucht Taxifahrer als Zeugen, der Täter und Opfer vom Hansaplatz bis zum Landwehr fuhr

Von Martin Jenssen
Wandsbek/St. Georg Er kam am späten Abend gut gelaunt aus Hannover, hatte dort Freunde besucht. Gegen 22 Uhr erreichte er den Hamburger Hauptbahnhof und genehmigte sich noch ein Bierchen im „Zapfhahn“. In der Kneipe traf Peter H. (64, Name geändert) auf Paherjan S., einen jungen Mann mit afghanischen Wurzeln, mit dem er sich zunächst sehr gut verstand. „Ich kenn da noch eine Bar mit hübschen Mädels“, schlug der junge Mann vor. „Damit habe nichts am Hut“, entgegnete der ältere Herr. „Ich bin schwul!“ Der neue Bekannte von Peter H. erklärte dann, dass er ihm gerne eine Kneipe am Hansaplatz zeigen würde.
„Das war kein spezieller Treffpunkt für Homosexuelle, sonder eine Art Gemischtwarenladen“, erklärte Peter H. vor dem Wandsbeker Amtsgericht, wo er nun als Zeuge gegen seinen „Kurzzeitfreund“ aussagen musste. In der Kneipe am Hansaplatz war am 3. Januar nicht viel los. „Da ist noch was in Wandsbek“, lautete der nächste Vorschlag des jungen Mannes. Der ältere Herr, inzwischen angetrunken, ließ sich überreden. „Ich war neugierig geworden“, erklärte er dem Gericht. Am Hansaplatz suchten sich die beiden Männer ein Taxi. Die Fahrt dauerte nicht lange. An der Landwehr hielt es an. „Ich wurde aus dem Auto geschubst und in ein Gebüsch gezerrt“, erklärt Peter H. dem Gericht. „Und dann ging es los. Ich bekam plötzlich Schläge ins Gesicht. Auch als ich auf dem Boden lag, ging es weiter. So viel Gewaltbereitschaft habe ich noch nie erlebt“. Peter H. erlitt schwere Verletzungen im Gesicht. Seine Nase war drei Wochen lang geschwollen.

Angeklagter in Haft

„Wegen Raub und Körperverletzung muss sich Paherjan S. jetzt vor dem Amtsgericht Wandsbek verantworten. Der junge Mann sitzt in Haft. Er wurde zwischenzeitlich wegen ähnlicher Delikte zu einer längeren Freiheitsstrafe verurteilt. Jetzt könnte eine empfindliche Strafe dazu kommen. Eine Geschäftsfrau, die kurz vor Mitternacht an der Landwehr vorbeikam, hörte die Hilfeschreie des Überfallenen, sah wie der junge Mann an der Reisetasche des Opfers zerrte. Sie rief per Handy die Polizei. Der junge Mann ließ von seinem Opfer ab und verschwand in Richtung Wandsbeker Chaussee, wo er auch wohnt. Kurz vor der Wohnung von Paherjan S. fand die Polizei ein leeres schwarzes Portemonnaie. Peter H., der sein Portemonnaie seit dem Überfall vermisst, konnte aber nicht bestätigen, dass es sich um seine Geldbörse handelt. Nicht geklärt ist auch, was kurz vor dem Überfall in dem Taxi passierte. Der Taxifahrer konnte bisher nicht ausfindig gemacht werden.
Das Amtsgericht Wandsbek bittet deshalb dringend den Taxifahrer, der die Männer am 3. Januar kurz vor Mitternacht am Hansaplatz oder Hauptbahnhof aufnahm und zur Landwehr fuhr, sich zu melden. Es sind wichtige Fragen zu klären. Der Vorsitzende Richter möchte unter anderem wissen: „Gab es einen Streit im Taxi und wer hat die Fahrt bezahlt?“ Der Prozess wird am 19. August fortgesetzt.
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