Hamburg: Neustart - aber reduziert

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Das Berufsförderungswerk an der August-Krogmann-Straße Foto: Je

Berufsförderungswerk: Insolvenz aufgehoben. Weniger Stellen

Von Martin Jenssen
Hamburg. Die turbulenten Zeiten und die Unsicherheit der vergangenen Jahre beim Berufsförderungswerk (BFW) in Farmsen sind vorbei. „Die Insolvenz ist aufgehoben“, verkündet Geschäftsführer Jens Mohr. „Das Berufsförderungswerk kann wieder auf einer finanziell soliden Basis arbeiten.“ Die qualifizierte Umschulung für Menschen mit schweren Handicaps in den Räumen des BFW an der August-Krogmann-Straße wird in Ruhe weiter durchgeführt.
Seit der Gründung des BFW im Jahre 1962 sind über 20.000 Menschen mit Behinderungen erfolgreich für neue Arbeitsplätze – meist auf Facharbeiterniveau – umgeschult worden.
Durch rückläufiger Schülerzahlen war das BFW in den vergangenen Jahren jedoch in eine Schieflage geraten. Ein Schuldenberg von rund 25 Millionen Euro hatte sich angehäuft. Ein Großteil der Schulden (18,2 Millionen Euro) werden jetzt durch den Verkauf verschiedener Grundstücke abgebaut. Zwei Appartementhäuser, die das BFW am Berner Heerweg besaß, werden zu Studentenwohnheimen umgebaut.
Verkauft werden auch Teile des Schulgeländes, weil dort künftig nicht mehr die volle Anzahl der Schulungsräume benötigt wird. Bis zum 1. September werden 32.000 Quadratmeter des Schulgeländes geräumt und anschließen an einen Bauunternehmer übergeben. In den kommenden Jahren sollen dort rund 300 Geschosswohnungen gebaut werden.
Abgespeckt wird – und das ist der schlimmste Verlust- auch bei den Mitarbeitern. Von 290 Mitarbeitern, so der Stand im August des vergangenen Jahres, verbleiben dem BFW am 1. September 2014 noch 154 Vollzeitstellen. Davon werden 49 Stellen durch Eintritt in die Rente oder Selbstkündigung abgebaut. Weitere 88 Mitarbeiter wechseln in eine Transfer- und Qualifizierungsgesellschaft. Sie müssen sich neue Arbeitsplätze suchen.
Obwohl die Stadt Hamburg alleiniger Gesellschafter des BFW ist, werden sich die entlassenen Mitarbeiter wohl nicht auf dem internen Stellenmarkt der Hamburger Behörden umsehen und bewerben können, weil sie nicht in einer Fachbehörde gearbeitet haben. Das empört die Fraktion der Linken in der Wandsbeker Bezirksversammlung. Sie will in der Sitzung der Bezirksversammlung am kommenden Donnerstag (27. Februar, 18 Uhr, Bürgersaal Wandsbek, Am Alten Posthaus 4) den Antrag stellen, das zu ändern. Gerda Azadi, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linksfraktion: „Hier verlieren viele Menschen ihre wertvolle Arbeit in einem städtischen Unternehmen und der Senat versucht, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Die Stadt muss für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihrer Tochtergesellschaften die gleiche Verantwortung übernehmen wie für alle anderen Beschäftigten auch. Wir fordern den freien Zugang für alle Mitarbeiter des Berufsförderungswerks Hamburg auf dem internen Hamburger Arbeitsmarkt.“ (je)
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