Hamburg: „Nur minus 22 Grad...“

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Ein besonderes Erlebnis: Mit Pferd und Wagen durch den sibirischen Winter Foto: M. Burghardt/wb
 
Philip, 15, (v.l.) Noah, 15, Sarah Puchert, Christian, 15, Anna Lisa, 12, Inna Knaus, Matthias Burghardt sowie und Mona Schnackenburg haben viele Eindrücke von der Reise nach Sibirien mitgebracht Foto: Christa Möller

Was Tonndorfer beim Schulpartnerbesuch in Sibirien erlebten

Von Christa Möller
Hamburg. Das ist mutig: Vier Lehrerinnen der Gyula-Trebitsch-Schule in Hamburg reisten kürzlich im Rahmen eines Austauschprojekts nach Sibirien – ohne jegliche Sprachkenntnisse. Über Moskau flogen sie gemeinsam mit Lehrer Mathias Burghardt, der Russisch und Physik unterrichtet, sowie zehn Schülern nach Novosibirsk, wo sie bei Schülern beziehungsweise Lehrern wohnten. „Die Reise diente dazu, die Schulpartnerschaft an unserer Schule ein bisschen bekannter zu machen. Alle haben viele Eindrücke mitgenommen, auch vom sibirischen Winter und vom Leben in Russland. Die Schüler stellten fest, dass der reichlich vorhandene Schnee viel trockener war als in Deutschland und „für Schneebälle und Schneemänner eher ungeeignet“. Mit 22 Grad minus war der Winter jetzt im März nicht mehr ganz so kalt, „man kann es aushalten“, so die Schüler.
„Ich fahre jedes Jahr ans Schwarze Meer, aber nur im Sommer“, sagt der 15-jährige Philip. Er hat russische Wurzeln, Eltern und Großeltern stammen daher. Noah, 15, ist Portugiese. Er hörte von seiner Schwester, die an der Russisch-Arbeitsgemeinschaft der Schule teilnimmt, dass noch ein Reiseplatz frei war und fuhr kurz entschlossen mit – ohne Sprachkenntnisse. Die Verständigung klappte notfalls mit Hilfe eines Wörterbuches, außerdem haben die russischen Partnerschüler alle Deutsch gelernt. Die sibirische Partnerschule, das Gymnasium Nummer 6 in Novosibirsk / Akademgorodok, ist ganz anders organisiert als hier, so gibt es dort noch viele 45-minütige Unterrichtseinheiten, während es hier 90 Minuten sind.

Mit Computern gut ausgestattet

Tief beeindruckt waren die Hamburger von der Ausstattung der Schule mit Smartboards und Computern „von denen wir träumen. Der Unterricht verläuft konservativer“, wie Mona Schnackenburg, Lehrerin für Politik und Informatik, bemerkt. Sie fand es sehr interessant, wie unterschiedlich die zur Zeit brisante Situation in der Ukraine auf russischer Seite gesehen wird. Sonderpädagogin Sarah Puchert unterrichtet Deutsch und Gesellschaftswissenschaften. Sie stellt fest, dass „das Thema Inklusion dort noch nicht angekommen“ ist. Erschreckend fand sie die mit 500 Euro niedrigen Lehrergehälter, wobei der Lebensunterhalt in Russland nicht sehr günstig sei. „Die müssen ganz schön knapsen.“ Filmemacherin Inna Kraus ist bis zu ihrem zehnten Lebensjahr in Russland aufgewachsen. Sie begleitete die Reise, um einen Film darüber zu drehen, für sie der erste Besuch in der alten Heimat seit 18 Jahren.
Für Mathias Burghardt steht fest, „es muss regelmäßig etwas stattfinden, jährlich ein Projekt, wenn auch nicht unbedingt vor Ort.“ Im Juni, in den russischen Sommerferien, ist der Gegenbesuch geplant, aber „Sorge bereitet uns der Verfall des Rubels durch die Entwicklung in der Ukraine, es wird für die Russen immer schwieriger, Tickets zu kaufen“, weiß Burghardt.
Die deutsche Gruppe, die für die Reise eine Woche ihrer Frühjahrsferien „opferte“, hatte dagegen Glück: Zu 50 Prozent wurde ihre Reise von der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch gefördert, „und auch von der Behörde für Schule und Berufsbildung“. Das sei leider auf der russischen Seite nicht möglich, so dass die Eltern die Reise im Wesentlichen finanzieren müssten. Bis dahin halten die Schüler über soziale Netzwerke regen Kontakt.
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