Hamburg: Verdächtiger Grund

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Unter diesen Häusern könnten Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg liegen Foto: rg

Liegen Kampfmittel unter Häusern im Grömitzer Weg?

Von Rainer Glitz
Hamburg. Seit 40 Jahren wohnt Helmut Rosenfelder mit seiner Frau in der ruhigen Reihenhaussiedlung im Grömitzer Weg. Die Häuser mit den gepflegten, kleinen Gärten wurden 1960 gebaut. Früher war hier eine Baumschule. Und ganz in der Nähe eine Kaserne – und da liegt das Problem. „Zum Schutz der Kaserne gab es hier Flugabwehr-Stellungen, und die waren ein Ziel für die alliierten Bomber“, erklärt Hans Schuy, Vorsitzender des Bürgervereins Oldenfelde. Im vergangenen November bekam Helmut Rosenfelder Post von der Innenbehörde. Im Rahmen der Auswertung alliierter Luftbilder aus dem Zweiten Weltkrieg sei für sein Grundstück Kampfmittelverdacht festgestellt worden, er möge sich mit der Abteilung Gefahrenerkundung der Hamburger Feuerwehr in Verbindung setzen.
„Das ist eine heikle Sache, jedes Grundstück ist verdächtig und der Eigentümer muss nachweisen, dass es keine Kampfmittelreste gibt“, sagt Helmut Rosenfelder, der inzwischen einiges an Wissen angesammelt hat. So kommt die Stadt im Falle eines Fundes für die Kosten der Entschärfung und der Räumung auf, die Suche jedoch muss der Grundeigentümer zahlen. Eine genaue Luftbildauswertung für das Oldenfelder Grundstück hat Rosenfelder bereits angefordert. „Wenn wir Glück haben, muss nur der Garten elektronisch sondiert werden“, sagt er. Schlimmstenfalls aber wären Bohrungen im Keller nötig, und das könnte richtig teuer werden. Rosenfelder erfuhr aber auch, dass er privat- und strafrechtlich haftbar ist, falls durch einen Blindgänger wirklich etwas passiert. „Gefährlich sind zum Beispiel Sprengbomben mit Säure-Zeitzünder, die können auch heute noch explodieren“, so Rosenfelder besorgt. Ausgelöst werden könnte diese etwa durch Baumaschinen.
Helmut Rosenfelder hat den Kampfmittelverdacht an Feuerkasse und Haftpflichtversicherung gemeldet. Er sucht weitere Betroffene, um sich mit ihnen auszutauschen. Dazu plant er einen Internet-Auftritt zum Thema Kampfmittelverdacht. Rosenfelder will sich auch mit einer Eingabe an den Petitionsausschuss der Bürgerschaft wenden. Ziel: eine Änderung der Haftung und Zuschüsse durch die Stadt für betroffene Anwohner. Der Bürgerverein Oldenfelde unterstützt den Hausbesitzer. „Die meisten wollen das Thema nicht anrühren. Wir müssen aber das Bewusstsein für die Risiken wecken, statt es unter den Teppich zu kehren“, sagt Hans Schuy entschlossen. Erst ein Siebtel des Hamburger Stadtgebietes ist auf Kampfmittel untersucht worden. (rg)
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