Hamburger Hochbunker als Übungsräume für Musiker

Anzeige
Die Fassade des Bunkers in der Von-Hein-Straße steht unter Denkmalschutz Foto: Möller
 
Die amerikanische Band „The Zappa Early Renaissance Orchestra“, kurz ZERO, nutzt die Gelegenheit zur Probe Foto: Möller

Familie Lohmann besitzt mehrere Luftschutzbauten und vermietet sie an Künstler

Von Christa Möller
Wandsbek
Sie haben Bombenhagel und Feuersturm überstanden: Jahrzehnte nach Kriegsende prägen Hochbunker noch immer Hamburgs Stadtbild, viele davon im kulturellen Bereich. Sieben Musikbunker besitzt die Familie Lohmann mittlerweile in Hamburg, einer davon steht an der Von-Hein-Straße 19 in Wandsbek.
„Wir hatten ein Antiquitätengeschäft in Eppendorf und brauchten Lagerplatz für Möbel“, erzählt Falkner Lohmann, 71, über die Anfänge. Deshalb kaufte er vor über dreißig Jahren den Hochbunker an der Eiffestraße. Viele Musiker hätten damals nachgefragt, ob sie Übungsräume im Bunker mieten könnten, „und das ist daraus geworden“, sagt er mit Blick auf inzwischen 340 zu vermietende Lager- und Übungsräume in den sieben Bunkern. Hier proben Musiker, Bands und Opernsänger, aber auch Musiklehrer und Produzenten sowie kirchliche Musikgruppen üben in den gut isolierten Räumen. „Die meisten Mieter kommen einmal die Woche und vermieten den Raum unter.“ Leerstand gebe es selten, ganz im Gegenteil, 60 bis 70 Interessierte stünden auf der Warteliste. Einige der Räume werden quasi „vererbt“, das heißt, die Untermieter übernehmen, wenn die Hauptmieter gehen. „Ich verstehe das auch als eine soziale Aufgabe, weil wir ja viel mit jungen Leuten zu tun haben. Das macht sehr viel Spaß“, erzählt Lohmann bezüglich der Nutzer, die in Wandsbek von 9 bis 24 Uhr Gelegenheit zum Üben haben – die Schallschutzwände machen es möglich. Andere Musiker sind inzwischen in die Jahre gekommen, etwa an der Eiffestraße, wo manche schon seit 28 Jahren dabei sind. „Das sind Freundesgruppen geblieben, die Treffen sich einmal wöchentlich und vermieten die Übungsräume noch unter.“ So ist immer Leben im Bunker, wenngleich davon draußen kaum etwas zu hören ist. Dafür sorgen die 1,10 Meter dicken Wände. Doch auch innerhalb der Gebäude komme es nur sehr selten vor, dass eine Band die andere störe. Aktuell ist beispielsweise die amerikanische Band ZERO (The Zappa Renaissance Orchestra) auf Tour, nutzt spontan den Bunker für eine Probe. Zahlreiche Hochbunker gibt es noch in Hamburg, manche dienen als Lager, andere sind zu Wohnzwecken umgebaut worden, weiß Falkner Lohmann, der die Musikbunker mit seiner Schwester Marion, Sohn Christoph und Tochter Katrin betreibt. Auch für die Musiker mussten Wände weichen, waren die Bunkerinnenräume früher doch nur acht bis zehn Quadratmeter groß. „Wir mussten entkernen“, erklärt der Geschäftsmann, der zehn Jahre in Hamburg wohnte, mit vier Kindern aber keinen bezahlbaren Wohnraum fand und in seine Heimatgemeinde Sottrum im Kreis Rotenburg zurückkehrte, von wo aus er dreimal wöchentlich nach Hamburg ins Verwaltungsbüro an der Von-Hein-Straße kommt. Sanitärräume wurden in die Bunker eingebaut und natürlich ist für Be- und Entlüftung sowie Feuerschutz gesorgt. Zwölf bis 27 Quadratmeter groß sind die jetzt durchschnittlich 45 Räume pro Gebäude, von denen einige als Lager genutzt werden. Der 1941/42 erbaute Wandsbeker Hochbunker, der über sechs Geschosse verfügt, ist zwar nur halb so groß wie etwa der an der Wendenstraße, verfügt aber über einige Übungsräume, die sogar 36 Quadratmeter groß sind. Er liegt in einer Nebenstraße, aber dennoch verkehrsgünstig in U- und S-Bahn-Nähe. Einige Nutzer kommen mit dem Fahrrad, wie Lohmann weiß, der aufgrund der Vielfachnutzung seiner Räume insgesamt 2.200 Schlüssel ausgegeben hat. Und noch etwas unterscheidet den Wandsbeker Hochbunker von den fünf anderen: Er steht unter Denkmalschutz, unter anderem aufgrund der Fassadenbemalung und des noch erhaltenen Splitterfangs zum Schutz des Eingangsbereiches.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige