Hamburger Killer-Clown schlägt Hass entgegen

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Martin Dehn: YouTuber und Hamburgs erster Killer-Clown Foto: ut

YouTube-Star dreht Grusel-Video im Stadtpark und erntet heftigen Reaktionen

Von Ulrich Thiele
Hamburg Es ist seit Tagen das dominierende Thema: Die Killer-Clowns sind in Deutschland angekommen. Doch der anfangs nur witzig gemeinte Streich aus den USA artet hier immer wieder aus. So wurden innerhalb weniger Tage mehrere gewaltätige Angriffe aus Rostock, Greifswald und Bremen gemeldet – mit Spaß hat das nichts zu tun. Auch in Hamburg sorgt derzeit ein Grusel-Clown für Schlagzeilen. In einem Video zeigt der Youtuber „Mister Peinlich“, wie er abends Spaziergängern im Stadtpark mit einer Horror-Clown-Maske erschrickt (Das Wochenblatt berichtete online). Hinter der Maske steckt der 25-jährige Martin Dehn aus Hamburg. Das Wochenblatt traf den jungen Youtuber zum Interview und sprach mit ihm über die Idee hinter seinem Streich, Hass-Kommentare und andere Reaktionen auf sein Video.


Wochenblatt: Herr Dehn, wie sind Sie auf die Idee gekommen, mit einer Killer-Clown-Maske Menschen zu erschrecken?
Martin Dehn: „Meine Freunde und ich haben diesen großen Hype um die Killer-Clown-Pranks in den USA mitbekommen und haben uns gefragt, warum das eigentlich niemand in Deutschland macht. In unserem Video ist natürlich alles gespielt. Die Leute in dem Clip sind Freunde von mir. Wir wollten sehen, wie Deutschland das aufnimmt. In den USA wird das nämlich extrem gefeiert. In Deutschland kommt das überhaupt nicht gut an, ich habe sehr viele negative Kommentare bekommen. Das ist auch gut. Wir wollten ja die Reaktionen darauf testen.“

WB: Warum ist es gut, dass Ihnen Hass entgegengebracht wird?
Dehn: „Diesen Prank (Streich) hat wirklich vorher keiner gemacht in Deutschland. Wir wollten natürlich niemanden dazu animieren, wir werden uns auch noch dazu in einem weiteren Video äußern. Aber wir wollten wissen, wie das expandiert. Wir sind Youtuber, wir wollen natürlich auch Aufmerksamkeit. Da sind wir auch ehrlich. Mir war bewusst, dass ich dafür Hate kriegen würde, das Ausmaß überrascht mich aber schon. 250 Kommentare unter meinem Video sind geblockt, weil sie Hassreden oder Beleidigungen enthalten. Aber das ist ok, ich muss da einfach drüberstehen und in zwei Wochen ist das vergessen.“

WB: Die Leute in Ihrem Video sind also alle eingeweiht?
Dehn: „Ja, die waren alle eingeweiht. In der letzten Szene mit dem Stuhl ist sogar meine Freundin mit einem Kollegen von mir zu sehen. Ich habe natürlich versucht, das so realistisch wie möglich zu machen. Es sollte ein soziales Experiment sein. Dass das so expandiert, hätte ich nicht gedacht. Momentan explodiert das Thema ja im Internet. Alles ist voll mit anderen Clowns.“

WB: Haben Sie den medialen Wirbel eingeplant?
Dehn: „Ja, natürlich. Wir wollten wissen, ob man damit eine mediale Aufmerksamkeit erreichen kann, aber wir wollten es auch als eine Art soziales Experiment anlegen. Die Frage war: Wie nehmen die Menschen das auf? Und es hat ja auch geklappt, zwar negativ, aber man kann es auch so sehen: die Leute schauen sich mein Video an und sehen die negativen Bewertungen und Kommentare und merken: Hey, das wird so gehated, das mach ich lieber nicht nach. Dann ist ja das Risiko eventuell noch kleiner, dass sie das auf der Straße nachmachen.“

WB: Es gibt aber auch echte Streiche, die in Gewalt enden. Haben Sie keine Angst, Nachahmer zu beeinflussen?
Dehn: „Das stimmt. Bei den echten Pranks kommt es darauf an, wie sie gemacht sind. Wenn jemand tagsüber um die Ecke kommt mit so einer Maske ist das nicht schlimm. Kinder kaufen sich beispielsweise auch eine Scream-Maske zu Halloween und machen denselben Kram. Das Problem ist, dass Psychopathen, die jetzt da drauf springen, sowieso ihre Gewalt ausüben würden. Gewalttätige Clowns, die Leute im Park auflauern, find ich auch zu heftig. Das ist zu viel.“

WB: Wie sehen Sie die Reaktionen im realen Leben?
Dehn: „Im Internet ist der Hype viel zu negativ. Das wird auf der Straße überhaupt nicht so schlecht aufgenommen, das ist jedenfalls mein Eindruck. Beim Videodreh im Stadtpark kamen sogar Leute vorbei und haben gelacht, als sie gesehen haben, was wir da drehen.“

WB: Wie hat sich der Hype auf ihre Klicks ausgewirkt?
Dehn: „Ich habe mehr Abonnenten als vorher, es steigt also. Allerdings nur um 20 Prozent ungefähr. Ich hatte vorher 35.000 Abonnenten, jetzt sind es knapp 38.000.“
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2 Kommentare
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Anne Weißnich aus Barmbek | 30.10.2016 | 18:14  
403
Rainer Stelling aus St. Georg | 31.10.2016 | 06:46  
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