Hefe made in Wandsbek

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Die Firmenzentrale ist in einem dreistöckigen und denkmalgeschützten Gebäude aus den 30er Jahren an der Wandsbeker Zollstraße untergebracht Foto: ks

Johann Helbing legte 1836 den Grundstein für das Werk, das heute zu den Global Playern gehört

Von Klaus Schlichtmann
Wandsbek
Unauffällig liegt das Werk mitten in Wandsbek, dabei ist es in seiner Branche eines der weltweit führenden Unternehmen. Ein sogenannter „Global Player“, in dem in vier Schichten rund um die Uhr produziert wird, 365 Tage im Jahr! Unscheinbar wirkt auch die Firmenzentrale - ein dreistöckiges und denkmalgeschütztes Gebäude aus den 30er Jahren an der Wandsbeker Zollstraße.
„Deutsche Hefewerke“ steht an der himmelblauen Fassade - der Schriftzug stammt aus einer anderen Zeit und erinnert nur noch an die Ursprünge dieses traditionsreichen Unternehmens. Das eigentliche Firmenschild steht ein paar Meter weiter an der Auffahrt zum 44.000 Quadratmeter großen Betriebsgelände: „Ohly“, einer der umsatzstärksten Hefehersteller auf der Welt. 168 Angestellte arbeiten hier in der Produktion, im Vertrieb, in eigenen Forschungs- und Entwicklungs-Labors. Hinzu kommen weitere 116 Beschäftigte in den drei US-Tochterfirmen in Minnesota und Wisconsin.
Die jährliche Produktionsmenge allein in Hamburg liegt bei mehreren tausend Tonnen, die genaue Menge an Hefeextrakt und Zellwand-Erzeugnissen bleibt ein Betriebsgeheimnis. Basisprodukte, die etwa in der Lebensmittel-Industrie, in der pharmazeutischen Industrie (z. B. Herstellung von Insulin und Penicillin) oder bei der Futtermittel-Herstellung unverzichtbar sind.
Die biotechnische Vermehrung der Hefe findet im Wandsbeker Ohly-Werk in großen Stahlbottichen (Fermentern) statt. „Hefe hat Hunger, also füttern wir sie mit Melasse aus Zuckerrüben und Zuckerrohr als Kohlenhydratquelle“, versucht Werksleiter Thorsten Schlosser den Produktionsprozess anschaulich zu erklären. Jeweils einige Tage dauert dieser mehrstufige Vorgang, dann kann „geerntet“ werden - bis zu 150 Kubikmeter sogenanntes Ferment, das als Ausgangsstufe für alle Produkte europaweit und in alle Kontinente exportiert wird.
Die Anfänge des Werkes reichen bis in das Jahr 1836 zurück. Damals gründete Johann Helbing in der Walkmühle an der Wandse eine Dampf-Kornbrennerei, die sein Sohn Christoph zum größten Spirituosen-Unternehmen Deutschlands ausbaute (Kümmel-Dynastie Helbing). Damit legte Helbing zugleich den Grundstein für die Hefeproduktion in Wandsbek.
Mitte der 30er Jahre begann Götz Ohly an gleicher Stelle mit der Hefeextrakt-Herstellung. 1961 wurde die Firma in „Deutsche Hefewerke“ umbenannt, um dann 33 Jahre später wieder in „Ohly“ umfimiert zu werden. Heute gehört „Ohly“ zum britischen Mutterkonzern „Associated British Foods“.
In den nächsten Jahren sind Investitionen von mehreren Millionen Euro in das Werk geplant – ein klares Bekenntnis also zum Standort Wandsbek. Auch das Personal soll aufgestockt werden.
„Vor allem suchen wir junge Leute, die sich bei uns zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik ausbilden lassen möchten“, erklärt Rita Jurgeleit, Personalchefin bei „Ohly“. Sicher ein Beruf mit Zukunft, besonders in Wandsbek.
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