Heimat für Nierentische gesucht

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Museumsdirektor Fink in seinem „Reich“: Im neuen Wandsbeker Kellerlager stapeln sich die Museumsexponate bis unter die Decke Foto: tel

50-Jahre-Fan Klaus Fink aus Bramfeld braucht Räume für seinen Museumstraum

Von Michael Hertel
Bramfeld/Wandsbek
Jungs trugen Schmalztolle, die Mädchen Petticoat. Sie hörten Caterina Valente oder Rock‚n‘Roll von Bill Haley auf Vinyl: An die Zeit der 1950-er Jahre erinnert die phänomenale Sammlung des gebürtigen Pfälzers Klaus Fink (66). Der gelernte Schreiner und Architekt kam dazu wie die Jungfrau zum Kinde: Anfang der 1980iger Jahre hatte Fink den Auftrag, eine „Wirtschaftswunder-Kneipe“ einzurichten und kaufte ein Jahr lang alles, was seiner Ansicht nach als Ausstattung und Accessoires benötigt wurde. Dann aber ließ sein Auftraggeber von dem Projekt ab und schenkte Fink die ganzen Schätze. Die nahm der Speyerer mit, als er berufsbedingt 2002 nach Hamburg umzog. Jahrelang war ein Teil der Sammlung als „50er Jahre Museum“ im „ZEBRA“-Einkaufszentrum an der Bramfelder Straße 1 zu sehen (das Wochenblatt berichtete). Aber dort musste Fink mit seiner inzwischen rund 18.000 Exponate umfassenden Schau aus der Nierentisch-Ära kurzfristig raus. Jetzt verstaubt alles in einem kürzlich bezogenen engen Kellerlager unweit des Wandsbeker Rathauses. Bei Fink, der das Museum als Vorsitzender eines gemeinnützigen Vereins (Museumsverein „Die Goldenen Fünfziger Jahre“ e.V.) betreibt, gibt es fast alles, was die schrägen 1950iger Jahre zu bieten hatten: von der Haarnadel, über Schallplatten und Schundromane bis zur kompletten Raumausstattung inklusive Möbeln, Radioapparaten und Fernsehtruhen. Ganze Zimmer kann Fink mit seiner Sammlung im 1950iger-Stil darstellen, zum Beispiel Wohnzimmer, Jugendzimmer, Küche Arztpraxis, Friseursalon oder „Tante-Emma-Laden“. Und die 1950iger Jahre sind wieder „in“, leben in Dokumentationen, TV-Serien und Kinofilmen wie „Ku´ Damm 56“ wieder auf. Kein Wunder also, dass verstärkt Filmproduzenten bei Fink nach Leihgaben anfragen. Daneben hat er jüngst eine mobile, modular aufgebaute Schau konzipiert, die durch ganz Deutschland tourt – zu sehen beispielsweise vom 30. Mai bis zum 18. Juni im Rahlstedt-Center. Durch Sachspenden wächst die Sammlung nach wie vor. Deshalb sucht Fink, inzwischen Rentner, händeringend nach Räumlichkeiten für eine Dauerausstellung. „Ich habe schon fast alles versucht – in der HafenCity, bei HHLA Immobilien, beim Bezirksamt – alles vergebens“, klagt Fink. Fast hätte es mit einem leerstehenden Schulgebäude in Langenhorn geklappt. Aber dann kamen die Flüchtlinge. „Mit dem Verleih und der mobilen Schau kann man mit knapper Not den Bestand finanzieren. Aber auf die Dauer ist das keine Lösung“, erklärt Fink.

Weitere Infos: www.50ermuseum.de
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