Helfer gegen die Flut in Dresden

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Torsten Hansche (li.), Bereichsführer der Freiwilligen Feuerwehr Wandsbek, und Jean Gressmann, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Wandsbek-Marienthal Foto: Jenssen

37 Feuerwehrleute aus Wandsbek kämpften in der Katastrophe – nicht ohne Risiko

Von Martin Jenssen
Wandsbek. Schlaf? Daran denken Feuerwehrleute nicht, wenn andere Menschen in Not sind. „In den drei Tagen des Einsatzes habe ich insgesamt höchstens fünf Stunden geschlafen“, sagt Henrik Panczak (26) von der Freiwilligen Feuerwehr Marienthal. Zusammen mit 36 weiteren Mitgliedern aus den acht Freiwilligen Feuerwehren des Bezirks Wandsbek kämpfte der Hamburger Student in Dresden gegen die übermächtigen Elbfluten.
Am Montag, 3. Juni, kam der Hilferuf aus der sächsischen Landeshauptstadt. Montagabend bekam Henrik Panczak dann den „Einsatzbefehl“ von seinem Wehrführer Jean Gressmann. Um 22 Uhr trafen sich 150 Feuerwehrkameraden aus ganz Hamburg bei der Feuerwehrschule in der Bredowstraße. Punkt Mitternacht rückte der Konvoi ab: Zwölf Löschfahrzeuge komplett mit Mannschaften, drei Löschfahrzeuge gekoppelt mit Booten, vier Rüstwagen und weitere Spezialfahrzeuge. Eine lange Fahrt in Feuerwehrfahrzeugen ist unbequem. Die Fahrzeuge sind ausgerichtet für kurze Fahrten und schnelle Einsätze. „An Erholung oder Schlaf ist bei so langen Fahrten in den engen Fahrzeugen nicht zu denken“, sagt Henrik Panczak.

Bigbags gestapelt

Am Dienstag gegen 10 Uhr treffen die freiwilligen Helfer in Dresden ein. Schnell wird die Unterkunft, eine Turnhalle in einer höher gelegenen Schule in der Stadt, bezogen. Schon geht es runter zum Einsatz an die Elbe. Die Hamburger sollen in „Elbflorenz“ das malerischen Terrassenufer schützen. Und dann beginnt die mörderischen Arbeit: Sandsäcke schleppen und zu Wällen aufstapeln. Die Sandsäcke werden von Helfer zu Helfer gereicht. Kaum ist der eine Sandsack weitergereicht, folgt schon der nächste. Eine schier unendliche Kette. Jeder dieser „Bigbags“ ist vier bis fünf Kilo schwer. Es wird geschuftet, bis man nicht mehr kann. Über 800.000 diese Schuttsäcke bringen die Hamburger an den Deich, um zu verhindern, dass die Stadt absäuft.
Doch es ging auch um die Sicherung der Gebäude im Uferbereich der Elbe. Das war nicht ungefährlich. Manfred Crone (53) berichtet: „Im Keller einer Schule, die wir schützen sollten, sprangen plötzlich die Bodenplatten hoch und das Wasser schoss in die Kellerräume. Wir mussten uns in die höheren Geschosse retten.“

Gut geschult

In solchen Fällen sind schnelle Entscheidungen erforderlich, um die Gebäude vor dem Einsturz zu schützen. Wehrführer Jean Gressmann erläutert: „In den gefährdeten Gebäuden sind die Hilfsmaßnahmen durchaus unterschiedlich. Die Statik muss berechnet werden. In einigen Häusern müssen wir das Wasser abpumpen, um sie zu retten. In anderen Gebäuden muss man die Keller fluten, damit sie nicht einstürzen.“ Um die Helfer nicht zu überlasten, dauert ihr Einsatz drei Tage. Dann muss ein Austausch erfolgen. Für den größten Hamburger Bezirk leitet Torsten
Hansche, Bereichsführer Wandsbek, den Einsatz der Feuerwehrleute. Hansche: „Unsere Leute sind gut geschult. Sie wissen nicht nur, wie man Feuer löscht, sie wissen auch, wie man Hochwasser bekämpft.“ Sollte es in Hamburg zu Hochwasserproblemen kommen, wären die Helfer der Freiwilligen Feuerwehren sofort zur Stelle: Hansche: „Die Wandsbeker Wehren sind für die Sicherung der Deiche zwischen der Tatenberger Schleuse und dem Zollenspieker Fährhaus zuständig. Mindestens einmal im Jahr wird dort eine große Übung abgehalten“. Gerade weil die Helfer aus Hamburg eine gute Ausbildung haben, sind die Dresdner über die Hilfe aus der Partnerstadt so glücklich. Die Hamburger kommen mit voller Ausrüstung, haben eigene Schutzkleidung und Gummistiefel dabei und können am Einsatzort sofort als Helfer eingreifen. Aber auch die Hamburger Feuerwehrleute waren beeindruckt von den Menschen in der Partnerstadt Dresden. „Wir wurden so herzlich empfangen. Das war einfach überwältigend“, sagt Fabian Gressmann von der Feuerwehr Marienthal.
Am Sonntag wurde der Einsatz der Hamburger Feuerwehren in Dresden offiziell beendet.
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