Hier kommt der Strom für Zelte

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Ein Sattelzug bringt riesige Stromaggregate in den Moorpark Foto: Glitz
 
Die Zeltstadt in Jenfeld soll winterfest gemacht werden Foto: Glitz

Moorpark: Notunterkünfte sollen beheizt werden

Von Rainer Glitz
Jenfeld
Ein roter Lastwagen mit Anhänger dreht rückwärts und sehr langsam auf dem Parkgelände. An Bord sind zwei riesige Aggregate. Sie sollen schon bald Strom für das Zeltcamp produzieren. Denn in den 50 Zelten im Moorpark werden gerade elektrische Heizungen installiert. „Es ist zwar noch nicht wirklich kalt, aber feucht“, erläuterte Bastian Faust, Leiter der Notunterkunft, auf der ungewöhnlich gutbesuchten Jenfelder Stadtteilkonferenz. Die Böden und die Zelte selbst sollen isoliert und winterfest gemacht werden. 750 Flüchtlinge wohnen derzeit im Camp, die Hälfte ist allein nach Hamburg gekommen, die andere Hälfte mit der Familie. Derzeit seien es hauptsächlich Syrer, aber auch Menschen aus Albanien, dem Irak oder Afghanistan, so Faust.

Medizinisch versorgt


„Wir haben jetzt täglich ein Ärzteteam für einige Stunden vor Ort“, antwortete Faust auf eine Anwohnerfrage zur medizinischen Versorgung. „Viele sind erst auf der Flucht krank geworden“, ergänzte Dr. Frauke Ishorst-Witte, Leiterin des Wandsbeker Gesundheitsamtes. Es seien viele grippale Infekte, aber auch Verletzungen und Wunden, die versorgt würden. Es gebe auch Infektionskrankheiten, aber die seien nicht ansteckend. „Alle Flüchtlinge werden nach ihrer Ankunft untersucht, etwa auf Tuberkulose. Und alle werden nach deutschem Standard geimpft“, so Ishorst-Witte. Sie wolle nichts beschönigen, aber die Situation habe sich aus ärztlicher Sicht entspannt. Allerdings finden die Sprechstunden in Containern statt: „Das ist noch nicht ideal, wir müssen noch immer improvisieren“, sagte die Ärztin.

Kinderbetreuung


So sei in der Notunterkunft auch die Betreuung von traumatisierten Flüchtlingen kaum möglich, dies könne aber in Folgeunterkünften nachgeholt werden. „Es gibt genug Sanitärcontainer in Jenfeld“, so Bastian Faust auf Nachfrage. Auch einen Babyraum mit Hebamme gebe es nun und eine Kinderbetreuung für 3- bis 6-Jährige. Man bemühe sich aber, Familien mit Kindern unter 3 Jahren schnell in die Halle der neuen ZEA im Bargkoppelstieg in Meiendorf zu verlegen. Verlegt werden soll auch der Eingang des Zeltcamps in Jenfeld. So soll vor allem die Lärmbelästigung der Anwohner durch den Anlieferverkehr verringert werden, der dann über den Jenfelder Tannenweg erfolgt. Dort liegt auch das Jugendzentrum Jenfeld, das täglich von 300 bis 700 meist jugendlichen Campbewohnern besucht wird. Am vergangenen Sonntag wurde hier ein Grillfest gefeiert, auch mit vielen Anwohnern. „Es war eine tolle Party“, sagte Torsten Niehus, Leiter des JuZ.

Kommentar: Der Notstand wird verwaltet

Zelte und Container müssen weg, da sind sich alle Fraktionen in der Wandsbeker Bezirksversammlung einig. Feste Unterkünfte braucht die Stadt, 800 Wohnungen für Flüchtlinge sollen im kommenden Jahr gebaut werden. Gleichzeitig wird im Moorpark in Jenfeld daran gearbeitet, die Zeltstadt mit Heizungen zu versorgen und leidlich winterfest zu machen. Aus dem Provisorium wird also ein Dauerzustand. Wie passt das zusammen?
Die Bezirkspolitik will endlich nicht mehr reagieren, sondern handeln. Doch das ist schwierig angesichts konstant hoher Flüchtlings-Zahlen. Und mal eben 800 Wohnungen zu bauen, dauert trotz vereinfachten Baurechts. Vielleicht ist für den Winter 2016 Abhilfe geschaffen, in diesem Jahr wird es nichts mehr. Also muss der Bezirk weiter Büros und Hallen anmieten und den Notstand verwalten. Eine vage Hoffnung für die Menschen, die weiter in Jenfeld auf der Wiese leben müssen. Von Rainer Glitz
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1 Kommentar
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Elke Noack aus Rahlstedt | 22.09.2015 | 18:41  
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