„Hier wurde viel Gift reingekippt“

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Rentner Dietmar Eggers auf dem ehemaligen Gelände des Post SV Foto: tel

Verseuchung des Post-SV-Areals schreckt Investoren ab. Grünanlage?

Farmsen Dietmar Eggers (61) ist sauer: Gerade hat er erfahren, dass das große bewaldete Grundstück schräg gegenüber der ehemaligen Neue-Heimat-Siedlung an der Meilerstraße in Farmsen mit einer Flüchtlingsunterkunft bebaut werden soll. „Ich habe nichts gegen Flüchtlinge, will auch nicht in die rechte Ecke gestellt werden“, sagt der Frührentner. „Aber hier die ganzen schönen Bäume abzuholzen, ist doch ein Wahnsinn“ meinen Eggers und sein Nachbar Karl-Heinz Hoff (65). Eggers hat eine emotionale Bindung zu dem Grundstück: „Als Kinder sind wir immer dort rüber, haben Obst geklaut – Äppel, Pflaumen, Kirschen“, berichtet der echte Hamburger Jung. Warum geht man nicht hundert Meter weiter, macht endlich den riesigen Sportplatz vom Post SV sauber und baut dort?“, will er wissen.

Ehemalige Mülldeponie


Auf dem ehemaligen Sportplatz des Post SV kennt sich Eggers genauso gut aus: „Hier war der Bretterzaun, dann noch ein paar Meter, dort fing die Müllgrube an“, zeigt er. Das Gelände mit zwei Rasen- und einem Grandplatz, einst eine Tongrube, wurde bis 1966 als Mülldeponie genutzt. „Hier haben wir als Kinder gespielt, das war jahrelang unser Abenteuerspielplatz“, berichten Eggers und Hoff. „Die Grube war 30-40 Meter tief. Da wurde alles reingekippt, von Autowracks bis zu Giftfässern. Ich kann mich noch an die Fässer mit dem Totenkopf-Zeichen erinnern“, sagt Eggers, der nach eigenen Angaben krebskrank ist: „Einige meiner damaligen Kumpel sind früh gestorben. Ich vermute, wegen der Deponie.“
Nach Informationen des Bezirksamtes Wandsbek wurde dort zwischen 1941 und 1966 Haus- und Sperrmüll, Bodenaushub, Bauschutt und Industriemüll aller Art abgeladen. Der daraus entstadene Giftcocktail enthält so ziemlich alles, was das Herz eines Chemikers begehrt, ob Schwermetalle, Arsen, FCKW oder Chlorbenzole. Die Stadt schloss 1966 die private Deponie und übernahm ein Jahr später das Grundstück. Rings um die ehemalige Kippe wird regelmäßig gemessen und beprobt. Glücklicherweise scheint der Giftcocktail nicht in Grundwasserschichten gedrungen zu sein. Nach der Schließung wurde die Deponie nach oben abgedichtet und bis zur Insolvenz des Post Sportvereins im Jahre 2013 als Sportfläche genutzt.
Auch der Bürgerverein Farmsen-Berne befasst sich seit Jahren mit dem Thema. Vorsitzender Hans-Otto Schurwanz: „In Gutachten wurden die Kosten der Entsorgung zuletzt auf bis zu 39 Mio. Euro beziffert. Da findet sich natürlich kein Bauinvestor. Der Bürgerverein wird demnächst offiziell vorschlagen, das Gelände in eine Grünanlage umzuwidmen.“ (tel)
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1 Kommentar
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Rainer Stelling aus St. Georg | 20.11.2015 | 10:29  
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