In Afrika im Einsatz

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Kinderbuchautorin Kirsten Boie hilft AIDS-Waisen Foto: cm
 
Eine ehrenamtliche Helferin verteilt Essen an die Kinder Foto: privat

Kinderbuchautorin Kirsten Boie hilft AIDS-Waisen

Von Christa Möller
Barsbüttel
Ein elfjähriges Mädchen, das ganz allein seine beiden fünf- und achtjährigen Neffen aufzieht. Zwei Kinder, die elternlos in einer verfallenden Hütte leben. Geschichten wie diese machen betroffen. Kirsten Boie aus Barsbüttel las vor acht Jahren einen großen Artikel über AIDS-Waisen in Swasiland, einem Königreich in Südafrika, das etwas kleiner als Sachsen ist und ungefähr 1,2 Millionen Einwohner hat. Seitdem engagiert sie sich für das Projekt „MobiDiK-Swasiland“ (Mobiler Dienst für Kinder) der Thomas Engel-Stiftung, das sich für die medizinische Versorgung von Aids-Waisen in Swasiland einsetzt und mit UNICEF und Ärzte ohne Grenzen kooperiert sowie vor Ort mit dem Partner „Hand in Hand Swaziland“. „Es ist das Land mit der höchsten HIV-Infektionsrate weltweit. 50 Prozent der Mütter sind infiziert“, sagt die bekannte Kinderbuchautorin. Gründe seien mangelnde Aufklärung und die Lage als Durchgangsland zwischen Südafrika und Mosambique.

Mobile Hilfe


In so genannten Neighbourhood Care Points werden die AIDS-Waisenkinder dank MobiDiK versorgt und inzwischen auch auf HIV getestet. „Das wird auch gut angenommen“, sagt die engagierte Unterstützerin. Ein Problem: Nur 53 Prozent der HIV-infizierten Kinder mit Anspruch bekommen die nötige Medizin. Denn die Aids-Medikamente müssen einmal im Monat abgeholt werden - schwierig, wenn die nächste Krankenstation in dem zum Teil bergigen Land 20 Kilometer entfernt ist und die Menschen zu Fuß gehen müssen. Deshalb will die Organisation ein drittes Ambulanzfahrzeug anschaffen.
Seit 2009 fährt die 64-Jährige mindestens einmal jährlich nach Afrika, gerade ist die nächste Reise in Vorbereitung. Die Verständigung erfolgt überwiegend auf englisch, aber ein paar Sätze „siSwati“ hat sie inzwischen auch gelernt. Kirsten Boie ist berührt von der Herzlichkeit der Menschen und „es ist unglaublich befriedigend zu sehen, dass man tatsächlich etwas bewirken, etwas verändern kann.“ 2013 hat die Kinder- und Jugendbuchautorin ein Buch über Swasiland veröffentlicht - Titel: „Es gibt Dinge, die kann man nicht erzählen“. Zuvor hat sie gar nicht über ihr Engagement in Afrika gesprochen, jetzt aber sieht sie die Möglichkeit, weitere Unterstützer für das Projekt zu gewinnen, auch über das Buch. „Es ist gedacht für Jugendliche ab zwölf Jahren und für Erwachsene“, sagt die Mutter zweier inzwischen erwachsener Adoptivkinder. Für ihre Kinder hat sie ihren Beruf als Lehrerin aufgegeben. Das Jugendamt sah es damals nicht gern, wenn Adoptivmütter berufstätig waren. Aus heutiger Sicht erfreulich, denn „sonst hätte ich hundertprozentig nicht angefangen zu schreiben.“ Etwa 100 Kinder- und Jugendbücher hat Kirsten Boie veröffentlicht, bereits ihr erstes, „Paule ist ein Glücksgriff“, das 1985 erschien, war ein beispielloser Erfolg. Viele Preise hat die Autorin für ihre Bücher bekommen und 2007 den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises für ihr Gesamtwerk. Wenn sie ein Buch in Arbeit hat, setzt sie sich morgens um sieben an ihren Schreibtisch und schreibt dann den größten Teil des Vormittags. Über Rückmeldungen der jungen Leser auch in ihrem Online-Gästebuch freut sich die Autorin, die 2011 das Verdienstkreuz 1. Klasse für ihr soziales Engagement erhielt, besonders.

Ausstellung


„Was man bei jedem Kind erreichen muss und erreichen kann, ist eine ausgeprägte Lesefähigkeit“, betont sie. Deshalb hat sie vor acht Jahren das Leseförderprojekt „Buchstart Hamburg“ mit aufgebaut, das jedes Hamburger Kind bei der kinderärztlichen Untersuchung U6 mit einer Büchertasche versorgt, 23.000 Taschen sind 2014 ausgegeben worden. Außerdem ist Kirsten Boie im Auftrag des Goethe-Instituts weltweit unterwegs. „Nur in Australien und Neuseeland war ich noch nicht“, erzählt sie.
Spenden für Swasiland bekommt sie von der Barsbütteler Gemeinschaftsschule aus den Einnahmen des Spendenlaufes, von der Musikschule durch ein Benefizkonzert und von der 4. Grundschulklasse durch Waffel- und Kuchenverkauf. Noch bis Mai ist im Eingangsbereich der Sozialstation Barsbüttel am Waldenburger Weg 2 eine kleine Ausstellung über Swasiland zu sehen. Fotos und Texte stammen überwiegend von Kirsten Boie. Im Mai folgt eine weitere im Reinbeker Schloss.
Wie sie all das schafft? „Sie können unglaublich viel an einem Tag schaffen, wenn es Ihnen zu 90 Prozent Freude macht“, hat Kirsten Boie festgestellt. Im März wird sie 65, aber ihre jungen Leser können sich auf weitere Werke freuen.
Und was wünscht sie sich für Swasiland? „HIV zurückdrängen und den Kindern Bildungschancen eröffnen.“

Weitere Informationen: www.mobidik-swasiland.org
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