Juze braucht mehr Hilfe

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Der Kicker ist beliebt Foto: fbt
 
„Ich bin zuversichtlich“, sagt Juze-Chef Torsten Niehus. Im Juze arbeiten 20 Haupt- und zirka 30 Ehrenamtliche und Honorarkräfte Foto: fbt

Flüchtlinge aus Moorpark nutzen Jenfelder Jugendzentrum als Anlaufpunkt

Von Frank Berno Timm
Jenfeld
Am Anfang kamen die neuen Nachbarn zu Hunderten. Weil das Jenfelder Jugendzentrum (Juze) direkt neben der Flüchtlingsunterkunft im Moorpark liegt, ist es eine wichtige Anlaufstelle für die zusätzlichen Besucher geworden. Juze-Chef Torsten Niehus hat sich mit seinen Leuten auf das neue Publikum eingestellt. Die fremden Jungs sind höflich, sogar mehr als das. Die Eingangstür zum Juzegelände klemmt nur und ist nicht abgeschlossen, ein Junge packt zu und öffnet sie für den Reporter. „Inside this place“, steht da mit schwarzem Filzstift an der Wand, „praying is forbidden, because there are so many religions“. Also: Hier darf nicht gebetet werden, weil es hier so viele Religionen gibt. Dasselbe noch auf Farsi und Arabisch. Stimmengewirr herrscht im Raum, Kinder laufen umher, es ist Trubel. Juze-Chef Torsten Niehus bittet in sein Büro und erzählt, als Mitte Juni die ersten Bewohner ins benachbarte Camp zogen, standen kurze Zeit später morgens 800 Flüchtlinge vor der Tür. Es sei eine Zeitlang nicht möglich gewesen, „reine Kinder- und Jugendarbeit zu machen“. Niehus berichtet von Tagen mit 700 Besuchern (das Hauptgebäude des Zentrums hat 300 Quadratmeter), ohne dass etwas Besonderes los war. Der Juze-Chef fing an, die Arbeit rund um den Moorpark zu koordinieren, man traf sich im Camp zum Runden Tisch. „Wir haben es erstmal laufen lassen“, fügt er hinzu, das Jugendzentrum habe sich zum Familienzentrum gewandelt.

Dreimal mehr Besucher


Inzwischen sind die Öffnungszeiten geteilt: Bis 14 Uhr ist das Juze Kindern und Familien mit Kindern vorbehalten, danach offen für alle. Wichtig und begehrt ist das freie WLAN. Wie hat das Stammpublikum auf die Veränderung reagiert? Ein Teil sei weggeblieben, inzwischen hat sich ein neues formiert, lautet die Antwort. Asylbewerber, die längst in anderen Einrichtungen leben, kommen regelmäßig zu Besuch nach Jenfeld. Vor drei, vier Wochen hätten sie die Besucher gezählt: 37.000 bislang in diesem Jahr, 10.000 waren es im letzten. Das kostet Geld. Doch gravierender ist anderes: Statt einer grauen Tonne braucht das Juze jetzt vier. „Ein bisschen“ Geld kam vom Bezirk Mitte, „weiteres erstmal nicht“. Dabei ist mehr Hilfe nötig: Immer wieder wird Obst gebraucht, Hygieneartikel wie Klopapier, Flüssigseife und Papiertaschentücher. Wenn Niehus nachmittags drei Kisten Obst bereitstellt, ist es nach einer halben Stunde alle.
Wie geht es weiter? Der Moorpark, sagt der Leiter des Jugendzentrums, solle ganz Erstaufnahme werden. Dass anderswo nicht oder nur verzögert gebaut werden kann, wirke auf andere Einrichtungen zurück, auch den Moorpark. Das Jugendzentrum hat direkten Kontakt mit dem Campleiter: „Das klappt sehr gut“. Politik und Religion, fügt Niehus noch hinzu, hätten sie immer schon aus dem Zentrum gehalten. Insgesamt arbeiten hier 20 Leute, dazu Ehrenamtliche und Honorarkräfte. Ein kleiner Rundgang folgt. Immer noch Trubel, Bar und Kicker sind dicht umlagert. Nebenbei sitzt eine Gruppe und arbeitet, der Computerraum ist heiß begehrt. Wenn man nur am Moorpark-Camp vorbeiläuft – hinter einem Bauzaun ist eine trostlose Containerstadt aufgebaut – kann man sich lebhaft vorstellen, dass das „Juze“ ein wichtiger Anlaufpunkt ist. Hier im Lager gibt es laut Auskunft des Betreibers „fördern + wohnen“ 800 Plätze. (fbt)

Jenfelder Jugendzentrum, Jenfelder Tannweg 10, Kontakt für Spenden niehus@ quadriga-hamburg.de
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