Kästner-Schule in Hamburg ist top

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Merlin Wassermann (16), Justin Reichelt (17) und Lucas Busse (17) (v.l.) bereiten im Projektunterricht der 10. Klassen eine Ausstellung zum Thema „Die Zeit nach dem Krieg– 1945, 50er, 60er“ vor Foto: Sichting
 
Die graue Fassade der Erich-Kästner-Schule wirkt nur bedingt einladend - doch das Innenleben ist entscheidend

Beim Deutschen Schulpreis unter den 20 Besten

Von Mathias Sichting
Hamburg. „Es ist ein gutes Gefühl, wenn man sich in der Spitzengruppe befindet“, gibt Pit Katzer, Leiter der Erich-Kästner-Schule in Farmsen-Berne, zu. Auslöser für dieses Hochgefühl ist die positive Beurteilung der Bewerbungsunterlagen seiner Einrichtung zum Deutschen Schulpreis 2014. Die Kästnerschule gehört laut Jury zu den besten 20 Schulen Deutschlands. „Wir waren schon zwei Mal nominiert– 2008 und 2012. Damals durften wir auch nach Berlin zum Finale fahren. Ein Wahnsinns-
erlebnis. Für uns ist dieser Preis sehr interessant, da jedes Mal andere Einrichtungen aus dem gesamten Bundesgebiet am Start sind. Wir befinden uns regelmäßig mit 100 Schulen im Vergleich. Die denken alle von sich, dass sie zu den Besten gehören“, so der Schulleiter.
Die Qualität der Arbeit der Erich-Kästner-Schule steht auf sechs Säulen: Leistung, Umgang und Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulklima/Schulleben und Lernende Institution. „Wenn man die Leistungen einzelner Schulen untereinander vergleichen möchte, kann man diese nicht einfach nach dem Ranking der Abi-Noten beurteilen. Das wäre zu einfach. Man muss auch immer darauf achten, mit welchen Eingangsvoraussetzungen die Schüler zu uns kommen. Wenn 80 Prozent der Schüler eine Gymnasialempfehlung nach
Klasse 4 haben, ist es nicht erstaunlich, dass deren Noten dann im Abi im Durchschnitt besser sind. Wenn 80 Prozent der Gymnasiasten aber das Abi schaffen, ohne dass sie nach der vierten Klasse eine Empfehlung fürs Gymnasium hatten, ist das eine noch bessere Leistung der Schule. Wichtig ist der Lernzuwachs und nicht, dass die Hochbegabten noch etwas dazulernen“, so der 61-Jährige zur Philosophie der Einrichtung. „Von unseren Schülern, die in die gymnasiale Oberstufe übergehen, erreichen 92 Prozent das Abitur mit dem landesüblichen Notendurchschnitt. Weitere sechs Prozent gehen mit der Fachhochschulreife nach der 12. Klasse ab. „Eine besondere Leistung sehen wir darin, dass 78 Prozent der Schüler mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt im Bereich Lernen und emotionaler und sozialer Entwicklung den Ersten oder sogar Mittleren Schulabschluss erreichen. In Förderschulen liegt diese Quote bei 20 Prozent.“
Die Liste der Auszeichnungen der Gesamtschule liest sich wie die Plakette am Vitrinenschrank des FC Bayern München: 2008 Nominierung zum Deutschen Schulpreis und 3. Platz im Kinderwelten Award für das langjährige nachhaltige Nicaraguaprojekt; 2009 Eine-Welt-Preis der Norddeutschen Stiftung für Natur und Umwelt, Transfer-21-Schule; 2010 4. Platz beim Projekt Alle für eine Welt – Eine Welt für alle; 2012 Auszeichnung Gesunde Schule, Qualitätssiegel Schule mit vorbildlicher Berufsorientierung, nominiert für den Deutschen Schulpreis; 2014 Preisträger Jakob-Muht-Preis (Inklusion).
„Auf dem Gebiet der Inklusion sind wir bundesweit ganz weit vorn. Unser Lernkonzept umfasst, dass ein Kind mit geistiger Behinderung mit einem Kind das Abitur machen möchte, gemeinsam unterrichtet wird. In diesen Klassen machen wir keinen Frontalunterricht. Meist sind zwei Pädagogen während des Unterrichts in den Klassenzimmern. Unser Konzept setzt darauf, dass jedes Kind auf seinem Niveau lernen kann. Das ist für alle von Vorteil, nicht nur für die mit Lernbehinderung. Auch in einer Gymnasialklasse gibt es eine gewisse Leistungsbandbreite. Unterrichte ich die Mitte, erreiche ich nicht die Schwächsten, aber auch nicht die Stärksten“, so Katzer. „Seit der letzten Bewerbung vor zwei Jahren haben wir uns eine ganze Ecke weiterentwickelt. Wir sind eine Schule, die eine sehr dynamische Unterrichts- und Schulentwicklung hat. Insofern sind wir gespannt, wie die Jury die Veränderungen der vergangenen zwei Jahre bewertet. Diese Rückmeldung ist für uns äußerst interessant.“
Betritt man das Schulgebäude in der Hermelinstraße, spürt man gleich den Spirit der Einrichtung. Die Schüler grüßen freundlich, es wird sich angeregt unterhalten. An den Durchgangstüren kleben Aushänge mit Ankündigungen verschiedenster Projekte. Handys sieht man kaum. Die Beschilderung in den Fluren lässt erahnen, dass die Schüler gerne hier sind. Schul-Zoo, Schulrestaurant, Schülercafé und Streitschlichtung. Anscheinend wurde hier auch der Begriff Vielfalt in der Schullandschaft geprägt. „Ich wäre hier gerne selber zur Schule gegangen“, gibt Irene Bullig, für Koordinierung der Klassenstufen 7 bis 10 zuständig, bei einem Rundgang zu. „Die Schüler haben eine enorm große Bindung an unsere Einrichtung. Sie können sich hier ein bisschen wie Zuhause fühlen und bleiben sogar in den Freistunden und an den Nachmittagen hier.
Das fördert den Zusammenhalt und die sozialen Kompetenzen. Dank unseres sehr guten Beratungsdienstes spielt das Problem Gewalt bei uns fast keine Rolle. Es gibt die üblichen Raufereien zwischen Fünft- und Siebtklässlern. Aber das sind halt pubertierende Jungs. Das gibt es doch überall.“
In diesem Jahr sind zwei Hamburger Schulen in den Top 20 des Deutschen Schulpreises. Neben der Kästner-Schule ist die Nelson-Mandela Schule in Kirchdorf dabei. „Ich sehe unsere Chancen ganz gut, da wir mit dem Jakob-Muth-Preis 2014 bereits eine deutschlandweite Auszeichnung erhalten haben. Wir gehen davon aus, dass wir für Berlin nominiert werden und nicht aus dem Kreis der 20 Schulen herausfallen“, blickt Pit Katzer voraus. Am 12. und 13. Februar ist die Jury in der Hansestadt zu Gast.
„Wir sind eine Schule, die man von der Vorschulklasse bis zum Abitur besuchen kann. Davon gibt es in Hamburg nur eine sehr begrenzte Anzahl.“ 1.350 Schüler werden an der Gesamtschule von 180 Pädagogen unterrichtet. Das Verhältnis passt. Nach zwei Stunden in dem Gebäude würde man am liebsten selber wieder die Schulbank drücken. Natürlich als Pennäler der Erich-Kästner-Schule. (ms)
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