Kirche plant Wohnungen

Anzeige
Der Plan skizziert den Neubau des Kirchenkreises Hamburg-Ost am Georg-Raloff-Ring auf der rechten Seite; die Kindertagesstätte (links) bleibt erhalten, ebenso die meisten Alleebäume. Auf der Straßenseite und an der Rückfront des Neubaus entstehen insgesamt 18 Parkplätze Grafik: wb/Kühn

Geldmangel: Martin-Luther-King-Gemeinde vergibt Grundstück an Kirchenkreis

Von Michael Hertel
Steilshoop
Eine nicht alltägliche Methode zur Sicherung von Einnahmen wendet die evangelische Martin-Luther-King Kirchengemeinde in Steilshoop an: Sie vergibt ein Teilgrundstück zur Bebauung am Georg-Raloff-Ring 11 per Erbpacht an den evangelischen Kirchenkreis Hamburg-Ost. Hintergrund ist der dramatische Rückgang der Gemeindemitglieder. Vorgestellt wurde das Bauvorhaben kürzlich im Stadtteilbeirat Appelhoff. Der Baugrund entsteht durch Grundstücksteilung. Auf rund 3800 Quadratmetern sind insgesamt 55 Wohnungen geplant, ein Drittel als Sozialwohnungen und zwei Drittel frei finanziert.
Die nach Baurecht möglichen sieben Geschosse werden laut Stadtteilbeirat vom Kirchenkreis Hamburg-Ost als Bauträger nicht voll ausgenutzt. Vorgesehen sind fünf Geschosse, davon das oberste als Staffelgeschoss. Zum Komplex gehören insgesamt 18 Parkplätze. Der Bau soll rund neun Millionen Euro kosten und voraussichtlich im Jahr 2017 begonnen werden. Auf dem anderen Teilgrundstück mit rund 2700 Quadratmetern bleibt die vom Diakonie-Hilfswerk Hamburg betriebene Kindertagesstätte im Gebäude des früheren Pfarrhauses mit den dazu gehörigen Freiflächen ebenso erhalten wie ein großer Teil der markanten Baumreihe.

„Im Jahr 2020 haben wir vermutlich nur noch 3200 Gemeindemitglieder.“ Dieter Maibaum

„Das Projekt wurde bereits in der Synode, dem Parlament des Kirchenkreises, beraten und fand Zustimmung. Jetzt liegt es als Bauvoranfrage beim Bezirksamt Wandsbek“, erklärt dazu Dieter Maibaum (74), stellvertretender Vorsitzender des Kirchengemeinderates dem Hamburger Wochenblatt. Der Hintergrund für dieses Vorhaben ist folgender: Die Martin-Luther-King-Gemeinde braucht – wie so viele andere Kirchengemeinden in Hamburg – dringend Geld: Die Zahl der Gemeindemitglieder ist seit 1983 von mehr als 13.000 mit fünf Pfarrstellen auf nunmehr rund 3.600 Gemeindemitglieder und statistisch 1,5 Pfarrstellen zurückgegangen. Entsprechend geringer fällt auch das Kirchensteueraufkommen aus. „Im Jahr 2020 haben wir vermutlich nur noch 3200 Gemeindemitglieder“, sagt Dieter Maibaum.


Erbpacht statt Verkauf


„Die gefundene Lösung mit Verpachtung und Bebauung versetzt uns langfristig in die Lage, relativ unabhängig von der Kirchensteuer einen kontinuierlichen Betrag zur Unterhaltung der bestehenden Einrichtung zur Verfügung zu haben“, sagt der frühere Leiter der Gesamtschule Steilshoop. Maibaum denkt dabei vor allem an die unter Denkmalschutz stehende Martin-Luther-King-Kirche, im Volksmund „blaue Kachel“ genannt, aber auch an die Kindertagesstätte am Edwin-Scharff-Ring und andere Einrichtungen. Clever setzt man dabei auf Erbpacht statt des Verkaufs: „Beim derzeitigen Zinsniveau fahren wir so besser.“
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige