„Kirchenferne Zeiten“

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Klaus Lutterbüse freut sich auf den Besuch von Erzbischof Heße Foto: Thiele

St. Wilhelm blickt zum 60-Jährigen kritisch zurück. Mutter Teresa war Höhepunkt

Von Ulrich Thiele
Bramfeld
Die katholische Kirchengemeinde St. Wilhelm feiert am Sonnabend, 4. Juni, ihr 60-jähriges Bestehen. Zum Höhepunkt der Historie gehört sicher der Besuch von Mutter Teresa im Jahre 1989, die auf Einladung des Vereins „Haus Betlehem“ nach Bramfeld kam. Zum 60-Jährigen kommt der Erzbischof von Hamburg, Dr. Stefan Heße, zu Besuch, um mit der Gemeinde am Hohnerkamp 22 um 18 Uhr einen festlichen Gottesdienst zu feiern und sich anschließend dem „Feiern und Grillen rings um den Kirchturm“ anzuschließen. Klaus Lutterbüse, Sprecher des Gemeindeteams, freut sich über den anstehenden Besuch. Der ehemalige Gymnasiallehrer, der schon Mutter Teresa bei ihrem Besuch in der Kirchengemeinde empfing, wird den Erzbischof während der Festlichkeiten mit einer Rede willkommen heißen. Über die Historie weiß Luttebüse auch einiges zu berichten: Obwohl schon seit 1940 eine Gemeinde bestand (die sich sonntäglich in der Annakapelle im gerade erst käuflich erworbenen Gärtnerhaus traf, aus dem später das Pfarrhaus wurde), konnte die Kirche erst nach den Kriegsjahren erbaut werden. Die Grundsteinlegung erfolgte am 6. Juli 1955 durch Prälat Bernhard Wintermann. Er bestimmte auch den Kirchenpatron, den heiligen Wilhelm von Aquitanien. Das hatte seinen Grund. Damals war Hamburg noch nicht wieder eine Erzdiözese und gehörte zum Bistum Osnabrück. Der damalige dortige Bischof hieß Dr. Wilhelm Berning, und weil Prälat Wintermann gerade vorher die Kirche in Poppenbüttel schon nach seinem eigenen Patron benannt hatte („St. Bernard“), wollte er diese Kirche in Bramfeld nun dem Namenspatron des Bischofs weihen. Die Einweihung der Kirche nahm am 4. Juni 1956 Weihbischof Johannes von Rudloff vor. Klaus Lutterbüse ist bewusst, dass viele Menschen insbesondere der katholischen Kirche kritisch gegenüberstehen. „Wir leben in kirchenfernen Zeiten“, weiß Lutterbüse. „Die Leute leben in einem Wohlfahrtsstaat und sind individualistisch geprägt – was ja ihr gutes Recht ist – deswegen halten sie die Kirche nicht für etwas Notwendiges und vermissen nichts, wenn sie ihr fernbleiben“, sagt er. „Außerdem wiegen natürlich die Missbrauchsfälle besonders schwer. Und wenn die Leute dann noch hören, dass Gelder veruntreut und in die eigene Tasche gesteckt werden, dann gibt ihnen das den Rest. Die Rolle der Kirche sollte ja der Einsatz für die Armen sein und dementsprechend müssen die Gelder verteilt werden.“ Dennoch sieht er die Kirche als gesellschaftlich relevant: „Wir leben in einer Welt, die von Menschen geformt ist, da braucht man keine dahinterstehende Macht, der man dankt. Genau das ist aber der Kern des Glaubens: das Gegebene zu schätzen und zu schonen. Wir plündern Ressourcen und zerstören die Schöpfung, das ist ein Thema, das die Kirche ansprechen müsste.“
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