Klimaneutraler Friedhof

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Die Kapelle des Rahlstedter Friedhofes wird umweltfreundlich beheizt Fotos: rg

Rahlstedter Ruhestätte ist damit bundesweit einzigartig

Von Rainer Glitz
Rahlstedt. Tradition wird auf dem Friedhof in Altrahlstedt großgeschrieben. Seit 1829 gibt es ihn, und er ist damit die älteste noch betriebene Ruhestätte Hamburgs. Doch auch moderne Ideen verbunden mit der entsprechenden Technik finden hier ihren Platz. Der Rahlstedter Friedhof ist als erster in Deutschland klimaneutral. Und das liegt an einem unscheinbaren, grauen Kasten im Keller unter der Kapelle. Es ist ein mit Gas betriebenes Blockheizkraftwerk, das bei Bedarf Strom und Wärme liefert.
Mit 94 Prozent hat die Anlage einen hohen Wirkungsgrad“, erklärt Friedhofsverwalter Matthias Habel und ergänzt: „Wir können so pro Jahr 13 Tonnen Kohlendioxid einsparen, und nebenbei auch 1.500 Euro Heizkosten.“ Ursprünglich hatte Habel nach Ersatz für die mehr als 20 Jahre alte Heizungsanlage gesucht. Bei der Recherche stieß er auf das „Zuhause-Kraftwerk“ der Firma Lichtblick. Er rechnete mit spitzem Bleistift, ließ eine Machbarkeitsstudie durchführen und war schließlich vom Nutzen überzeugt. Im November 2011 wurde der Auftrag für die Anlage auf dem Rahl-stedter Friedhof unterschrieben. Mit einiger Verzögerung aufgrund technischer Probleme des Anbieters ging das Blockheizkraftwerk jetzt in Betrieb. „Die Anlage wird nur bei Versorgungslücken per Funk angeschaltet und produziert innerhalb einer Minute Strom und Wärme“, erläutert Habel. Der Energieanbieter kümmert sich um Wartung und Reparatur.
Die Idee dahinter: Viele dezentrale kleine Kraftwerke sollen gemeinsam mit Wind- und Solarenergie die Grundlast der großen Atom- und Kohlekraftwerke im Rahmen der Energiewende irgendwann ersetzen. Eine Photovoltaikanlage auf dem Kapellendach gibt es in Rahlstedt bereits. „Bis 2020 soll der Friedhof CO2-neutral sein“, sagt Habel. Wenn Lichtblick künftig klimaneutrales Biogas statt Erdgas für das Blockheizkraftwerk verwende, sei dieses Ziel erreicht.
Die umweltfreundliche Anlage liefert Strom für den 8,5 Hektar großen Friedhof samt Sozialräumen für die 31 Mitarbeiter, Gewächshäusern und Verstorbenenhalle. In ihr können bis zu 30 Särge aufbewahrt werden, der Raum ist auf konstante 8 Grad gekühlt. Die im Keller produzierte Wärme heizt die Büros und die Kapelle. 12 Fahrzeuge hat der vom Evangelischen Kirchengemeindeverband Rahlstedt betriebene Friedhof. Alle sollen demnächst elektrisch laufen – nur der Bagger braucht weiterhin Dieselkraftstoff.
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