Klingende Handwerkskunst aus Hamburg

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Lia Eggebrecht, 15, macht gerade ein Praktikum im Orgelbau Foto: Möller
Von Christa Möller
Ein Handwerksbetrieb der etwas anderen Art ist in Tonndorf beheimatet: Seit 1995 werden die einzigartigen Beckerath-Orgeln hier gefertigt. Rudolf von Beckerath gründete die Firma 1949 in Barmbek an der Gluckstraße, wo zwei Jahre später die erste große Orgel für die Hamburger Musikhalle gebaut wurde.

Bald schon folgten weitere Aufträge auch im Ausland, so etwa Cleveland/ USA und in Montreal/ Kanada, aber natürlich auch in Europa. Nach dem Tod des Firmengründers 1976 wurde das Unternehmen zunächst von der Ehefrau und später von Mitarbeitern übernommen.

„In dem sechsstöckigen Gebäude mussten die großen Pfeifen mit einem Kran zwischen den Stockwerken hin- und herbewegt werden“, begründet Geschäftsführer Holger Redlich den Umzug nach Tonndorf, wo die Firma über 900 Quadratmeter Produktionsfläche verfügt.

Rudolf von Beckerath entwickelte in den 1950er-Jahren einen speziellen Orgeltyp, die besonders in den USA beliebte Schleifladenorgel. „Von seinem Ruf zehren wir heute noch“, betont Holger Redlich. Nach wie vor werde viel Wert auf Handarbeit gelegt. „Wir sind eine der wenigen Firmen weltweit, die noch Orgeln selber bauen können“, sagt er mit Stolz in der Stimme.

Im Schmelzofen werden Zinn und Blei für die Pfeifen erhitzt, anschließend auf eine Platte gegossen und geglättet, dann von Hand geschlagen und geformt. „Die kleinste Pfeife ist elf Millimeter hoch, die größte elf Meter“, so Redlich. Nebenan werden für die warmen Klänge Pfeifen aus Eschenholz gebaut. Denn das früher gern verwendete Eichenholz greife das Metall an. In der Holzwerkstatt entstehen die Rahmen, in der Montagehalle können große Instrumente in Teilen aufgebaut werden.

Neun Monate Orgelbau

Zehn Orgelbauer, darunter eine Frau, sind in der Firma beschäftigt, die meisten haben ihr Handwerk auch hier erlernt, „ein Fachwissen, das man nicht an jeder Ecke kriegt“, so der Chef. „Jede Firma hat ihr eigenes Klangideal – das muss man bewahren und weitergeben können.“

250 Beckerath-Orgeln wurden seit der Firmengründung für Deutschland gefertigt, weltweit weitere 425 Orgeln. Bis zu neun Monate dauert der Orgelbau. Die Kosten für eine kleine Orgel liegen bei 150.000 Euro, für große über eine Million. In Hamburg hat die Firma in der Petri-Kirche, dem Marien-Dom und in der Laeiszhalle ihre Handschrift hinterlassen.
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