Krawalle bei Neonazi-Demo in Wandsbek

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Hier wird die Polizei mit Räumgerät und Wasserwerfer im Eilbeker Weg aktiv. Der Wasserwerfer löschte, der Unimog schob den Müll weg. Die Polizei vertrieb die Zündler oder allzu neugierige Zuschauer. Manchmal gab es daher Flaschenwürfe auf sie.
 
Die Neonazis kamen aus ganz Deutschland. Allerdings konnten die rund 700 Rechtsextreme ihre kruden Parolen in Wandsbek und Hamburg kaum verbreiten, eine breite und bunte Gegenwehr engagierter Bürger hinderte sie daran. Fotos: Bätz

Ausschreitungen in Eilbek. Brennende Müllcontainer. Großeinsatz für die Polizei

Von Hubert Bätz
Wandsbek. Hamburg wollte sich bunt und friedlich gegen die Braunen wehren. Auf dem Hamburger Rathausmarkt fernab der Naziroute in Wandsbek gelang dies, in Wandsbek weniger. Die Bilanz des vergangenen Sonnabends ist gemischt, einer friedvollen Demonstration von Jung und Alt und einiger friedlicher Straßenblockaden von meist jungen Teilnehmern stand die Gewalt einiger Automomer gegenüber.
Auch von Seiten der Polizei kam es wohl zu einigen überflüssigen Reaktionen mit Pfefferspray und Einkesselungen friedlicher Demonstranten, das meinen zumindest Grüne und Linke, die in der Hamburgischen Bürgerschaft nunmehr eine aktuelle Stunde zu den Ereignissen dieses Tages beantragten. Zwei Tage vor der genehmigten Demonstration hatte der Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge Plakate verteilt, als Zeichen gegen den Aufmarsch der Rechten. Am Abend tagt die Bezirksversammlung Wandsbek. CDU, FDP, Grüne, Linke, SPD beschließen eine gemeinsame Resolution „Wandsbek ist bunt – nicht braun!“ und rufen dazu auf, sich bunt und kreativ, aber friedlich gegen das braune Pack zur Wehr zu setzen“. Auch die Synode, das „Parlament“ des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Hamburg-Ost nimmt Stellung und ruft dazu auf, sich engagiert und friedlich „gegen menschenfeindliche und rechtsextreme Ideologien und Aktivitäten einzusetzen“. So handelte beispielsweise die Rahlstedterin und frühere Journalistin Gunda Wütschner (68) am Sonnabend. Bevor sie sich zum Rathausmarkt aufmacht, besucht sie den genehmigten Ort der Gegendemonstration am ZOB Wandsbek. Befragt, warum sie mit Peacefahne und Plakat unterwegs sei, erklärt sie: „Es ist notwendig gegen diese braunen Dumpfbacken ein buntes Zeichen zu setzen. Das Einzige, was man mit Naziflugblättern und Infomaterial machen kann, ist weg mit in den Müll, denn diese Menschen produzieren nur Müll!“ Bei dieser Antwort dachte sie sicherlich nicht daran, dass Müll rund eine Stunde später rund um den Eilbeker Weg brennen wird. Schwarz gekleidete vermummte Jugendliche reißen blitzschnell Geländer und Müllcontainer aus ihren Verankerungen, rollen letztere auf die Straße, setzen sie in Brand und verschwinden in den Seitenstraßen. In der Folge haben Polizei und besonders die Feuerwehr viel zu tun. Sie rückt zu mehr als 57 Feuern aus, die rund um den Eilbeker Weg immer wieder angezündet werden. 25 Mal werden Rettungswagen losgeschickt, um Verletzte zu versorgen. Um 12 Uhr, dem geplanten Start der Nazidemo, sind am Startpunkt Route nur ein kleines Grüppchen Neonazis versammelt. Rund 25 Rechte stehen am Kundgebungsort, ein Großteil der Nazis, die aus ganz Deutschland und auch den Niederlanden anreisen, hängt nach Aussagen der Polizei in Bahnen und Bussen fest. Gegendemonstranten versperren ihnen den Weg. Dies wird immer wieder so sein, auch wenn die Polizei versucht, manchmal den Weg mit Reiterstaffel,
Pfefferspray und den Einsatz eines Wasser-Reizgas-Gemisches freizumachen. Immer wieder wird die geplante Route blockiert, teils mit friedlichen Sitzblockaden, teils durch die Aktionen gewaltbereiter „Antifaschisten“. Erst gegen 14 Uhr schaffen es große Neonazi-Gruppen zu ihrem Demo-Treff an die Ecke Hammer Straße/Bärenalleee. Es sind dann rund 700, weit weniger als die Tausend und mehr erwarteten Nazis, die sich schließlich um 15.20 Uhr, nach einer Kundgebung mit drei Stunden Verspätung auf einer veränderter Route in Richtung Sievekingsallee/S-Bahnhof Hasselbrook in Bewegung setzen. Die Mehrheit ist friedlich, allerdings fliegen auch Flaschen, Steine und Böller auf die Neonazis und die Polizisten. Am Peterskampweg stoppt der Zug erneut. Eine Sitzblockade versperrt wieder den Weg. Die Polizei setzt auch hier Wasserwerfer ein. Um 17.30 Uhr , 1500 Meter vom Start, entschließt sich die Polizei die Neonazi-Demo zu beenden. Als die letzten Rechtsextremen gegen 18.15 Uhr im Bahnhof Hasselbrook in Sonder-S-Bahnen nach Harburg und zum Hauptbahnhof verfrachtet werden, beruhigt sich die Lage in Wandsbek und Eilbek.
u Das Bezirksamt Wandsbek bittet die Bürger nun, Kontakt zur Verwaltung aufzunehmen und Schäden oder Mängel an Straßen, Geh- und Radwegen und öffentlichen Einrichtungen zu melden: unter www.online-wegewart.wandsbek.hamburg.de oder t 42881-3061
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1 Kommentar
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Tim Da. aus Wandsbek | 13.06.2012 | 15:27  
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