Lagern gefährliche Altlasten in Wandsbek?

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Nicht jeden Apfel aus Nachbars Garten sollte man essen: Bei der unmittelbaren Nähe zum Chemiewerk sollte Vorsicht angebracht sein Foto: nik

Grünen-Politiker warnt vor verseuchten Erd-Arealen. Gefahrenstandorte online abrufbar

Wandsbek Tür an Tür mit einem Chemie-Werk. Nach heutigen Maßstäben undenkbar. Doch die Anlieger rund um das Chemie-Werk Allnex an der Helbingstraße können es sich nicht aussuchen. Viele wohnen hier bereits seit Jahren. Und es scheint ein Idyll zu sein. Doch Oliver Schweim, Sprecher der Grünen im Wandsbeker Planungsausschuss, weiß welche Gefahr von den Altlasten des Chemie-Werks ausgeht. Obst aus dem angrenzenden Kleingarten würde er nicht essen. Aber nicht nur hier ist der Boden verseucht. Kinder spielen auf dem Sportplatz an der Stephanstraße. Gleich neben der Sportanlage befindet sich ein Kindergarten. „Der Sportplatz ist versiegelt“, so der Politiker, „darunter befinden sich vermutlich Altlasten.“ Auch der Kleingartenverein 515 ist durch Industrie- und Gewerbeabfall belastet. Kein Wunder, wenn der Nachbar ein Chemie-Werk ist, das bereits seit 1933 in Betrieb ist und hochgiftige Kresole und Phenole verarbeitet. „Es hat in den Jahren mehrere Störfälle gegeben“, weiß Schweim. Darunter Großbrände. Das Grundwasser ist rund um das Werk verseucht. Das ist kein Geheimnis. Doch ob chemische Abfälle in den umliegenden Tongruben deponiert wurden ist unklar. Der Politiker: „Bis nach dem Krieg war das Umweltbewusstsein nicht ausgeprägt. Chemische Produktionsreste wurden daher vermutlich auch in den damals in Wandsbek vorhandenen Tongruben deponiert. Beispiele solcher Gruben liegen am Friedrich-Ebert-Damm, in der Stephanstraße neben der Schule oder die größte im Neusurenland. Aus verschiedenen Angaben der Fachbehörden geht hervor, dass hier Industrie und Gewerbeabfälle deponiert und abgedeckt wurden.“Auf seiner Online-Karte unter www.oliver-schweim.de hat der Grünen-Politiker alle ihm bekannten Gefahrenstandorte zusammengefasst. „Heute würde man so ein Werk nicht mitten in die Stadt bauen“, sagt Schweim weiter. Doch wohin mit dem Betrieb, der seit mehr als 80 Jahren an der Helbingstraße seinen Standort hat? Eine Sanierung des Bodens wäre aufwendig und kostenintensiv. Bei dem Eigentümerwechsel des Werkes vor gut drei Jahren stellten sich die Grünen-Politiker schon einmal die Frage, ob und welche Gefahr von dem Werk ausgehe. Der heutige Anlass ist eine Geruchsbelästigung, die noch immer andauert. Wie berichtet, war vor gut einem Monat in dem Werk bei Abbrucharbeiten in einer Produktionshalle ein Kessel mit Chemikalien beschädigt worden. Dabei traten rund 100 Liter Chemikalien aus. Laut Umweltbehörde bestand zu keiner Zeit eine Gefahr für die Bevölkerung. (nik)

Weitere Infos: www.oliver-schweim.de

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